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Deutschland / Welt Dagmar Schipanski sieht Ost und West auseinanderdriften
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Dagmar Schipanski sieht Ost und West auseinanderdriften
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06:26 23.05.2019
Dagmar Schipanski, CDU. Quelle: André Kempner
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Berlin

Dagmar Schipanski erinnert sich gern – auch wenn sie verloren hat. „Ich blicke positiv auf diese Kandidatur zurück“, sagt die 75-Jährige. „Denn es ging damals sehr intensiv um ein besseres Verhältnis zwischen Ost und West. Und ich glaube, ich habe sehr viel dazu beigetragen, dass man sich ein bisschen näher gekommen ist.“ Allerdings: Ganz zufrieden ist die CDU-Frau nicht. Denn sie sieht jetzt viele Probleme, nicht zuletzt in eben jenem Ost-West-Verhältnis.

Dass Schipanski – wie Angela Merkel Physikerin – gerade wieder auftaucht, hat einen Grund. Am Donnerstag jährt sich nicht nur das Grundgesetz zum 70. Mal. Zum 20. Mal jährt sich auch ihre besagte Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin, mit der Schipanski, wenngleich knapp, dem SPD-Bewerber Johannes Rau in zwei Wahlgängen unterlag.

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Ein Sohn sitzt im Bundestag

So ist Schipanski einerseits wohl gestimmt. Sie ist mit ihren 75 Jahren offenbar noch gut beieinander und hat drei Kinder, aus denen „etwas geworden“ sei, darunter Tankred Schipanski, CDU-Bundestagsabgeordneter. Auch ist die einstige thüringische Wissenschaftsministerin weiter aktiv, sitzt nach wie vor im CDU-Bundesvorstand und arbeitet in Akademien und Instituten mit.

Andererseits stellt Schipanski fest, dass Menschen, „die nicht mehr in der ersten Reihe stehen, auch nicht mehr so wahrgenommen werden“. Überdies löst der Blick auf die Verhältnisse im Land bei ihr nicht nur Freude aus. In Debatten über Wissenschaftsthemen wie die Künstliche Intelligenz verfalle die Republik zu oft in „Weltuntergangsstimmung“, sagt die Frau im Unruhestand. Dabei müsse man die Ergebnisse der Forschung doch nutzen. Wie, das liege ja letztlich weiter in der Hand der Menschen.

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Beunruhigt wegen Pegida

„Es werden jedes Mal wieder Ängste geschürt“, sagt Schipanski und fährt fort: „Wenn ich an Pegida denke, dann bin ich sehr beunruhigt, weil es zeigt, dass sich das Verständnis füreinander nicht verbessert hat, sondern auseinandergedriftet ist. Ich hätte mir das Ost-West-Verhältnis besser gewünscht.“ Stattdessen würden „Populisten von links und rechts“, die oft aus dem Westen kämen, heute „als Stimmen des Ostens auftreten“. Dabei gebe es im Osten „sehr viele in der Mitte, die sich über die Bundesrepublik und das Grundgesetz freuen, über Reisefreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit“.

„Wir haben nicht gelernt, unsere Stimme laut zu machen“, sagt Dagmar Schipanski. „Die Stimme der Ostdeutschen ist leise. Da schließe ich mich ein. Ich habe mich auch zurückgezogen.“

Wie gesagt: Ganz zufrieden ist sie nicht.

Von Markus Decker/RND