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Deutschland / Welt Jacob Zuma wird Südafrikas nächster Präsident
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Jacob Zuma wird Südafrikas nächster Präsident
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15:03 26.04.2009
Der nächste Präsident Südafrikas: Jacob Zuma Quelle: Alexander Joe/AFP
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Die schillernde Biographie des 67-Jährigen erklärt, warum Zuma so polarisiert: Zehn Jahre Haft während der Apartheid, Verwurzelung in der polygamen Zulu-Kultur, Korruptionsprozesse und ein bitterböser Machtkampf mit dem früheren Präsidenten Thabo Mbeki.

Schon bevor das südafrikanische Parlament am 6. Mai offiziell den neuen Präsidenten wählt, steht der Sieger fest: Zuma hat mit dem klaren ANC-Sieg den Grundstein gelegt, um als vierter Staatschef seit der Überwindung der Rassentrennung in das höchste Amt des Staates zu gelangen. „Der neue Präsident der Republik wird der Präsident aller sein“, versprach Zuma in einer Fernsehansprache kurz nach der Veröffentlichung des Endergebnisses am Sonnabendabend. Der „haushohe“ Sieg mit 65,9 Prozent aller Stimmen sei ein „Freudenfest“ für die Menschen aller Gesellschaftsschichten.

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Vor allem bei der schwarzen Bevölkerung erfreut sich Zuma großer Beliebtheit. Bei den Weißen sieht es hingegen anders aus: „Zuma macht Angst, besonders den Weißen“, sagt Jeremy Gordin, der über den ANC-Vorsitzenden kürzlich eine Biografie verfasst hat. Nach der Anti-Apartheids-Legende Nelson Mandela, dem als elitär empfundenen Mbeki und dem derzeitigen Übergangspräsidenten Kgalema Motlanthe wird Zuma der vierte schwarze Staatschef sein - und mit Sicherheit der umstrittenste.

Zuma kam in einem Dorf in der Provinz KwaZulu-Natal zur Welt und wuchs als Arbeitersohn ohne Schulbildung auf. 1958 trat er dem ANC bei. Fünf Jahre später wurde er vom Apartheidsregime wegen Verrats verurteilt und saß zehn Jahre auf der Gefangeneninsel Robben Island vor Kapstadt zusammen mit Nelson Mandela in Haft. Später lebte er zwölf Jahre im Exil, bis er nach der Aufhebung des ANC-Verbots 1990 in die Heimat zurückkehrte.

An den Gesprächen über die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit mit den Weißen war er dann maßgeblich beteiligt. Später wurde er Wirtschaftsminister von KwaZulu-Natal, bevor er 1999 zum Vize-Präsidenten aufstieg. 2005 musste er dieses Amt räumen, nachdem ein enger Mitarbeiter zu einer Haftstrafe verurteilt worden war.

Auch das Privatleben Zumas polarisiert. Er heiratete vier Frauen und hat inzwischen 18 Kinder. 2006 stand er in einem Vergewaltigungsprozess vor Gericht. Zwar endete das Verfahren mit einem Freispruch, aber Zuma sorgte für Empörung, als er vor Gericht sagte, er habe nach dem Sex mit einer HIV-positiven Frau zum Schutz vor einer Aids-Infektion gründlich geduscht.

Auf der Haben-Seite kann Zuma die Unterstützung im ANC und seine unbestrittene Volksnähe verbuchen. „Er respektiert von Grund auf die anderen“, bescheinigt ihm der Biograph Gordin. Bei öffentlichen Auftritten versetzt er seine Anhänger mit Tanz und alten ANC-Kampfliedern in Euphorie. So ist der ANC-Vorsitzende der Liebling der Armen und Benachteiligten in Südafrika. Der Anführer der ANC-Jugendorganisation, Julius Malema, sagte einmal, er würde für Zuma sogar „zu den Waffen greifen und töten“.

afp