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Deutschland / Welt Ein fast perfektes Paar
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08:11 10.03.2014
Foto: Harmonisch-kollegial: Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel.
Harmonisch-kollegial: Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel. Quelle: dpa/Archiv
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Berlin

Auf persönliche Attacken verzichteten sie ohnehin vollständig. Das Fernsehduell zwischen der Regierungschefin von der CDU und ihrem Herausforderer von der SPD war über weite Strecken so einschläfernd, dass von Wahlkampf kaum noch die Rede sein konnte. Vom Temperament her sind sich beide sehr ähnlich, und auch politisch vertreten sie in ihren Parteien fast immer gemäßigte Positionen.

Was 2009 vor allem Langeweile hervorrief, stellt sich nun in der Krim-Krise als großer Vorteil heraus. Merkel und Steinmeier harmonieren nahezu perfekt miteinander, stimmen ihre Positionen ständig ab und informieren sich auch über die Gespräche, die sie in der Krise führen. Wenn Merkel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert hat, setzt sie so schnell wie möglich Steinmeier ins Bild. Und Steinmeier nahm auch gleich Kontakt mit der Kanzlerin auf, nachdem er sich in der vergangenen Woche mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Genf und am Tag darauf in Paris getroffen hatte. Gemeinsam entwarfen sie den Plan, eine „Kontaktgruppe“ zu schaffen, über die Russland und die neue ukrainische Regierung wenigstens ins Gespräch miteinander kommen sollen.

Auch die Beobachtergruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die auf der Krim Fakten sammeln sollte, geht auf eine Idee Steinmeiers zurück, die Merkel dann sogleich aufgriff und Putin vorschlug. Allerdings versuchen OSZE-Militärbeobachter seit Tagen vergeblich, auf dem Landweg auf die Krim zu gelangen. Am Sonnabend verwehrten ihnen prorussische Uniformierte mit Warnschüssen den Zugang zur Krim.

Gemeinsam verfolgen Merkel und Steinmeier die gleiche Linie: So lange wie irgend möglich wollen sie versuchen, Russland ein Zeichen der Kompromissbereitschaft abzuringen. Sanktionen der EU, von denen die Exportnation Deutschland stärker als andere betroffen wäre, wollen Merkel und Steinmeier möglichst vermeiden – aus wirtschaftlichen, aber auch aus politischen Gründen. Denn auch vom Temperament her eint beide das starke Bedürfnis, politische Konflikte – und außenpolitische zumal – eher zu dämpfen als anzuheizen.

Merkel und Steinmeier wissen: Der Westen wird nicht verhindern können, dass Russland die Krim auf Dauer unter Kontrolle bringt. Beide haben aber auch die Hoffnung, dass es Putin nicht zum Äußersten kommen lässt und die Krim annektiert. Eine offene Angliederung der Krim wäre ein Tabubruch, der fast automatisch eine Spirale von Sanktionen in Gang brächte. Putin wird nicht zögern, auf Strafmaßnahmen des Westens mit ebenso harten oder noch härteren Maßnahmen zu reagieren. Merkel wie Steinmeier werden alles versuchen, um eine solche Eskalation zu vermeiden. Sie müssen aber auch einräumen, dass sie Putins Verhalten nach dem Umsturz in Kiew völlig überrascht hat.

Beide respektieren sich auch persönlich – ob sie auch Sympathie füreinander empfinden, ist schwer zu sagen. Im Wahlkampf 2009 war Merkel überzeugt, dass Steinmeier erfolgreicher wäre, wenn er sich trauen würde, einfach so zu sein, wie er wirklich ist. Sie weiß, dass sie bei vielen Deutschen vor allem deshalb populär ist, weil sie ihre nüchterne, sachliche und auch manchmal etwas langweilige Art schätzen.

Genau die gleichen Eigenschaften schreibt sie auch Steinmeier zu. Doch im Wahlkampf, so Merkels damalige Analyse, habe Steinmeier versucht, jemand zu sein, der er gar nicht ist: ein feuriger, mitreißender Redner, wie es zum Beispiel Gerhard Schröder sein kann. Das habe Steinmeier mehr geschadet als genutzt, denn die Menschen hätten ihm diese Rolle nicht abgenommen. „Aber jeder ist halt seines eigenen Glückes Schmied“, sagte sie während des Wahlkampfes einmal intern über ihren Herausforderer.

Schwere Verstimmungen hat es im Verhältnis zwischen Merkel und Steinmeier auch schon mal gegeben. Der Tiefpunkt im Verhältnis beider Politiker war wohl im September 2007 erreicht. Merkel empfing damals den Dalai Lama im Kanzleramt, was ihr beim heimischen Publikum viel Zustimmung einbrachte. Steinmeier hatte dann aber wenig später die äußerst undankbare Aufgabe, die Empörung des chinesischen Außenministers über Merkel entgegenzunehmen.

Der Chefdiplomat aus Peking hielt ihm am Rande der UN-Vollversammlung in New York eine fast halbstündige, vom Blatt abgelesene Standpauke, die Steinmeier schweigend entgegennehmen musste. Aus Loyalität gegenüber seiner eigenen Regierungschefin konnte er dem Chinesen natürlich nicht sagen, dass er den Empfang des geistigen Oberhaupts der Tibeter im Kanzleramt auch für falsch hielt. Innerlich schäumt Steinmeier vor Wut, dass er sich für eine Entscheidung Merkels maßregeln lassen musste, die er selbst nie getroffen hätte und die ihm auch gar nichts genutzt hatte.

Doch das ist Vergangenheit. Sowohl im Kanzleramt als auch im Außenministerium wird versichert, beide Politiker empfänden die Krise um die Krim als so ernst, dass persönliche Befindlichkeiten ohnehin keine Rolle spielen. Dass ihr Temperament und ihr politischer Stil so ähnlich sind, werden aber beide sicher nicht als Nachteil empfinden.

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