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Deutschland / Welt „Sea Watch 3“: Sterben lassen ist okay, aber Retten wird bestraft?
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Sea Watch 3“: Sterben lassen ist okay, aber Retten wird bestraft?
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17:23 29.06.2019
Wer ist hier gesetzlos? Italiens Innenminister Matteo Salvini während einer TV-Sendung. Auf der Monitorwand im Hintergrund ist Carola Rackete eingeblendet, Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea Watch 3“. Quelle: Carlo Cozzoli/LaPresse via ZUMA
Berlin

Eine Schiffskapitänin rettet 40 Menschen vor dem Ertrinken, steuert nach Wochen des Darbens auf hoher See einen Hafen an – und wird dafür bestraft. Die Festnahme der Kielerin Carola Rackete durch italienische Behörden auf der Insel Lampedusa offenbart die Kälte, Brutalität und Unrechtmäßigkeit, die sich Europas Politiker im Umgang mit Geflüchteten erlauben.

Rackete hat in dieser dunklen Nacht zu Samstag Europa einen Spiegel vorgehalten. Der Anblick ist zum Schämen.

Salvini missachtet Recht und Moral

Italiens rechter Innenminister Salvini, stolzer Katholik, missachtet beides: das christliche Gebot der Nächstenliebe ebenso wie das internationale Recht. Dieses verpflichtet zur Seenotrettung.

Nicht Rackete hat, wie Salvini behauptet, „gesetzlos“ gehandelt, sondern er selbst tut dies, indem er Lebensrettung als Straftatbestand darstellt. Mit Salvinis Lega-Partei in der Regierung driftet Italien weit weg von jenen Werten, die Europas Politiker in ihren Sonntagsreden so gern beschwören.

Und doch macht es sich zu leicht, wer alle Schuld am Drama um die Kapitänin Rackete in Rom sieht. Seit Jahren helfen sehr viele Italiener den Ankommenden aus Afrika, wo sie nur können. Allein aber kann Italien – ebenso wenig wie Griechenland oder auch Spanien – die Migration übers Mittelmeer nicht bewältigen. Ganz Europa ist gefordert. Aber Europa schaut weg.

Das Sterben geht weiter

Die Sea-Watch-Kapitänin schaute hin. Sie fuhr aufs Mittelmeer, das längst zu einem Massengrab geworden ist. Es sind nicht Leute wie Carola Rackete, die Menschen zur Flucht bewegen. Es sind Armut, Gewalt und skrupellose Menschenhändler. Auch heute treibt gewiss irgendwo vor der Küste Nordafrikas ein Boot mit Notleidenden im Meer. Ohne dass jemand davon Notiz nähme, weil Rettungsmissionen tabu sind.

Erst an Bord von Helfern wie der Sea-Watch werden die Notleidenden für uns sichtbar. Die umgehende Kriminalisierung der Retter und Geretteten soll abschrecken; sie soll aber auch das schlechte Gewissen des Publikums entlasten.

Sterben lassen ist ok, aber retten wird bestraft? Das kann, das darf Europa nicht wollen.

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Von Marina Kormbaki/RND

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