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Deutschland / Welt Die Macht des Einzelnen
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18:00 01.05.2019
Teilnehmer einer Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Quelle: dpa
Kommentar

Um die „Macht der Straße“ ging es schon gelegentlich, wenn alljährlich am 1. Mai die Gewerkschaften Kundgebungen abhielten – in diesem Jahr forderten sie in 20 deutschen Städten „gute Arbeit, Einkommen und Arbeitsbedingungen“. Neu ist, dass nur zwei Tage später die Schülerdemos Fridays for Future wieder bundesweit für mehr Klimaschutz marschieren.

Neu ist aber auch, dass den Schülern gerade Heuchelei vorgeworfen wird. Sie müssen sich unter anderem der Frage stellen, wie viele der jungen Klimaschützer von einer klimaschädlichen Osterflugreise aus den Ferien zu den Demons­trationen zurückkehren. Die Kritik ließe sich auch auf die Gewerkschaftsdemonstranten erweitern: Wie viele Gewerkschafter vergessen wohl ihre Ideale, wenn sie im Versandhandel bestellen oder Schnäppchenklamotten kaufen – obwohl sich Paketboten unter unwürdigen Bedingungen abplacken und die Textildiscounter Billiglöhner schuften lassen?

Es ist zurzeit in Mode, „den Einzelnen“ in die Pflicht zu nehmen: Jeder von uns könne durch bewussten Konsum und umweltfreundliches Handeln die Klimabilanz der Menschheit verbessern und die Konzerne zu fairem Wirtschaften zwingen, heißt es.

Viele Konzerne verschleiern ihre Produktionsbedingungen

Leider ist das falsch. Denn viele Konzerne verschleiern ihre Produktionsbedingungen längst oder legen „grüne“ oder „faire“ Nebengeschäfte auf, mit Preisaufschlag. Deshalb ist die Politik in der Verantwortung dafür, dass die Lebensweise einer Gesellschaft nicht den Menschen anderswo oder in künftigen Generationen schadet.

Dass das überhaupt umstritten ist, liegt daran, dass die konkrete Umsetzung einer solchen staatlichen Lenkung so schwer ist. Denn: Allzu schnelle Verbote sind unpopulär und schlimmstenfalls freiheitsfeindlich. Und die sinnvolle Forderung, stattdessen die unsichtbaren Kosten bestimmter Produkte und Verhaltensweisen – etwa fürs Klima – durch Aufschläge, CO2-Steuern oder Strafzölle sichtbar zu machen, trifft schlimmstenfalls die Ärmeren am härtesten.

Es braucht intelligente Ansätze

Es braucht deshalb intelligente Ansätze: Man kann den CO2-Ausstoß belasten, dafür aber einen Sozialausgleich zahlen. Man kann Anreize schaffen, etwa zum Umstieg vom Auto in Bus und Bahn. Man kann jährlich ein bis zwei Flugreisen pro Kopf nur dezent verteuern, dafür Vielflieger sowie schädliche Inlandsflüge belasten. Man kann der Wirtschaft Zügel anlegen – etwa der Agrarindustrie – und so überbordende Massenproduktion eindämmen. Man muss aber auch Alternativen zu schädlichem Verhalten schaffen. So wäre es rational, eine Bahnfahrt einem teuren Flug und einer stressigen Autofahrt vorzuziehen.

Insofern hat der Einzelne tatsächlich Macht: Er kann politisch handeln – mindestens, indem er wählen geht. Ende des Monats gibt es wieder die Chance dazu.

Von Steven Geyer/RND

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