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Deutschland / Welt Pflegeheimbewohner müssen immer mehr selbst zahlen
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05:00 16.11.2018
Bewohner von Pflegeheimen müssen immer mehr aus der eigenen Tasche dazu zahlen Quelle: dpa
Berlin

Pflegebedürftige müssen für einen Heimplatz immer mehr aus der eigenen Tasche dazu zahlen. Innerhalb eines Jahres stieg die Eigenbeteiligung im Bundesdurchschnitt um fast 70 auf 1813 Euro. Der Anstieg beträgt damit knapp vier Prozent – mehr als doppelt so viel wie der Zuwachs bei den Verbraucherpreisen.

Das ergab eine aktuelle Auswertung der „Pflegedatenbank“ des Verbandes der privaten Krankenversicherung, die die Informationen von rund 11.000 der etwa 13.000 Pflegeheime in Deutschland enthält. Sie liegt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor. Am stärksten stiegen die Eigenbeteiligungen binnen Jahresfrist in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Hier kletterten die Beträge, die die Pflegebedürftigen selbst aufbringen müssen, um etwa zehn Prozent.

Am tiefsten in die eigene Tasche greifen müssen derzeit die Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen. Dort liegt der Eigenanteil zum 1. Oktober bei 2308 Euro. Es folgen das Saarland mit 2178 Euro sowie Baden-Württemberg mit 2116 Euro. Im Mittelfeld liegen unter anderem Berlin (1856 Euro) und Hessen (1783 Euro). Am billigsten sind Heimplätze in Sachsen, wo 1223 Euro fällig werden. Damit sind die Kosten hier in etwa nur halb so hoch wie in Nordrhein-Westfalen. Trotz der hohen Steigerungsrate ist auch in Sachsen-Anhalt die Eigenbeteiligung mit aktuell 1260 Euro noch immer deutlich niedriger als der Durchschnitt.

Pflege ist nur „Teilkaskoversicherung“

Anders als früher zahlen die Pflegebedürftigen seit einer 2017 in Kraft getretenen Reform für einen Heimplatz einen Eigenanteil, der unabhängig von der Schwere der Pflegebedürftigkeit ist. Es gibt also für alle Bewohner eines bestimmten Heimes eine identische Zuzahlung. Der Fachbegriff dafür lautet Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE). Mit ihm soll verhindert werden, dass Patienten in einer Pflegeeinrichtung schlechter gestellt werden, wenn ihr Pflegegrad steigt. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die gesondert in Rechnung gestellten Investitionskosten. Aus der Summe dieser Beträge ergibt sich der insgesamt von den Pflegebedürftigen zu zahlende Eigenanteil. Die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung, die nur eine „Teilkaskoversicherung“ ist, sind dabei schon abgezogen.

Den größten Anteil am Anstieg der Eigenanteile haben wachsende Personalkosten. Diese machen gut 80 Prozent der Aufwendungen in einem Pflegeheim aus. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit steigen die Einkommen der Fachkräfte in der Altenpflege derzeit stärker als im Schnitt aller Branchen. Allerdings ist das Niveau sehr niedrig. Den größten Nachholbedarf bei den Löhnen gibt es insbesondere in den neuen Ländern, was das starke Wachstum der Eigenbeteiligung in Sachsen-Anhalt und Brandenburg erklärt.

Auch Verpflegungskosten steigen

Parallel dazu steigen vielerorts auch die Unterkunfts- und Verpflegungskosten. Ursache für die großen Unterschiede bei den Eigenanteilen zwischen den Bundesländern ist insbesondere das unterschiedliche Lohnniveau. Hinzu kommt, dass jedes Bundesland eigene Vorgaben dafür hat, wie viel Personal ein Heim haben muss. Beispielsweise soll eine Vollzeitkraft in Berlin rechnerisch 3,9 Pflegebedürftige mit Pflegegrad zwei versorgen. In Nordrhein-Westfalen muss sich dieselbe Pflegekraft um 4,7 Heimbewohner kümmern, in Schleswig-Holstein sogar um 5,4 Bewohner.

„Im Ernstfall bleibt eine Pflegelücke, die mehrere tausend Euro im Monat betragen kann“, sagt PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach. Er wirbt deshalb für eine private Pflege-Zusatzversicherung. Sozialverbände verlangen hingegen eine Deckelung der Eigenbeteiligung. Die Krankenkassen fordern einen Steuerzuschuss an die Pflegeversicherung, um den Eigenanteil zu begrenzen. SPD und Linkspartei streben perspektivisch die Umstellung der Pflege auf eine Vollversicherung an. Dann würde die Versicherung alle Kosten übernehmen. Je nach Modell müsste der Beitragssatz dafür um rund einen Prozentpunkt steigen. Derzeit beträgt der Satz 2,55 Prozent (Kinderlose 2,8 Prozent). 2019 steigt er auf 3,05 Prozent (Kinderlose 3,3 Prozent).

Von Timot Szent-Ivanyi/RND

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