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Deutschland / Welt Maoistische Anschläge und Boykottaufrufe überschatten Wahl
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17:16 16.04.2009
Das Gesamtergebnis des Wahlmarathons wird am 16. Mai erwartet. Quelle: Noah Seelam/afp
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Die Kongresspartei von Premierminister Manmohan Singh und die Hindu-Nationalisten (BJP) können beide nicht siegesgewiss sein.

Von den Anschlägen maoistischer Rebellen wurden vor allem die östlichen Bundesstaaten Bihar, Jharkhand und Orissa heimgesucht. Den offiziellen Angaben zufolge kamen 18 Menschen ums Leben, darunter fünf amtliche Wahlleiter und zehn Sicherheitsbeamte, die ein Wahllokal schützen sollten. Im Bezirk Latehar wurde ein Bus in die Luft gesprengt, in dem sich paramilitärische Einheiten befanden. Der 76-jährige Regierungschef Singh hatte die Maoisten 2006 als größte Gefahr für Indien bezeichnet. Im Jahr 2007 wurden durch Gewalttaten im Zusammenhang mit der maoistischen Rebellion mehr als 800 Menschen getötet.

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Aus Angst vor Anschlägen werden während der knapp einmonatigen Wahl mehr als zwei Millionen Sicherheitskräfte im ganzen Land bewegt. Insgesamt sind rund 6,1 Millionen Sicherheitskräfte und Wahlbeobachter im Einsatz. In der Konfliktregion Kaschmir riefen Gegner der Zentralregierung zum Boykott der Wahlen auf. Sie warnten, jeder Teilnehmer der Wahl werde wie ein „Verräter“ behandelt. Starke Einheiten der Sicherheitskräfte waren etwa in Jammu, der Winterhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs, im Einsatz.

Die indische Parlamentswahl wird in mehreren Etappen abgehalten. Von den 714 Millionen Abstimmungsberechtigten waren an diesem Donnerstag nur 143 Millionen in 15 Bundesstaaten zur Wahl aufgerufen. Insgesamt werden 543 Abgeordnete des Unterhauses in Neu Delhi gewählt, weitere Wahlgänge folgen bis zum 13. Mai. Selbst nach dem letzten Teildurchgang ist nicht unbedingt mit einem klaren Ergebnis zu rechnen. Die Bekanntgabe der Auszählungsergebnisse ist für den 16. Mai angekündigt. Allgemein besteht ein gewisser Trend zur Stimmabgabe für Regionalparteien, was zu Lasten der Kongresspartei und der Bharatiya Janata (BJP) gehen dürfte.

Nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Yogendra Yadav aus Neu Delhi wird nach dem Ende des Wahl-Marathons am 13. Mai eine „sechste Etappe“ der Wahl beginnen - die mühseligen Verhandlungen zur Bildung einer stabilen Regierung. Die Rolle der Königsmacherin könnte dabei der Hindu-Politikerin Mayawati Kumari zufallen. Kumari regiert im bevölkerungsreichen Bundesstaat Uttar Pradesh, der allein 80 Abgeordnete ins Unterhaus in Neu Delhi entsendet.

Kongresspartei und BJP führten den Wahlkampf mit jenen Themen, die den Indern am meisten unter den Nägeln brennen: die Auswirkungen der vom Westen ausgehenden weltweiten Finanzkrise auf die indische Wirtschaft, die Bekämpfung der Armut, die Verbesserung der Infrastruktur, Fragen der Bildung und die Terrorbekämpfung. Indien hat 1,1 Milliarden Einwohner, fast vier Mal so viele wie die USA, belegt aber nur den zehnten Platz unter den Wirtschaftsmächten der Welt. Zwei Drittel der indischen Bevölkerung leben auf dem Land.

afp