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Deutschland / Welt Paintball-Spieler sehen in ihrem Sport kein „Kriegsszenario“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Paintball-Spieler sehen in ihrem Sport kein „Kriegsszenario“
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13:02 13.05.2009
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Mitglieder des Paintball Sport Bitterfeld e.V. trainieren in einer umgebauten Sporthalle. Quelle: Jens Schlueter/ddp
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Für ihn ist das Spiel vorbei, er muss das Feld verlassen. Die anderen ballern weiter - in Deutschlands größter Paintball-Halle in Helmstedt. Bald könnte das Spiel aber für alle Paintballer in Deutschland aus sein - wenn die große Koalition in Berlin ihr angekündigtes Verbot durchzieht. Aus Sicht von Innenpolitikern von CDU und SPD wird bei Paintball das Töten von Menschen simuliert - was nach dem Amoklauf in Winnenden eine nicht länger hinnehmbare Freizeitbeschäftigung sei.

Als sich Fabian Grütze und seine Freunde nach der Partie Paintball ihre Gesichtsmaske und das martialisch anmutende Kostüm abstreifen, wirken sie gar nicht wie fanatische Waffennarren. Eher wie eine zufrieden abgekämpfte Mannschaft, die sich gerade in ihrem Sport verausgabt hat. „Unser Sport ist wie Fangen oder Völkerball. Wir wollen hier kein Kriegsszenario nachstellen“, sagt der 29-Jährige. Schweiß perlt von seiner Stirn.
Seit Jahren boomt Paintball in Deutschland, wie Paul Wißner erläutert, der Betreiber des „Paintball Dome“ in Helmstedt. Zehntausende bewaffnen sich regelmäßig mit einem „Markierer“, wie das Schussgerät in der Szene etwas euphemistisch genannt wird. Mit Munition muss nicht gespart werden: Jeder Spieler trägt Hunderte Schuss mit sich. In Wißners Halle tragen die Cracks Europameisterschaften aus, aber genauso werden die Plätze von Managern gemietet, die sich mal austoben wollen. Und von Polizisten, die spielten nämlich besonders gerne Paintball, sagt Wißner.
Als die Berliner Koalitionäre in der vergangenen Woche ein Verbot von Paintball zum ersten Mal öffentlich erwogen, machte das in der deutschen Paintball-Gemeinde schnell die Runde. Ein Sturm der Entrüstung kam auf, Hunderte Protest-E-Mails gingen in den Abgeordnetenbüros ein. Relativ schnell äußerten die ersten Politiker dann Zweifel an dem Nutzen des Verbots. So warnte der Vorsitzende des Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), vor übereiltem Handeln. Er könne keinen direkten Zusammenhang zwischen Paintball und dem Amoklauf von Winnenden erkennen.
Sicher, Paintball werde von manchen auch missbraucht, sagt Fabian Grütze. Wenn sich Spieler - oft Rechtsextremisten - etwa zu „Wehrsportgruppen“ zusammenschlössen und in Tarnanzügen im Wald ihre Kugeln verballerten. In den regulären Paintball-Vereinen würden solche „Rambos“ aber ganz schnell wieder nach Hause geschickt, versichert Grütze. Paintball sei ein Sport, wiederholt er noch mal. Ja, die „Markierer“ hätten nicht einmal Kimme und Korn. „Was aber ist mit Biathlon?“, fragt Grützes Spielkameradin Amelie Mesecke. Da nähmen die Sportler „scharfe Waffen“ in die Hand und Millionen Menschen sähen sich das im Fernsehen an.
Biathlon soll nach den Plänen der großen Koalition nicht verboten werden. Auch keine Pistolen, wie sie Amokläufer Tim K. in Winnenden benutzte. Neben dem Verbot von Spielen wie Paintball sollen aber Besitzer von echten Waffen stärker kontrolliert werden. Die Altersgrenze für das Schießen mit großkalibrigen Waffen soll zudem von 14 auf 18 Jahre heraufgesetzt werden.
Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), sieht vor allem die Union vor der Waffenlobby eingeknickt. Er beharrt weiterhin auf einem Verbot großkalibriger Waffen im Schießsport. Das geplante Verbot von Paintball bezeichnet Mäurer als „Nebenkriegsschauplatz“. Das sei nur ein Beispiel dafür, dass das „Thema im Kern nicht angefasst“ worden sei.
Die deutsche Paintball-Liga hat schon angedeutet, dass die vielen Anhänger des Schießsports ein Verbot wohl nicht so einfach hinnehmen werden. Paintball werde dann wohl illegal in deutschen Wäldern gespielt, warnt ihr Sprecher Arne Petry. Da, wo auch die Wehrsportgruppen aktiv sind.

ddp