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Deutschland / Welt Südkoreanischer Ex-Präsident Roh begeht offenbar Selbstmord
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10:25 24.05.2009
Roh Moo Hyun Südkorea Selbstmord Korruption
Selbstmord: Viele Südkoreaner sind geschockt. Quelle: Jung Yeon-Je/afp
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Die Nachricht über den Tod des 62-Jährigen, der von 2003 bis 2008 Präsident von Südkorea war, löste Bestürzung im In- und Ausland aus.

Roh sei von einem Felsen in der Nähe seines Heimatdorfes Bongha gesprungen, sagte sein früherer Chefsekretär Moon. Der Ex-Präsident war demnach im Morgengrauen mit einem Leibwächter zu dem Berg aufgebrochen. Die Polizei erklärte, es werde geprüft, ob Roh Selbstmord begangen habe. Sie bestätigte, dass auf seinem Computer ein kurzer Abschiedsbrief gefunden worden sei. „Ich habe so vielen Menschen so viele Sorgen bereitet“, zitierten örtliche Medien daraus. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, Roh sei gestorben, nachdem er in ein größeres Krankenhaus in der Stadt Busan gebracht worden sei.

Südkoreas Regierungschef Han Seung Soo berief das Kabinett zu einer Sondersitzung ein und brachte seine „Erschütterung und Trauer“ zum Ausdruck. Staatschef Lee Myung Bak ließ erklären, Rohs Tod sei eine nationale Tragödie.

US-Präsident Barack Obama erklärte in Washington, die Nachricht von Rohs Tod habe ihn traurig gemacht. Während seiner Präsidentschaft habe Roh zu einem „starken und lebendigen Verhältnis“ zwischen Seoul und Washington beigetragen. Japans Ministerpräsident Taro Aso äußerte sich laut Nachrichtenagentur Jiji “überrascht“ und traurig über Rohs Tod. Nach eintägigem Schweigen berichteten am Sonntag auch Nordkoreas Staatsmedien über den Vorfall.

Roh, Sohn armer Bauern, hatte sich in Abendkursen zum Anwalt fortgebildet. Er erwarb sich durch die Verteidigung von Opfern der Militärregierung Respekt und zog 1988 ins südkoreanische Parlament ein. 2003 übernahm Roh das Präsidentenamt mit dem Versprechen, gegen Korruption und die Macht alter Eliten vorzugehen. Er führte die sogenannte Sonnenschein-Politik gegenüber Nordkorea fort und seine Bemühungen um eine Annäherung zwischen Seoul und Pjöngjang führten 2007 zu einem Gipfeltreffen mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il.

Kritiker warfen Roh zu viele Zugeständnisse an Nordkorea ohne nennenswerte Gegenleistungen vor. Außerdem verlor er wegen der trägen Wirtschaftsentwicklung sowie undiplomatischer Äußerungen an Popularität.

Gegen Ende seiner bis 2008 dauernden Amtszeit war Roh in Finanzskandale verwickelt. Zuletzt liefen gegen ihn Korruptionsermittlungen, weil seine Frau von einem Schuhhersteller umgerechnet 715.000 Euro erhalten haben soll. Eine seiner Nichten soll aus gleicher Quelle umgerechnet 3,6 Millionen Euro bekommen haben. Roh wurde in der Sache Ende April als Verdächtiger befragt.

Roh hatte sich öffentlich für die Verstrickung seiner Familie in die Affäre entschuldigt, aber kein eigenes Fehlverhalten eingestanden. Vergangene Woche war Rohs älterer Bruder Roh Gun Pyeong zu vier Jahren Haft verurteilt worden, weil er während der Präsidentschaft seines Bruders Bestechungsgelder angenommen hatte.

Nach Rohs Tod versammelten sich in seinem Heimatdorf Bongha hunderte Anhänger und Abgeordnete seiner Partei. Sie kritisierten die Ermittlungen gegen Rohs Familie als „rücksichtslos“. In einem Webportal äußerten sich laut Yonhap binnen knapp drei Stunden mehr als 15.000 Nutzer zu Rohs Tod.

afp