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Deutschland / Welt Früherer CIA-Spion klagt an: „Die haben mich ins Messer laufen lassen“
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11:46 03.10.2019
Moderatorin Maischberger: Verantwortungslos von den Amerikanern?
Berlin

Für den Vorabend des Tags der Deutschen Einheit haben sich die Fernsehmacher im Ersten eines der sagenumwobensten Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte ausgesucht: die Spionage.

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Nach dem Film „Wendezeit“, der die Geschichte einer Doppelagentin erzählt, geht es auch im TV-Talk von Sandra Maischberger um Geheimdienste, Agenten und Verräter. „Spione im Kalten Krieg – Gefährliches Doppelleben“, heißt der Titel des TV-Talks.

Die Gäste

Es sind vier Zeitzeugen und ein Experte, die am Mittwochabend zu später Stunde zusammen mit Moderatorin Maischberger in Erinnerungen schwelgen. Die frühere westdeutsche Diplomatin Lilli Pöttrich, die im Auftrag der DDR das Auswärtigen Amt ausspionierte, Eberhard Fätkenheuer, der für den US-Geheimdienst CIA sowjetische Militärtransporte und NVA-Objekte in der DDR ausgekundschaftet hat, sowie der frühere Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP) und Ex-US-Botschafter John Kornblum haben jeweils selbst einen Teil zur deutsch-deutschen Spionagegeschichte beigetragen. Bodo Hechelhammer erforscht diese als Chefhistoriker des Bundesnachrichtendienstes.

Der spannendste Einblick

Es klingt ein bisschen nach James Bond, was Lilli Pöttrich erzählt. Wie sie 1975 als westdeutsche Sozialistin vom DDR-Auslandsgeheimdienst HVA angeworben wurde, wie ihr die Ostagenten bei der Karriere im westdeutschen Staatsdienst geholfen haben, wie sie Akten fotografierte, tote Briefkästen benutzt und ständig überprüft hat, ob sie von jemandem verfolgt wird. Enttarnt wurde Pöttrich erst, als es die DDR schon nicht mehr gab. In den sogenannten Rosenholz-Dateien, dem verfilmten Archiv der HVA, fanden sich nach der Wiedervereinigung Hinweise auf ihre Tätigkeit für den früheren Klassenfeind. 1993 wurde die Ex-Spionin verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Das größte Drama

Eberhard Fätkenheuer hatte da deutlich weniger Glück. Der DDR-Ingenieur, der im Auftrag der CIA Militäranlagen auskundschaftete, flog 1979 auf und wurde zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verantwortung dafür sieht er zum Teil bei den Amerikanern. „Die Jungs haben mich ins Messer laufen lassen“, sagt Fätkenheuer. Sie hätten darauf bestanden, dass er seine Informationen per Post übermitteln solle – ein deutlich zu unsicherer Weg. An seine Verhaftung erinnert Fätkenheuer sich noch genau. Wie er von Magdeburg nach Berlin gefahren wurde. „Da dachte ich, schau dir die wunderbaren grünen Bäume an, genieße den Sonnenuntergang. Das alles wirst du lange nicht mehr sehen. Und genauso war es.“

Ob es nicht verantwortungslos von den Amerikanern war, Laien derart gefährliche Aufgaben zu übertragen, will Moderatorin Maischberger wissen. Kornblum gibt es zu: „Ja, eigentlich ja.“ Die politische Seite der US-Administration in Westberlin habe sich deswegen auch schuldig gefühlt und 1985 den größten Gefangenenaustausch des Kalten Krieges organisiert. 23 Spione des Westens, darunter Fätkenheuer, wurden damals auf der Glienicker Brücke gegen vier Ostagenten ausgetauscht. Bei den Westspionen habe es sich größtenteils um harmlose Freelancer gehandelt, sagt Kornblum. Die Ostagenten hingegen seien skrupellose Profis gewesen.

Das leidenschaftlichste Rededuell

Über historische Themen wird an diesem Abend nur wenig gestritten, die Diskutanten blicken mit einer gewissen Milde auf die Geschichte. Es ist ein aktuelles Thema, das zu einer hitzigen Debatte führt: der Umgang mit dem Whistleblower Edward Snowden. Man habe Snowden viel zu verdanken, sagt der Liberale Gerhard Baum. „Ohne ihn hätten wir nie etwas über die kriminellen Machenschaften der NSA erfahren.“ Snowden gehöre nach Berlin – und nicht nach Moskau. Der Amerikaner Kornblum widerspricht sofort: „Ich bin entschieden anderer Meinung. Snowden ist ein Verräter.“ Das wiederum will Baum nicht so stehen lassen. „Edward Snowden hat in einer Extremsituation unsere Grundwerte verteidigt – auch die der amerikanischen Verfassung.“ Ex-Botschafter Kornblum befriedet die Auseinandersetzung am Ende im Stil eines echten Diplomaten: „Die Lage in Deutschland ist sehr kompliziert.“

Die Erkenntnis des Abends

Braucht man eigentlich Spione? Die Frage wird von der Runde längst nicht so klar mit Ja beantwortet, wie man es vielleicht vermuten würde. Er habe Respekt vor der Arbeit von Menschen wie Fätkenheuer, sagt Kornblum. „Aber die Wahrheit ist, wir brauchten ihn eigentlich gar nicht.“ Über ihre Abhöranlagen im Westen seien die Amerikaner jederzeit darüber im Bilde gewesen, was auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs gerade vor sich ging. „Unsere Ohren in Westberlin waren so groß, dass wir sogar hören konnten, was die sowjetischen Truppen in Polen miteinander redeten“, sagt Kornblum. Bei der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 etwa hätten die USA genau gewusst, dass die Sowjet-Truppen einen Einmarsch planten.

Viele Spionagetätigkeiten im Kalten Krieg waren also sinnlos. Aber das gilt ja für manches, was in dieser Zeit geschehen ist.

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Von Andreas Niesmann/RND

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