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Deutschland / Welt Ein Schauspieler will bald die Ukraine führen
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16:00 01.04.2019
Präsidentschaftskandidat Wladimir Selenski ist bei der Präsidentenwahl in der Ukraine auf einem guten Weg ins mächtigste Amt des in die EU strebenden Landes Quelle: Dan Braun/AP/dpa
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Kiew

Einen erfolgreichen Präsidenten spielt der ukrainische Komiker Wladimir Selenski schon seit Jahren. „Diener des Volkes“ („Sluha narodu“) heißt die populäre Comedy-Serie - und die Partei des 41-Jährigen. In der TV-Show findet sich der Geschichtslehrer Wassili Goloborodko plötzlich im Präsidentenamt wieder. Unbeholfen, aber mit Humor nimmt der bodenständige Bürger den Kampf mit der korrupten Machtelite auf. Eine Parodie auf das Chaos der Ukraine. Doch aus Spaß wird nun voller Ernst.

Der Schauspieler mit der rauchig-warmen und durchdringenden Stimme hat beste Aussichten nach seinem Wahlerfolg vom Sonntag – mit gut 30 Prozent der Stimmen – neuer Staatschef in der krisengeschüttelten Ukraine zu werden. Leicht wird der Kampf um die Macht für den Politneuling aber nicht. Er muss am Ostersonntag (21. April) gegen das politische Schwergewicht Petro Poroschenko antreten. Und der zeigt sich trotz massiven Stimmenverlusten siegessicher.

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Selenski verkündete Kandidatur im Haussender

Es war in der Silvesternacht, als Selenski im Fernsehen seine Kandidatur verkündete. In seinem Haussender 1+1, der dem ukrainischen Oligarchen Igor Kolomoiski gehört, sahen die Zuschauer statt Poroschenkos Neujahrsansprache, wie der Präsidentendarsteller plötzlich selbst nach der Macht griff.

Keinen Monat dauerte es, bis der „Clown aus Krywyj Rih“ (in der Südukraine), wie Selenski sich selbstironisch in seinen Wahlkampfspots bezeichnete, die Umfragen anführte. Geschickt nutzte der jungenhafte und sportliche TV-Produzent die sozialen Netzwerke – allen voran Instagram -, um sich in Szene zu setzen. Vor allem junge Wähler spricht dieser als Medienshow angelegte Wahlkampf an. Groß ist die Sehnsucht nach neuen Gesichtern in der Politik.

Dass Selenski es versteht, in der oft als frustrierend beklagten Lage auch für Lacher zu sorgen, kommt bei seinen Landsleuten gut an. Dabei sprach der Sohn eines Mathematikers und einer Ingenieurin lange Zeit nur Russisch – in einem Land, das sich mit viel Energie abwenden will vom großen Nachbarn Russland.

Selenski ist Jurist ohne politische Erfahrung

Doch wofür der studierte Jurist ohne jegliche politische Erfahrung und mit dem bizarren Wahlprogramm „Land der Träume“ steht, ist vielen unklar. Nach außen gibt sich der Familienvater von zwei Kindern, der noch zu Sowjetzeiten am 25. Januar 1978 geboren wurde, liberal und weltoffen.

Sein Gegner Poroschenko will ihn im Wahlkampf vor allem als Kandidaten Russlands ins Abseits drängen. Er warnt die Wähler davor, dass Selenski zum einen nicht das Format habe, mit der EU und den USA auf Augenhöhe über den weiteren Westkurs zu verhandeln. Zum anderen habe Selenski nicht die Stärke, Kremlchef Wladimir Putin die Stirn zu bieten und den Krieg im Donbass zu beenden.

Zwar beteuert Selenski stets, er sei sein eigener Herr. Doch sehen viele ihn als Handpuppe des in Israel lebenden Oligarchen Kolomoiski. Der russische Senator Franz Klinzewitsch nennt ihn eine „Katze im Sack“, nichts sei klar. Vielleicht aber gebe es eine neue Chance für die ukrainisch-russischen Beziehungen.

Selenski fordert Rückgabe der Krim

Und Selenski selbst? Er will bei dem für seinen Humor bekannten Kremlchef Putin nicht nur selbstbewusst auftreten. Er forderte schon einmal aus sicherer Entfernung Russland zur Rückgabe der Schwarzmeer-Halbinsel Krim auf. Vorstellen kann er sich im Dialog mit Moskau anders als Poroschenko offenbar auch Kompromisse. Vor allem Freiheit für die in der Ukraine verbreiteten russischen Sprache.

Und auch einen Nato-Beitritt will er über ein Referendum ausloten lassen. Ob ihm das allerdings im Fall eines Sieges hilft, die abtrünnigen Teile der Regionen Luhansk und Donzek im Kriegsgebiet Donbass wieder unter ukrainische Kontrolle zu bringen, gilt als mehr als fraglich. Die abwehrende Reaktion aus der selbst ernannten Volksrepublik Donezk ließ nicht lange auf sich warten: Ein Dialog mit Selenski sei unmöglich.

Die aus Russland unterstützten Separatisten erinnerten sich noch gut an Selenski. Daran, wie er als Musiker mit Konzerten und Spenden den ukrainischen „Militärbanditen“ – gemeint sind Soldaten – Mut machte für den Kampf gegen die Menschen im Donbass.

Von RND/dpa