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Deutschland / Welt Mehr als jeder zweite Rentner bekommt unter 900 Euro
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07:08 26.07.2019
Mehr als jede zweite Altersrente liegt unter 900 Euro. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Berlin

Mehr als jede zweite Rente beträgt weniger als 900 Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. 51,4 Prozent der Altersrentner im Jahr 2018 erhielten weniger als 900 Euro – das sind mehr als 9,3 Millionen Menschen. 58,6 Prozent der Rentner bekamen weniger als 1000 Euro im Monat.

„Es lässt sich schlicht nicht leugnen, dass die gesetzliche Rente nicht mehr armutsfest ist“, sagte Zimmermann dem RND. Viele kämen nur deshalb über die Runden, weil sie sich gezwungenermaßen zur Rente etwas hinzuverdienten, sagte die Linken-Abgeordnete. Die genannten Rentendaten beziehen sich auf die Rentenzahlbeträge, also auf den Betrag der Rente nach dem Abzug von Sozialbeiträgen und vor dem Abzug von Steuern.

Wann gilt jemand als arm?

Die so genannte Armutsgefährdungsschwelle lag nach Angaben der Bundesregierung für eine Person im Jahr 2017 bei 999 Euro im Monat – aktuellere Daten gibt es nicht. Armut ist statistisch betrachtet ein relativer Begriff. Menschen gelten als armutsgefährdet, die im Jahr der Erhebung weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung haben.

Die Bundesregierung verweist in ihrem Schreiben darauf, dass allein aus der Höhe einer Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung grundsätzlich nicht auf Bedürftigkeit in der Grundsicherung im Alter geschlossen werden könne – eben weil dabei mögliche zusätzliche Einkommensquellen und die konkrete Haushaltssituation nicht berücksichtigt seien.

Das heißt: Es gibt Menschen mit einer geringen gesetzlichen Rente, die arm sind. Wieder andere haben eventuell einem Ehepartner mit einem guten Einkommen oder zum Beispiel Mieteinnahmen. Geringe Renten können auch zustande kommen, wenn Menschen nur wenige Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und dann anders vorgesorgt haben.

Das Problem mit den Wohnkosten

Die Armutsrisikoquote für Personen im Alter ab 65 Jahren unterscheidet sich nicht wesentlich von jener in der Gesamtbevölkerung: 2017 lag sie für die über 65-Jährigen bei 14,6 Prozent – etwas unter dem Bevölkerungsdurchschnitt von 15,8 Prozent. Erfasst sind, wie bereits erläutert, Menschen mit weniger 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer aktuellen Untersuchung insbesondere die steigenden Wohnkosten als Problem für viele Menschen im Rentenalter ausgemacht. Der größte Problemfall sind hier die Alleinlebenden.

Forscher warnen zudem vor steigender Altersarmut in der Zukunft. Einer der Gründe dafür ist der Trend zu prekärer Beschäftigung, wie eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung im Jahr 2017 gezeigt hat. Die Prognose der Forscher, die in ihre Berechnungen neben der gesetzliche Rente auch andere Einkommensformen einbezogen haben: Jeder Fünfte (20 Prozent), der zwischen 2031 und 2036 in Rente gehe, werde von Armut bedroht sein.

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Von Tobias Peter/RND

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