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Deutschland / Welt Berlin: Ex-Sicherheitschef nennt Stehplätze für Drogendealer „schwachsinnig“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Berlin: Ex-Sicherheitschef nennt Stehplätze für Drogendealer „schwachsinnig“
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18:51 09.05.2019
Eine rosa-farbige Markierung ist an einem Eingang zum Görlitzer Park auf dem Boden zu sehen. Dort sollen Drogendealer künftig stehen. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Es scheint ein normaler Tag zu sein im Görlitzer Park. Zwei Hunde jagen einem Ball hinterher und bringen ihn ihrem Herrchen zurück. Auf den Bänken entspannen Menschen und genießen ihre Mittagspause. Ein kleines Kind sitzt auf einem Spielzeugauto und bahnt sich seinen Weg durch die Passanten.

Nur der Asphaltweg, auf dem es fährt, wirkt nicht normal. Mehrere rosa Kästchen zieren die linke und rechte Seite des Weges. Zwei Kamerateams beraten sich in einigem Abstand voneinander in der Nähe der rosa Markierungen. Ihr Ziel: Ein Gesprächspartner, der sich hier auskennt und etwas zu den Kästchen sagen kann.

„Dealer sollen nicht Spalier stehen“

Wer sie aufgemalt hat, wissen sie längst: Cengiz Demirci, zuständiger Parkmanager. Die rosa Rechtecke, die er an diversen Stellen auf die Gehwege gesprüht hat, sollen markieren, wo die Drogenhändler im Görlitzer Park stehen dürfen, so Demirci. Er wolle damit nicht den Rauschgifthandel legalisieren, sondern lediglich dafür sorgen, dass die Besucher des Parks „nicht an einem Spalier von Dealern vorbeigehen“ müssen.

Die Aktion hatte am Mittwoch und Donnerstag für Aufregung gesorgt, auch unter Politikern, nachdem der Rundfunk Brandenburg-Berlin über die Maßnahme des Parkmanagers berichtet hatte. Der Görlitzer Park ist bekannt für seine Dealer, die neben Cannabis auch harte Drogen wie Crystal Meth und Heroin verkaufen.

„Rosa Zonen sind schwachsinnig“

Lisan Hasan war früher Sicherheitschef im Görlitzer Park. Etwa ein Jahr lang versuchte der 45-Jährige, das Problem mit den Dealern in den Griff zu bekommen. Die rosa Kästchen auf den Wegen hält er für „schwachsinnig“. „Die rosa Zonen werden nicht helfen, dass weniger Drogen im Park verkauft werden“, meint er. Wenn, dann solle man lieber Markierungen setzen, die dafür sorgen, dass sich die Dealer weiter von der Öffentlichkeit zurückziehen.

„In Gebäuden, wo Kinder nicht sehen können, wie konsumiert und gedealt wird, stört es keinen. In einem öffentlichen Park schon.“ Selbst sein 15-jähriger Sohn werde auf dem Weg zur Schule häufig von den Dealern angesprochen. „Sie fragen dann, ob er Haschisch kaufen will.“

Dealer mit Macheten?

Mit Blick auf die Anwohner und Nutzer des Görlitzer Parks meint er: „Die Leute hier haben uns damals engagiert und bezahlt, damit wir Ordnung schaffen. Die Menschen hier sind richtig mies drauf, weil jeder hier gefragt wird, ob er Drogen kaufen will“, erklärt Hasan. „Irgendwann kann es passieren, dass es mal extrem eskaliert.“

Damals, als Hasan noch Sicherheitschef war, habe sich die Lage zwischendurch beruhigt, sagt er. Auch wenn er und seine Kollegen hart durchgreifen mussten. „Wir lagen oft nachts auf der Lauer, teilweise mit 50 bis 60 Mann“, sagt er. „Es wurde oft handgreiflich. Einige der Dealer kamen sogar mit Macheten an.“ Um den Verkauf von Drogen im Görlitzer Park zu stoppen, gebe es nur eine wirkliche Lösung: „Man müsste Cannabis legalisieren wie in Holland. Das würde den Staat entschulden und für viel weniger Kriminalität sorgen.“

„Brut der Gesetzlosen“

Ute Klagge versucht der Maßnahme von Parkmanagers Demirci mit Humor zu begegnen. Seit 29 Jahren arbeitet sie in der Nähe des Parks und verbringt dort täglich ihre Mittagspause. Heute hat sie sich mit einem roten Edding-Stift bewaffnet. „Wo soll ich meinen Kreis hinmalen?“, fragt sie, während sie den Stift in die Höhe streckt. „Ich will hier auch verkaufen.“ Purer Sarkasmus. Denn die 64-Jährige ist wütend darüber, wie wenig gegen die Drogendealer in Berlin getan werde.

„Die Stadt ist zu einer Brut der Gesetzlosen geworden“, meint Klagge. Die Markierungen hält sie für lächerlich. Die Situation werde dadurch auf keinen Fall besser. Ihre Lösung: „Es muss härtere Strafen für Drogenhandel geben“ Wenn sie nicht hier arbeiten würde, wäre sie schon längst weg, so Klagge. „Mir tun die Menschen hier leid.“

Von Flemming Goldbecher/RND

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