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Deutschland / Welt Pfarrer Lücker spricht Klartext: „Liebe Frauen, haltet bloß nicht die Klappe!“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Pfarrer Lücker spricht Klartext: „Liebe Frauen, haltet bloß nicht die Klappe!“
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15:48 29.03.2019
Kreuz an der Wand eines Wohnzimmers, 15.06.2018. Quelle: epd-bild/Jens Schulze
Visbeck

Vom Missbrauchsskandal bis zum Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen - ein Pfarrer aus dem Oldenburger Münsterland macht in seiner Predigt aus seinem Herzen keine Mördergrube. Am Ende applaudiert die Gemeinde – und das Video des Gottesdienstes aus der Visbeker St.-Vitus-Kirche im Bistum Münster begeister das Netz. Mehr als 55.000 Mal wurde es seit Anfang März angeschaut.

Bis auf drei Leute, die sich in Briefen kritisch über die Predigt geäußert hätten, habe er nur positive Rückmeldungen bekommen, sagt der 56 Jahre alte Pfarrer Hermann Josef Lücker. Damit habe er nicht gerechnet. „Im Moment werde ich von allen nur angesprochen, dass das so eine Resonanz findet“, sagt Lücker. Als Kirchenrebell sehe er sich aber nicht.

Missbrauchsskandal macht Pfarrer zornig

In der Predigt drückt Lücker das aus, was viele Gläubige mit Sicherheit denken: Der Missbrauchsskandal sei einfach unvorstellbar und mache ihn „richtig zornig.“ Die Uneinigkeit der Bischöfe zur Kommunion für gemischtkonfessionelle Ehepaare nennt Lücker vor der Gemeinde „rumgeeiere“: „Der eine Bischof sagt hüh, der andere hott – wo sollen wir kleinen Christen uns noch positionieren?“, fragt der Priester.

„Liebe Frauen, haltet bloß nicht die Klappe, sondern begehrt auf!“, fordert Lücker. Frauen müssten mehr Macht und Einfluss in der Kirche bekommen. Und auch zur Sexualmoral und zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen spricht Lücker Klartext. „Ich kann jeden Panzer segnen, jedes MG, jedes Karnickel, jeden Hasen, jede Kuh, jeden Hund, warum soll ich die Menschen nicht segnen können?“

„Ich rede nicht mit Wut im Bauch“

Das alles klingt nach Wutpredigt – aber diese Bezeichnung lehnt Lücker ab. „Ich rede nicht mit Wut im Bauch“, sagt er mit wenigen Wochen Abstand. „Diese Themen liegen mir alle am Herzen, die negativen, wie die positiven.“ Denn der Priester erklärt seiner Gemeinde auch, was ihm Freude mache: Die Menschen, die Seelsorge in der Gemeinde – und das Predigen.

Die Reaktion der Menschen auf seine Predigt mache auch eines deutlich: Das Interesse der Menschen an der Kirche sei noch riesengroß. 50.000 Klicks im Internet bedeuteten 50.000 Menschen, die sich damit auseinandersetzten. Aus allen Teilen der Welt, selbst aus den USA, habe er Feedback bekommen. „Wenn sich jetzt etwas bewegt, auch im Zeichen unseres Papstes, ist das auch ein gutes Zeichen für unsere Kirche“, sagt Lücker.

Kirche hat Verständnis für Seelsorger

Die Ansprache Lückers sei sehr emotional gewesen, sagt der Vertreter des Bischöflichen Offizials in Vechta, Monsignore Bernd Winter. „Ich habe sehr großes Verständnis dafür, wenn unseren Seelsorgern, die mitten in dieser Situation den ohnehin schweren Dienst der Verkündigung und der Seelsorge für die Menschen und den Dienst an der Einheit der Kirche tun, auch mal der Kragen platzt.“ Lücker habe nicht wenigen Gläubigen aus der Seele gesprochen. Er sagt aber auch: Die Ansichten Lückers dürften nicht alle seine Vorgesetzten teilen.

Er habe in der Predigt genau die Themen benannt, über die auch die Bischöfe reden, sagt der Sprecher des Bistums Osnabrück, Hermann Haarmann. Missbrauchsskandal, Rolle der Frau in der Kirche, Zölibat, Sexualmoral – mit all diesen Themen würden sich die Bischöfe in den nächsten Monaten in Arbeitsgruppen befassen.

Entscheidungen fallen in Rom

Dabei betonen die Bischöfe eines immer wieder: Entscheidungen zur Ehelosigkeit der Priester oder ob auch Frauen geweiht werden können, werden nicht in Deutschland, sondern in Rom gefällt. Das weiß auch Lücker. Aber: Die Kirche in Deutschland solle sich nicht kleiner machen als sie ist. „Wir können uns dafür einsetzen, unsere Stimme erheben und wir können uns ganz klar auf eine Position einigen“, sagt der Priester.

Von RND/dpa

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