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Deutschland / Welt Kükentöten bleibt zulässig – Grüne und Linke fordern Agrarministerin Klöckner zum Handeln auf
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kükentöten bleibt zulässig – Grüne und Linke fordern Agrarministerin Klöckner zum Handeln auf
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18:28 13.06.2019
Die umstrittene Praxis wird erst einmal weitergehen: Millionen männlicher Küken werden jährlich getötet, weil ihre Aufzucht unwirtschaftlich ist. Quelle: Bernd Wüstneck/zb/dpa
Berlin

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Töten männlicher Küken in der Eier- und Fleischproduktion fordern Grüne, Sozialdemokraten, Linke und Tierschützer rasche Konsequenzen.

Grünen-Chef Robert Habeck bezeichnete das Urteil, das das Töten von männlichen Küken weiterhin erlaubt, als „tierschutzpolitische Enttäuschung“. „Natürlich muss man wirtschaftliche Interessen und Tierschutz abwägen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Aber ich meine, dass Kükenschreddern verboten werden muss.“ Zudem forderte er eine Grundsatzdebatte über die Bedingungen der Tierhaltung in Deutschland.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte das massenhafte Vergasen männlicher Küken so lange für zulässig erklärt, bis alternative Methoden in der Landwirtschaft flächendeckend verfügbar sind. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte das Kükentöten 2013 unter der rot-grünen Landesregierung per Erlass stoppen wollen. Zwei Brütereien aus NRW klagten dagegen, sie bekamen nun Recht.

„Ein Armutszeugnis für die bisherigen Bemühungen des Landwirtschaftsministeriums“

Der agrarpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Rainer Spiering, warf Klöckner vor, nicht schnell genug für Alternativen zu sorgen. „Wir brauchen einen konkreten Zeitpunkt und Vorgaben von der Bundeslandwirtschaftsministerin, wie genau der Umstellungsprozess gestaltet werden soll“, forderte Spiering. Das Urteil sei „ein Armutszeugnis für die bisherigen Bemühungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums“, das praxistaugliche Alternativen zur Kükentötung nicht schnell genug voranbringe.

Das Landwirtschaftsministerium fördert mit acht Millionen Euro wissenschaftliche Verfahren, die die Bestimmung des Geschlechts schon vor dem Schlüpfen möglich machen sollen. Dann könnten männliche Küken gar nicht erst ausgebrütet werden.

Agrarministerin Klöckner selbst lehnt das Töten unter Verweis auf ethische Bedenken ab, sieht aber vor allem die Unternehmen in der Pflicht, ihre Praxis umzustellen. Auch die Verbraucher könnten alternative Verfahren unterstützen, so die Ministerin. „Mit ihrer Kaufentscheidung haben sie es letztlich mit in der Hand, ob sich innovative Verfahren durchsetzen oder immer mehr Eier importiert werden“, sagte Klöckner.

Alternativen verkennen laut Linken-Sprecherin den Kern des Problems

Der agrarpolitischen Sprecherin der Linken, Kirstin Tackmann, gehen die alternativen Methoden zur früheren Geschlechtsbestimmung nicht weit genug: „Die von Agrarministerin Klöckner favorisierte Selektion der männlichen Küken im Ei ist eine teure technologische Scheinlösung, die den Kern des Problems verkennt.“ Tackmann plädiert für Zweinutzungsrassen – Hühnerrassen, die sowohl für die Fleisch- als auch für Eierproduktion geeignet sind – und „Bruderhahninitiativen“, bei denen mit einem erhöhten Eierpreis die Aufzucht der Hähne mitfinanziert werden.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in Maßnahmen zur frühen Geschlechtsbestimmung keine Lösung. Die Legehühner müssten laut BUND auch weiterhin Höchstleistungen erbringen und würden nach kurzer Legedauer getötet.

Tierschützer enttäuscht, Geflügelwirtschaft zufrieden

„Das ist nicht im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht. Wir fordern deshalb ein grundsätzliches Umdenken in der Geflügelwirtschaft“, sagt BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz. Auch der Tierschutzbund ist vom Leipziger Urteil enttäuscht. Die Tierschützer bewerten aber positiv, dass das Gericht klarstellte, das wirtschaftliche Gründe nach heutigem Verständnis kein „vernünftiger Grund“ sein dürfen, um Tiere zu töten.

Der Präsident des Zentralverbands der Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, begrüßte hingegen das Gerichtsurteil: „Es ist eine kluge Entscheidung, die der Realität gerecht wird und der Wissenschaft Zeit gibt.“ Er bekräftigte, dass die Brütereien „lieber heute als morgen aus dem Kükentöten aussteigen“ wollen. „Ohne praxistaugliche Alternativen geht das aber nicht.“

Von Nadja Lissok/RND

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