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Deutschland / Welt So will Gesundheitsminister Spahn den Notdienst reformieren
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19:48 19.12.2018
Auch bei kleineren Problemen führt der Weg der Patienten bisher zu oft in die Notaufnahme. Quelle: Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Berlin

Abends und an Wochenenden bietet sich in den Rettungsstellen der Krankenhäuser vielerorts ein ähnliches Bild: Die Wartezimmer sind voll, die Ärzte überlastet. Seit Jahren wird über Ursachen und Lösungen diskutiert. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat jetzt ein Konzept für den Umbau der Notfallversorgung vorgelegt. Die Eckpunkte:

Ausgangslage

Viele Patienten steuern selbst bei kleineren Problemen die Rettungsstellen an, obwohl sie auch in einer normalen Arztpraxis behandelt werden könnten. Eigentlich müsste es überall ambulante Bereitschaftsdienste geben, doch die Kassenärztlichen Vereinigungen haben das oft schlecht organisiert. Gibt es diese Dienste, sind sie in der Bevölkerung kaum bekannt. Für Kliniken sind Patienten, die in die Rettungsstelle kommen, ein gutes Geschäft, weil sie oft gleich eingewiesen werden. Unterm Strich ist die Notfallversorgung deshalb zu teuer.

Gemeinsame Notfall-Leitstellen

Um die Patienten je nach Schwere ihres Problems besser zu steuern, sollen Krankenhäuser und ambulante Ärzte gemeinsam Notfallleitstellen einrichten. Sie sind bundesweit erreichbar unter den Nummern 112 und 116 117. Bei einem Anruf wird durch einen einheitlichen Fragenkatalog festgestellt, ob der Patient einen Rettungsdienst benötigt, in ein Notfallzentrum einer Klinik geschickt oder an einen ambulanten Arzt vermittelt werden muss. Diese Notfallleitstelle soll für jeden Patienten im Akutfall zur ersten Anlaufstelle werden.

Integrierte Notfallzentren

In geeigneten Kliniken soll es so genannte Integrierte Notfallzentren (INZ) geben, die ebenfalls gemeinsam von Krankenhäusern und Kassenärztlichen Vereinigungen betrieben werden. In ihnen werden die bisherigen Rettungsstellen und die ambulanten Bereitschaftsdienste vereint. Patienten werden von dort ins Krankenhaus oder zu einem ambulanten Arzt geschickt.

Rettungsdienste

Auch hier werden die gesetzlichen Grundlagen verändert. Bisher zahlt die Kasse den Transport beispielsweise nur bei einer Einlieferung ins Krankenhaus. Das führt nach Ansicht von Experten zu unnötigen Einweisungen. Die Kassen erhalten mehr Mitwirkungsrechte bei der Organisation der Rettungsdienste, um deren Effizienz zu erhöhen.

Zeitplan

Vom 1. April 2019 an sollen die bei den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen eingerichteten Terminservicestellen rund um die Uhr bundesweit unter der Rufnummer 116 117 erreichbar sein. Sie vermitteln Termine für Haus- und Fachärzte. Außerhalb der Sprechstunden verweisen sie Patienten an den Bereitschaftsdienst. Vom 1. Juli 2019 an können Patienten dort auch tagsüber in akuten Fällen anrufen und sich eine ärztliche Versorgung vermitteln lassen. Die Rettungsleitstellen unter der Nummer 112 für Notfälle bleiben zunächst parallel erhalten. Voraussichtlich ab 2021 werden sie zu den neuen gemeinsamen Notfallleitstellen zusammengelegt.

Einschätzung

Der Plan entspricht im Wesentlichen den Forderungen unabhängiger Experten. Sie hatten dafür plädiert, die Trennung des ambulanten und stationären Sektors bei der Notfallversorgung aufzuweichen und gemeinsame Anlaufstellen zu schaffen. Für die Umsetzung ist allerdings eine Grundgesetzänderung nötig, weil Kompetenzen der Länder beschnitten werden. Offen ist, ob die Länder hier mitspielen.

Von Timot Szent-Ivanyi/RND