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Deutschland / Welt Kontroverse um Adoptionsrecht für Homo-Paare
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16:17 24.07.2009
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU). (Archivbild)
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU). (Archivbild) Quelle: Johannes Eisele/ddp
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Verbandsvize Björn Beck (CDU) lobte die Initiative von Zypries als „sehr positiv“, warf der Ministerin aber vor, Wahlkampf zu machen. Auch die FDP-Familienpolitikerin Ina Lenke verband ihre Unterstützung mit dem Vorwurf, Zypries’ Vorschlag komme reichlich spät. Die Linke appellierte an die Union, ihre Ablehnung gegen den Vorschlag aufzugeben.

Zypries hatte mit einer Untersuchung der Universität Bamberg argumentiert, die zu dem Schluss kommt, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ebenso gut aufwachsen wie in heterosexuellen Beziehungen. Zypries sagte, es gebe daher keinen Grund, die gemeinsame Adoption für homosexuelle Partner nicht zuzulassen. Derzeit ist dies in Deutschland nicht möglich.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) wies den Vorstoß zurück. „Wir sind nach wie vor der festen Überzeugung, dass Kinder am besten in einer Beziehung von Mann und Frau aufwachsen“, sagte er. Auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) sagte, Ziel von Adoptionen sei es, für Kinder eine optimale Familie zu finden und nicht umgekehrt. „Ehepaarfamilien“ könnten solche optimalen Bedingungen am besten gewährleisten.

Die Linke bezeichnete die Unions-Haltung als „mittelalterlich“ und forderte CDU und CSU auf, davon abzurücken. „Die Union muss endlich die Lebenswirklichkeit anerkennen“, sagte der Linke-Politiker Lutz Heilmann, „und die ist längst nicht nur männlich-weiblich.“

Auch Beck appellierte an seine Partei, eine „sachliche und emotionsfreie Diskussion“ über die Adoptionsrechte von homosexuellen Paaren zu führen. „Gerade bei diesem Thema tun sich viele Unions-Politiker immer noch schwer“, beklagte der CDU-Politiker. Zugleich sprach Beck von einem „unglücklichen Zeitpunkt“ für die Debatte. „Die Studienergebnisse lagen meiner Kenntnis nach schon länger vor“, sagte er, „ich glaube, dass Frau Zypries damit bewusst gewartet hat, um das Ganze zum Wahlkampfthema zu machen.“

Auch Lenke kritisierte den Zeitpunkt und warf Zypries vor, sich zu spät zu Wort zu melden. „Ich habe schon den Eindruck, dass die SPD-Fraktion hier sehr zurückhaltend ist und konservative Kräfte bei diesem Thema bremsen“, sagte die FDP-Politikerin.

Das Bundesjustizministerium wies die Kritik zurück. Die Behörde habe die Studienergebnisse keineswegs zurückgehalten, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Resultate lägen bei dem beauftragten Institut zwar schon länger vor. Aus organisatorischen Gründen seien sie jedoch erst jetzt veröffentlicht worden.

Die Sprecherin betonte, Zypries setze sich schon lange für ein gemeinsames Adoptionsrecht für homosexuelle Partner ein. Erst seit wenigen Monaten gebe es auf europäischer Ebene die nötige rechtliche Grundlage - ein geändertes europäisches Adoptionsübereinkommen. Dass Deutschland dies noch nicht unterzeichnet habe, liege allein am Widerstand des Koalitionspartners, der Union.

ddp