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Deutschland / Welt Obama und Romney wollen Öl-Unabhängigkeit
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Obama und Romney wollen Öl-Unabhängigkeit
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09:24 11.09.2012
Foto: Wie löst man das amerikanische Öldilemma am besten? Barack Obama (l.) und Mitt Romney streiten mit ihren Ideen um die Gunst der Wähler.
Wie löst man das amerikanische Öldilemma am besten? Barack Obama (l.) und Mitt Romney streiten mit ihren Ideen um die Gunst der Wähler. Quelle: dpa
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Washington

Seit fast vier Jahren wollen sich die düsteren Wolken der Arbeitslosigkeit über Amerika einfach nicht verziehen. Im US-Staat North Dakota jedoch ist das Klima auf dem Jobmarkt nahezu traumhaft. Die Arbeitslosenquote beträgt nur drei Prozent, gut fünf Prozentpunkte weniger als der Bundesschnitt. Das wichtigste Thema im Wahlkampf zwischen Präsident Barack Obama und seinem Kontrahenten Mitt Romney ist dort keines. Dennoch hat der Mittelwest-Staat im Duell ums Weiße Haus besondere Relevanz: Er lässt möglich scheinen, was beide für Amerika erhoffen – Unabhängigkeit von ausländischem Öl.

In dem Staat wird erfolgreich Rohöl aus Gesteinsschichten geholt, mittlerweile rund 500.000 Barrel pro Tag und damit fünf Mal mehr als noch 2005. Dieses sogenannte Schieferöl hat nicht nur North Dakota rund 25.000 neue Jobs verschafft, sondern deckt einen stattlichen Anteil des täglichen Öl-Verbrauchs der Amerikaner ab, der mit 19 Millionen Barrel am Tag weltweit am höchsten mit Abstand ist. Experten vermuten fast zwei Dutzend solcher Vorkommen in den USA – mit Öl-Mengen, von denen selbst Saudi-Arabien nur träumen kann.

Der neue Boom lässt die Ziele der Kandidaten machbar wirken. Obama will die US-Ölimporte bis 2020 halbieren, wie er vergangene Woche in seiner große Rede beim Demokraten-Parteitag als Ziel ausgab. Romney will Nordamerika gemeinsam bis 2020 völlig unabhängig von Energie aus Übersee machen, wie er die Woche davor seinen republikanischen Parteifreunden sagte. Darin sind sich die Kontrahenten also ausnahmsweise einig: Den Energiehunger mit massiven Importen zu decken wird ökonomisch und geopolitisch immer riskanter.

Nicht nur ruiniert er die Handelsbilanz, indem er mehr als 40 Prozent zum Exportdefizit beiträgt. Auch macht es die US-Konjunktur „von etwas abhängig, was auf der anderen Seite der Welt passiert“, etwa Unruhen in Nahost, wie Obama es ausdrückt. Die Bemühungen, unabhängig zu werden, seien zurecht ein „Thema der nationalen Sicherheit“, meint Romney. Auch wenn heute weniger als 50 Prozent des US-Verbrauchs mit Importen gedeckt werden, während es 2005 noch 60 Prozent waren: Die Quote ist beiden eindeutig zu hoch.

Das war es aber auch mit der Einigkeit. Die Duellanten ums Weiße Haus haben völlig unterschiedliche Konzepte für die Energiepolitik. Obama will „nicht in jedem Quadratzentimeter dieses Landes bohren“, um auch das letzte Tröpfchen aus der Erde zu holen – ohne Rücksicht auf die Umweltschäden durch die technisch immer aufwendigere Gewinnung. Er setzt deswegen zusätzlich auf staatliche Förderung von Solar- und Windkraft sowie Biodiesel, will zugleich milliardenschwere Subventionen für Öl- und Gasunternehmen abschaffen. Vor allem der „Energieverschwendung“ sagt er den Kampf an, so dürfen in den USA verkaufte Neuwagen vom Jahr 2025 an nur noch halb so viel Kraftstoff verbrauchen wie heute.

Von Spritsparen ist bei Romney dagegen überhaupt keine Rede. Für ihn führt der Weg zu Unabhängigkeit von Öl-Importen allein über die freien Marktkräfte. Der Devise seines republikanischen Vorgängers als Präsidentschaftskandidat von 2008 John McCain, „Drill, baby, drill“ (Bohre, Baby, Bohre) schließt er sich an, wenn auch etwas verklausulierter: „Regulierungen sollten vorsichtig erarbeitet werden, damit sie die Entwicklung unterstützen, nicht verhindern“, heißt es in seinem Plan. Und beim Umweltschutz sei ein Ansatz gefragt, der weder „Jobs zerstört“ noch „die Industrie lähmt“.

Die ideologischen Unterschiede könnten größer kaum sein. Romney etwa würde die geplante 2700 Kilometer lange Öl-Pipeline Keystone XL „am ersten Tag im Amt zulassen“, die von der Kanada aus Öl quer durch die USA zu Raffinerien und zum Golf von Mexiko transportieren soll. Obama dagegen hat das Milliarden-Projekt nach massiven Widerstand von Umweltschützern erstmal auf Eis gelegt. Und so ließe sich die Liste lange fortsetzen. Letztlich haben die US-Bürger haben am 6. November also die Wahl zwischen zwei völlig gegensätzlichen Konzepten für ein und dasselbe Ziel.

dpa