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Deutschland / Welt Der Ärger über Kühnert zeigt nur, wie es um den Rest der SPD steht
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13:24 02.05.2019
Juso-Chef Kevin Kühnert: schon lange mehr als irgendein Parteinachwuchschef. Quelle: imago/IPON
Berlin

Man könnte sich die Sache jetzt ganz einfach machen: Der Chef der Jungsozialisten in der SPD denkt über Sozialismus nach. Na und? Das gehört zu seiner Berufsbeschreibung, ist außerdem klassische Juso-Folklore, warum also die ganze Aufregung?

Diese Argumentation wäre nicht falsch, aber sie würde der Sache auch nicht ganz gerecht. Denn Kevin Kühnert ist schon lange nicht mehr nur irgendein Juso-Vorsitzender. Vielen gilt er als DIE Nachwuchshoffnung in der SPD, manchen sogar als einzige. Kühnert agiert vor der Folie des womöglich nächsten oder übernächsten Parteivorsitzenden, seine Worte haben deshalb ein anderes Gewicht als die seiner Amtsvorgänger. Bei allem, was der Juso-Chef wagt oder tut wird inzwischen die Frage gestellt, was das für seine weitere politische Karriere bedeutet.

Wenn man so will, sagt das Interview, dass der Juso-Vorsitzende der Wochenzeitung „Die Zeit“ gegeben hat, mehr über den Zustand der SPD aus als über Kühnerts politische Gesinnung. Dass der Mann linksaußen im demokratischen Spektrum steht, kann nicht wirklich überraschen. Als die SPD noch eine selbstbewusste Partei war, hätten die Oberen solche Gedankenspiele ihres Nachwuchschefs gütig lächelnd beiseite getan. Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei.

Vor allem der Zeitpunkt verstört die Genossen

In der SPD sind sie sauer. Vor allem über den Zeitpunkt der Veröffentlichung ärgern sich die Genossen. Der Europawahlkampf geht in seine heiße Phase, die Partei fürchtet um Platz zwei, vielleicht sogar um Platz drei. Da ist die Angst groß vor einer neuen Rote-Socken-Kampagne. Konservative und Liberale nehmen Kühnerts Steilvorlage begeistert auf und warnen bereits vor linken Spinnereien und DDR light.

Das ist ziemlicher Unsinn. Vermutlich war der Sozialismus in den 152 Jahren seit Karl Marx sein Werk „Das Kapital“ veröffentlich hat, nie so tot wie heute. In Venezuela lässt sich beobachten, wie gerade die letzten Trümmer dieser Ideologie zusammengekehrt werden. Trotzdem funktionieren die Abwehrreflexe bei CDU, CSU und FDP immer noch zuverlässig.

Und nun? Man muss kein Prophet sein, um die Prognose zu wagen, dass die Debatte vermutlich noch ein, zwei Tage weitergeht, und dann wieder verschwindet. Spätestens, wenn jeder seinen Senf dazu gegeben hat.

Wie ernst die Investoren von BMW und Deutscher Wohnen die Worte Kühnerst nehmen, lässt sich am Aktienkurs der beiden Unternehmen ablesen, der sich am Donnerstag wenig bis gar nicht bewegt hat. Das immerhin scheint der Kapitalismus der Politik vorauszuhaben: Gelassenheit und Konzentration auf das Wesentliche.

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Von Andreas Niesmann/RND

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