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Deutschland / Welt Mutmaßlicher Tamilen-Führer in Großbritannien verurteilt
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18:45 17.04.2009
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Die Geschworenen des Gerichts von Kingston Crown sprachen Arunachalam Chrishanthakumar am Freitag schuldig, die srilankische Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) mit Material zur Bombenherstellung versorgt zu haben.

Der 52-Jährige soll den Tamil-Tigern elektronische Komponenten für „offensichtlich terroristische Zwecke“ geliefert haben, unter anderem Fernsteuerungen und Geräte zur Funk- und Satellitenübertragung. Zudem soll er Dokumente für „Zwecke des Terrorismus“ erhalten haben. Die britische Polizei hatte die Lieferungen bereits 2004 aufgedeckt und Chrishanthakumar aufgefordert, seine Aktivitäten zu unterlassen. Dieser erklärte damals, das Material sei für arme Bauern in Sri Lanka bestimmt.

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Drei Jahre später stellte die Polizei nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei einer Hausdurchsuchung fest, dass der Angeklagte die Lieferungen fortgeführt hatte. Chrishanthakumar war demnach auch Chef des britischen Zweigs der LTTE, der 2001 in Großbritannien verboten wurde. Die Geschworenen gelangten am Freitag jedoch zu keiner Einigung über seine mutmaßliche Mitgliedschaft in der Tamilen-Organisation.

In drei weiteren Anklagepunkten gegen Chrishanthakumar konnte sich die Jury ebenfalls nicht auf ein Urteil einigen, ebensowenig auf einen Anklagepunkt gegen einen anderen angeklagten Tamilen, Jegatheeswaran Muraleetharan. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Zuvor hatte die Jury 50 Stunden lang beraten. Die Anklage will kommende Woche entscheiden, ob sie einen neuen Prozess anstrengt.

Unterdessen waren im Rückzugsgebiet der tamilischen Rebellen im Nordosten Sri Lankas nach Schätzungen der UNO noch immer mehr als 100.000 Zivilisten zwischen den Konfliktparteien eingekesselt. Die Vereinten Nationen riefen die Armee und die Rebellen erneut zu einer Waffenruhe auf. Nach der Feuerpause zum buddhistischen Neujahrsfest hatte die srilankische Armee den Beschuss des Gebiets am Mittwoch wieder aufgenommen.

Die LTTE kämpft seit Anfang der 70er Jahre im Nordosten Sri Lankas für einen unabhängigen Tamilen-Staat. In dem Konflikt starben zehntausende Menschen. Allein seit dem 20. Januar dieses Jahres kamen nach UN-Angaben mehr als 2800 Zivilisten ums Leben. Laut britischem Recht gilt die LTTE als terroristische Organisation.

afp