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Deutschland / Welt Das Ende von Assads Chemiewaffen
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23:13 13.07.2014
Von Klaus von der Brelie
Das amerikanische Spezialschiff „MV Cape Ray“ ist auf gefährlicher Mission im Mittelmeer unterwegs.
Das amerikanische Spezialschiff „MV Cape Ray“ ist auf gefährlicher Mission im Mittelmeer unterwegs. Quelle: dpa
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Hannover

Das amerikanische Spezialschiff „MV Cape Ray“ ist auf gefährlicher Mission im Mittelmeer unterwegs. Der Frachter hat 78 Container geladen, in denen sich gut 700 Tonnen chemische Kampfstoffe befinden. Die Chemiewaffen stammen aus dem Arsenal des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad und werden unter der Aufsicht der Vereinten Nationen und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) zerstört. Die Aktion hat vor wenigen Tagen begonnen und wird nicht vor Anfang September beendet sein. „Wir rechnen damit, dass die Neutralisierung etwa 60 Tage dauern wird“, sagt Pentagon-Sprecher Steven Warren.

Die US-Marine hat an Bord des Spezialschiffes zwei Hydrolysesysteme installiert. Rund 60 Spezialisten bedienen die Anlagen, in denen das Nervengas, größtenteils Senfgas und Sarin, unter Einsatz von heißem Wasser und mehreren Chemikalien unter hohem Druck unschädlich gemacht wird. Die Pläne der OVCW sehen vor, dass als Reststoff etwa 370 Tonnen Hydrolysat übrig bleiben. Dieses Material ist weder waffenfähig, noch gilt es als Kampfstoff. Als Sondermüll soll es nach Munster in Niedersachsen gebracht und dort von einer Spezialfirma der Bundeswehr weiterbehandelt werden, damit es schließlich als Salz in einer Untertagedeponie bei Sondershausen in Thüringen entsorgt werden kann. Assad hatte auf Druck der USA der Vernichtung der Kampfstoffe unter Aufsicht der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen zugestimmt.

Die Hydrolyse-Experten und die 35 Besatzungsmitglieder der „Cape Ray“ sind bei ihrer gefährlichen Mission auf See nicht allein. Rund um die Uhr werden sie von einer internationalen Armada gegen Angriffe aller Art geschützt. Alle erdenklichen Gefahrenlagen sind vor Beginn der Mission erörtert worden. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Schutzkonzept, das sowohl den Einsatz von Kriegsschiffen und Flugzeugen als auch eine Begleitung durch U-Boote vorsieht.

Derzeit operiert die deutsche Fregatte „Schleswig-Holstein“ gemeinsam mit Schiffen und Flugzeugen aus den USA, Finnland, Italien und der Türkei in der Nähe der „Cape Ray“. Weiterhin unterstützen Frankreich, Portugal und Griechenland die Mission. Außerdem befindet sich an Bord des deutschen Schiffes ein zehn Mann starkes Boarding Team aus Finnland, das darauf spezialisiert ist, gegnerische Schiffe zu besetzen.

Und mit welchen besonderen Risiken ist der Einsatz für die deutschen Soldaten verbunden? „Das Wetter spielt bei Operationen auf See natürlich immer eine wesentliche Rolle“, sagt Fregattenkapitän Thorsten Geldmacher, Kommandant der „Schleswig-Holstein“. „Bei komplexen technischen Vorgängen wie der Hydrolyse besteht zudem ein gewisses Restrisiko von Störfällen. Wir sind auf diese Risiken jedoch gut vorbereitet und verfügen über die Ausrüstung, uns dagegen zu schützen.“

Aus Sicherheitsgründen halten die Begleitschiffe immer einen deutlichen Abstand zur „Cape Ray“, die sich von den Schifffahrtsrouten fernhält und immer bemüht ist, in Zonen mit wenig Seegang zu operieren. Versorgt wird das Spezialschiff mit Hubschraubern. Hafenaufenthalte sind bis zum Ende der Hydrolyse nicht eingeplant.

Der dänische Frachter „Ark Futura“ hatte das extrem gefährliche Material aus Latakia in Syrien abgeholt und nach Süditalien gebracht. Im Hafen von Gioia Tauro wurden die Container dann auf die „Cape Ray“ gehievt. Die aktuelle Position des Schiffes wird aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Wie lange die „Schleswig-Holstein“ an der Seite der „Cape Ray“ durchs Mittelmeer schippern wird, ist offen. Am 31. Dezember endet das Mandat des Bundestages. Dass die „Cape Ray“ von Kriegsschiffen eskortiert wird, wenn sie das Resultat der Hydrolyse im Herbst nach Bremerhaven bringt, hält der deutsche Fregattenkapitän für nicht wahrscheinlich.