Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Deutschland / Welt Nogales lebt vom Austausch
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Nogales lebt vom Austausch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 31.03.2019
An die alten Grenzbefestigungen hatten sich die Bürger von Nogales, Arizona gewöhnt. Nun aber kommt Nato-Draht dazu. Quelle: AP
Nogales

Kaum eine Stadt in den USA lebt so sehr von und mit der Grenze wie Nogales, Arizona. Der einstige Handelsposten hat 20 000 Einwohner auf US-amerikanischer Seite, die gleichnamige Schwesterstadt in Mexiko inzwischen mehr als 300 000 Einwohnern. Tausende pendeln täglich hin und her. Wie in einem Brennglas lässt sich hier der Aberwitz von Donald Trumps Mauer-Politik beobachten, die dem Ort erst Dutzende Kilometer lebensgefährlichen Nato-Draht bescherte und ihn nun seiner Existenzgrundlage zu berauben droht.

Mexiko macht nichts, um den Zustrom illegaler Migranten zu stoppen“, hat der US-Präsident gerade wieder getwittert: „Vielleicht schließe ich die südliche Grenze!“ Tatsächlich ist die Zahl der Flüchtlinge entlang der gut 3000 Kilometer langen Grenze seit dem Jahreswechsel deutlich gestiegen. Rund 58.000 Menschen wurden im Januar aufgegriffen. Im Februar waren es 76.000 – ein Elf-Jahres-Hoch. Doch anders als von Trump dargestellt, ist der überwältigende Anteil keineswegs kriminell, sondern beantragt friedlich Asyl. Auch stürmen die großen Flüchtlingstrecks aus Mittelamerika meist nicht übers freie Feld, sondern melden sich ordnungsgemäß am Grenzposten.

Nato-Draht ist „komplett übertrieben“, sagt der Bürgermeister

Als Trump vor zwei Monaten mal wieder vor „Vergewaltigern, Mördern und Drogenhändlern“ warnte, die das Land derzeit angeblich stürmen, meldete sich Arturo Garino, der Bürgermeister von Nogales, zu Wort: „Das ist merkwürdig, weil der Polizeichef, der City Manager und ich von solchen Vorgängen nichts wissen“, sagte er der „Washington Post“.

Trump hatte die angebliche Invasion der Kriminellen genutzt, um Tausende Soldaten an die Grenze zu schicken. Anders als in der umliegenden Wüste Arizonas, wo oft nur ein Strich im Sand das nationale Territorium markiert, steht in Nogales schon ein fünf Meter hoher Stahlzaun. Den bestückten die Soldaten auf der Spitze und auf der amerikanischen Seite mit mehreren Rollen Nato-Draht, der mit seinen rasiermesserscharfen Klingen die Haut und das Fleisch möglicher Eindringlinge, aber auch ahnungslos spielender Kinder aufritzen kann. „Das ist ein Overkill. Das ist komplett übertrieben“, protestierte Garino.

„Wie in einer Kriegszone“

An den alten Grenzzaun hatten sich die Menschen in Nogales gewöhnt. „Aber nun sieht es aus wie in einer Kriegszone“, protestiert ein Geschäftsmann. Noch dramatischer würde die Einwohner eine Grenzschließung treffen. Rund 300 000 Fußgänger und ebenso viele Personenwagen nutzen jeden Monat den Übergang. Die Zahlen sind rückläufig, seit die Kontrollen länger dauern und Trump die Mexikaner mit seiner Rhetorik verärgert hat.

Aber immer noch schicken Mexikaner ihre Kinder zur Schule oder kommen zum Einkaufen auf die US-Seite, wo das stolze Woolworth-Gebäude von 1917 in der Einkaufsstraße an die lange Geschichte des grenzüberschreitenden Handels erinnert. Umgekehrt fahren die Amerikaner ins mexikanische Nogales, um dort essen zu gehen, ihr Glück im Casino zu versuchen oder eine ausgefallene Plombe beim billigen Zahnarzt reparieren zu lassen.

Wenige Minuten bis Mexiko

„Sie wollen bestimmt auch nach Mexiko?“, begrüßt die freundliche Dame im Touristenbüro den Besucher aus Deutschland. Für den Stadtbummel auf der US-Seite hält sie eine Broschüre über „Nogales, Arizonas größte Grenzstadt“ bereit. Und dann möchte sie für die Facebook-Seite des Fremdenverkehrsamtes gerne ein Foto von dem Gast machen, der sich den nationalen Notstand an der Grenze etwas anders vorgestellt hatte.

Nur wenige Minuten dauert der Übertritt nach Mexiko. Bei der Wiedereinreise schaut sich der Grenzbeamte die Ausweispapiere zwar genauer an. Doch auch hier gibt es keine Probleme. Nur eines möchte der Zöllner wissen: „Ist das ein Pass aus Polen?“ Amerikanische, chinesische und auch schweizerische Dokumente hat er schon öfter gesehen. Aber so etwas? Freundlich heißt er den Deutschen in den USA willkommen.

Von Karl Doemens/RND

Sollten Sie jemals eine Runde Golf mit Donald Trump spielen, passen Sie bitte auf: Ein Autor beschreibt, wie der US-Präsident jede Chance zum Betrügen nutze.

31.03.2019

Facebook-Chef Mark Zuckerberg schlägt in Medienbeiträgen vor, mit internationalen Standards für den Schutz der Privatsphäre und Menschenrechten das Internet zu regulieren. Das klingt ja wunderbar, kommentiert RND-Korrespondent Thoralf Cleven. Daran glauben kann er allerdings nicht.

01.04.2019

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer fordert eine Milliarde Euro zum Ausbau von privaten Ladepunkten für E-Autoautos. Doch aus der SPD kommt Widerspruch. Der CSU-Politiker mache den zweiten Schritt vor dem ersten.

31.03.2019