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Deutschland / Welt SA-Mann will beim Reichstagsbrand 1933 geholfen haben
Nachrichten Politik Deutschland / Welt SA-Mann will beim Reichstagsbrand 1933 geholfen haben
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22:40 25.07.2019
1933 steht der Reichstag in Flammen. Quelle: picture alliance / Heritage Imag
Hannover

Ein neu aufgetauchtes Dokument deutet auf eine Beteiligung der Nationalsozialisten beim Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (alles dazu lesen Sie hier) berichtet über eine entsprechende eidesstattliche Versicherung eines früheren SA-Mannes. Das Dokument aus dem Jahr 1955 liegt der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vor. Es lagerte bislang unerkannt im Archiv des Amtsgerichts Hannover.

Dem Dokument zufolge sagte der ehemalige SA-Mann, er selbst habe den später als Brandstifter zum Tode verurteilten Marinus van der Lubbe „zwischen 20 und 21 Uhr“ mit einem Auto zum Reichstag gefahren. Bereits bei der Ankunft dort sei ihnen aufgefallen, dass „ein eigenartiger Brandgeruch herrschte, und dass auch schwache Rauchschwaden durch die Zimmer hindurchzogen“.

Die eidesstattliche Versicherung stammt von Hans-Martin Lennings, geboren 1904 im heutigen Wuppertal und gestorben 1962. Seine Erklärung hatte er notariell abfassen lassen für den Fall einer damals diskutierten posthumen Wiederaufnahme des Prozesses gegen Marinus van der Lubbe. Das Papier dokumentiert erstmalig die eigene Aussage eines früheren Mitglieds der NSDSAP, an der Brandstiftung mitgewirkt zu haben.

Wendepunkt in der deutschen Geschichte

Der Reichstagsbrand gilt als Einschnitt in der deutschen Geschichte; er markiert den Übergang zur Gewalt- und Willkürherrschaft der NSDAP. Die am nächsten Tag erlassene Notstandsverordnung erlaubte es, rigoros gegen Kommunisten und Andersdenkende vorzugehen.

Die meisten Historiker gehen bislang davon aus, dass Marinus van der Lubbe ein Alleintäter war. Diese These geht unter anderem auf den niedersächsischen Ministerialrat und Hobby-Historiker Fritz Tobias zurück, der dazu 1959/60 eine elfteilige Serie im „Spiegel“ publizierte. Aus dem Nachlass von Fritz Tobias, der weitgehend im Bundesarchiv liegt, geht hervor, dass er die jetzt aufgetauchte eidesstattliche Versicherung von 1955 gekannt hat - sie aber nicht publiziert hat, weil sie nicht in seine Theorie von der Alleintäterschaft passte.

Einige Historiker dagegen zweifeln schon lange an der Darstellung von der Alleintäterschaft. Zuletzt hatte der New Yorker Historiker Benjamin C. Hett in seinem 2016 auf Deutsch veröffentlichten Buch über den Reichstagsbrand Belege dafür zusammengetragen, dass der Reichstagsbrand nicht von Marinus van der Lubbe allein gelegt worden sein kann. Über das jetzt in Hannover aufgetauchte Papier sagte Hett der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Ein Dokument wie diese Erklärung hätte ich gern für mein Buch gehabt.“

Von RND

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