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Deutschland / Welt Obama umschmeichelt saudischen König
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13:57 29.03.2014
Foto: US-Präsident Barack Obama (l.) bei seinem Treffen mit dem saudischen König.
US-Präsident Barack Obama (l.) bei seinem Treffen mit dem saudischen König. Quelle: dpa
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Riad

Eine Oase gilt gemeinhin als rettendes Fleckchen mitten in der Wüste. Dass der saudische König Abdullah seinen Gast US-Präsident Barack Obama ausgerechnet in seine Privat-Oase rund 100 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Riad zum Gespräch lud, ist daher voller Symbolik.

Auch in der traditionell engen Beziehung hat sich zuletzt Ödnis breitgemacht. So sehr, dass Obama das dringende Bedürfnis verspürte, der strategisch und ökonomisch wichtigen Partnerschaft mit einem Besuch neues Leben einhauchen.

Zwar wirbelte der Präsident mächtig Staub auf, als sein Hubschrauber am Freitagabend in Abdullahs prunkvollem Wüstencamp landete, in dem riesige Kristall-Kronleuchter von den Decken und wertvolle Gemälde an den Wänden hängen. Doch kritische Themen ließ Obama bei dem zweistündigen Treffen unter den Tisch fallen – für Kritiker zu viele.

Die kaum existenten Frauenrechte in der islamischen Monarchie thematisierte er ebenso wenig wie ein neues Gesetz, das Demonstranten als Terroristen bestraft. „Der Fokus lag auf strategischen und regionalen Themen“, wand sich ein Obama-Berater nach dem Treffen vor skeptischen Journalisten heraus. Auch die aus US-Sicht mangelnde Unterstützung der Saudis für den Nahost-Friedensprozess geißelte der Präsident nicht.

„Zum Händchenhalten“ sei Obama bei seinem zweiten Besuch in Riad gekommen, sagt der Experte Tom Lippman vom Middle East Institute. Saudi-Arabien ist für die USA der wichtigste arabische Partner in der Region. Vor allem, weil auf andere alte Verbündete wie Ägypten seit dem Arabischen Frühling wenig Verlass zu sein scheint. Man wollte einander „in die Augen schauen“, so das Weiße Haus. „Es war keine Gelegenheit, sich zu beschweren oder Missgunst auszudrücken.“

Nachdem die Saudis sich bitter beklagt hatten, dass Obama eine erwartete Militärintervention gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad im Bürgerkriegsland Syrien wieder abblies, scheinen die Amerikaner nun still und heimlich andere Forderungen ihrer Freunde zu erfüllen. Unter der Hand lassen US-Regierungsvertreter durchblicken, dass bald schlagkräftige Waffen – etwa tragbare Raketenwerfer – an Rebellen geliefert werden könnten. Offiziell wird das aber weiter bestritten.

Kritiker finden die amerikanische Haltung gegenüber den Autokraten in Riad weiterhin zu devot. Schon vor fünf Jahren hatten sich oppositionelle Republikaner in Washington empört gezeigt, als Obama sich nach ihrer Meinung vor Abdullah verbeugt hatte. Das Weiße Haus sprach damals von einer optischen Täuschung auf dem Foto – aber ihr Eindruck eines unterwürfigen Präsident hat sich nicht verflüchtigt.

Dabei stünde bei einem Beziehungsbruch auch für die Saudis viel auf dem Spiel. Die Amerikaner verpflichten sich, das von schiitischen Widersachern und instabilen Staaten umgebene sunnitische Land zu beschützen. Im Gespräch mit dem König versprach Obama etwa eindeutig, dass der Iran trotz der laufenden Atomverhandlungen keinesfalls ungehindert den Terrorismus in der Region unterstützen und Ansprüche auf Ölfelder der Nachbarländer geltend machen könne.

Doch mehr zu verlieren haben wohl die Amerikaner, die jährlich für zig Milliarden Dollar Rüstung und andere Waren in das arabische Land verkaufen. Wer sich in Riad umhört, der weiß, dass die Chinesen ihnen schon jetzt viele Geschäfte wegschnappen. Auch auf das sichere Öl-Angebot will Amerika nicht verzichten. Zwar gehen die Importe wegen der boomenden Förderung daheim deutlich zurück. Doch viele wichtige US-Alliierte hängen weiter am Tropf der Saudis. Und nach dem Abzug aus dem Irak und Afghanistan ist das Königreich am Golf auch militärstrategisch wichtiger denn je.

Und so bemühten sich die Amerikaner, die Querelen der vergangenen Monate als „unterschiedliche taktische Ansätze in einigen sehr schwierigen Fragen“ abzutun. „Der Präsident hat absolut klar gemacht, daran zu glauben, dass sich unsere strategischen Interessen weiterhin sehr miteinander decken“, meinte der Obama-Berater. Doch ob wirklich wieder alles im Lot war, als er am Samstagmittag zu seinem langen Heimflug nach Washington aufbrach, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

dpa

29.03.2014
29.03.2014