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Deutschland / Welt Ostritz: Bürger kaufen aus Protest gegen Neonazis Biervorräte auf
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ostritz: Bürger kaufen aus Protest gegen Neonazis Biervorräte auf
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10:35 23.06.2019
Ostritz: Eine Frau und zwei Männer laden Bierkästen in der Nähe eines örtlichen Supermarktes auf einen Anhänger. Quelle: Daniel Schäfer/dpa
Ostritz

Die Bürger von Ostritz setzten ein eher ungewöhnliches Zeichen gegen Rechtsextremismus. Denn nun müssen die Teilnehmer des Neonazis-Festivals „Schild und Schwert“ – kurz „SS“ – endgültig Wasser trinken. In einer gemeinsamen Aktion von Einwohnern und dem Internationalen Begegnungszentrum des Klosters Sankt Marienthal wurde der gesamte Bierbestand eines Supermarktes aufgekauft: Mehr als 100 Kisten.

Die Polizei setzte auch am Samstag das Alkoholverbot für die als Demonstration angemeldete Neonazi-Veranstaltung durch. Nachdem bereits am Vortag 4200 Liter Bier beschlagnahmt worden waren, zogen die Beamten nach eigenen Angaben noch einmal rund 200 Liter an mitgebrachten alkoholischen Getränken ein.

Zuvor konnten die Teilnehmer des Festivals das Alkoholverbot noch umgehen. Ein Tweet zeigt vermeintliche Neonazis, die offenbar Alkohol auf das Gelände tragen:

Neben dem Bierkaufrausch sind auch alle weiteren Proteste gegen das Neonazi-Treffen friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Bis zum frühen Samstagabend habe es keine Probleme gegeben, sagte ein Polizeisprecher. An einer Demonstration beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 300 Menschen. Der Aufzug durch die Stadt sei laut und friedlich, sagte der Polizeisprecher.

Ministerpräsident Kretschmer bedankt sich bei Ostritzern

Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dankte den Ostritzern am Samstag für ihr Engagement. „Wenn Rechtsextremisten mit ihren menschenverachtenden Parolen versuchen das Bild zu bestimmen, müssen uns alle dagegen wenden“, sagte Kretschmer auf Twitter. Das sei wichtig, weil oft aus Worten Taten folgten.

Bei dem Rechtsrock-Festival auf dem Gelände eines Hotels hatten sich laut Polizei zwischen 500 und 600 Teilnehmer versammelt. Vor der Veranstaltung war mit 750 Teilnehmern gerechnet worden. Negativ aufgefallen ist der Organisator der Neonazi-Veranstaltung. Thorsten Heise soll einen ARD-Journalisten mit den Worten „Der Revolver ist schon geladen Herr ...“ bedroht haben.

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot und schwerem Gerät wie Wasserwerfern und gepanzerten Fahrzeugen vor Ort. Die Beamten der Polizeidirektion Görlitz werden von der Bundespolizei und der Bereitschaftspolizei aus Sachsen und anderen Bundesländern unterstützt. Von Freitag bis Sonntag hat die Polizei einen Kontrollbereich im Stadtkern von Ostritz eingerichtet. Dort können Menschen ohne konkreten Anlass zur Identitätsfeststellung kontrolliert werden.

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Von RND/ka/dpa/epd