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Deutschland / Welt Familie Bush drängt es zurück auf politische Bühne
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16:37 12.03.2013
Von Stefan Koch
Foto: Die Präsidentschaftswahlen 2016 im Visier? Den 60-Jährigen Jeb Bush drängt es nach seinem Vater und seinem Bruder nun auch ins landesweite Schweinwerferlicht.
Die Präsidentschaftswahlen 2016 im Visier? Den 60-Jährigen Jeb Bush drängt es nach seinem Vater und seinem Bruder nun auch ins landesweite Schweinwerferlicht. Quelle: dpa
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Washington

Die Bush-Familie macht wieder von sich reden. Genau zehn Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs spekulieren viele Amerikaner, ob erneut ein Angehöriger der Politikerdynastie in das Weiße Haus einziehen will. Jeb Bush, langjähriger Gouverneur von Florida, nutzt in dieser Woche seine Werbetour für ein neues Buch, um sich in Republikaner-Kreisen ins Gespräch für das höchste Amt in den Vereinigten Staaten zu bringen.

Am Wochenende besuchte der 60-jährige Bruder des 43. und Sohn des 41. Präsidenten gleich mehrere landesweit bekannte Talkshows, um seine Botschaft unter die Landsleute zu bringen: Seht her, hier macht sich der nächste Bush zum Sprung nach Washington bereit. "Jeb Bush zurück im Scheinwerferlicht", schreibt denn auch die Washington Post.

Tatsächlich bringt Bush all die Voraussetzungen mit, die ihn zumindest als Präsidentschaftskandidaten tauglich erscheinen lassen: Da ist nicht allein das finanzstarke Netzwerk des Familienclans, das einen milliardenschweren Wahlkampf stemmen könnte. Noch bedeutsamer ist seine Popularität, die er als wiedergewählter Gouverneur eines großen Bundesstaates genoß. Mangelnde Führungserfahrung kann man ihm nach all den Jahren in der Verantwortung in Tallahassee sicherlich nicht unterstellen. Zugleich ist er genau dort qualifiziert, wo die "Grand Old Party" unter einer offenen Flanke leidet: In der Politik gegenüber den schnell wachsenden Minderheiten.

Verheiratet mit einer Mexikanerin...

Als Student unterrichtete Bush bereits in Mexiko Englisch, er spricht fließend spanisch und ist mit einer gebürtigen Mexikanerin verheiratet. Die modernen USA, die besonders im Südwesten immer stärker lateinamerikanisch geprägt sind, könnte dieser Mann glaubhaft repräsentieren. Und die Analysen der Wahlen vom 6. November zeigen deutlich, dass es den Republikanern gerade in den lateinamerikanischen Gemeinschaften an Rückhalt mangelte.

Dieses Manko könnte Jeb Bush mit leichter Hand ausgleichen. Könnte, denn ob er auf dem Weg an die Spitze den richtigen Kurs einschlägt, erscheint keineswegs allen Parteifreunde als sicher. Zu seiner Zeit als Gouverneur von 1999 bis 2007 gab sich der Präsidentensprössling betont liberal, gerade auch gegenüber den Zuwanderern aus Kuba und Mexiko.

In seinem neuen Buch "Immigration Wars: Forging an American Solution"  schwenkt Bush allerdings wieder auf eine vorsichtigere Linie ein und erklärt, dass es bei den elf Millionen Menschen, die zurzeit ohne gültige Papiere in den Vereinigten Staaten leben, nicht allein um einen schnellen Zugang zur Staatsbürgerschaft gehen dürfe. Vielmehr sollten sie in einem ersten Schritt nur aus der Illegalität herausgeholt werden - ohne ihnen gleich den Status von US-Bürgern zu verleihen.

...doch Zickzackkurs bei Immigrantenfrage

Die "New York Times" wirft dem neuen Aspiranten vor, in seinen jüngsten TV-Auftritten eine klare Linie bei der Immigrantenfrage vermissen zu lassen. Vielmehr sei es widersprüchlich, dass er die Senatoren Lindsey Graham und Marco Rubio ausdrücklich unterstütze, obwohl deren Vorstellungen viel weitreichender seien und sie den Lateinamerikanern großzügere Angebote unterbreiten würden.

Dieser Zickzackkurs kommt nicht von ungefähr: Bush dürfte bei seiner Uneindeutigkeit die komplizierte Situation im eigenen Lager im Blick haben. Trotz der erneut verlorenengegangenen Präsidentschaftswahl ist noch längst nicht ausgemacht, welchen Stellenwert die radikale Tea-Party-Bewegung in der GOP behält. Angesichts dieser Zerrissenheit war von Jeb Bush im vergangenen Jahr zu hören, "dass Ronald Reagan oder mein Vater für die Republikaner nicht mehr wählbar wären". Die beiden Präsidenten hätten sich zu ihren Zeiten inhatlich wesentlich beweglicher gezeigt, als die Konservativen heute erscheinen.

Sicherlich: 71 Prozent der weißen - männlichen - Amerikaner stimmten am 6. November für den Kandidaten Mitt Romney. Doch werden die Vereinigten Staaten mittlerweile wesentlich weniger von der weißen Bevölkerung bestimmt, als es manchen ländlichen Wahlvereinen im Mittleren Westen lieb ist.

Im Jahr 2013 lebt die Hälfte der US-Bevölkerung in den Küstenstaaten und entlang der Großen Seen. Die Zuwanderer bleiben in der übergroßen Mehrheit in den urbanen Zentren hängen, in denen sie sich Arbeit und Aufstiegsmöglichkeiten versprechen. In diesen bunt gemischten Städten und Vorstädten lässt sich mit Rezepten aus der Vergangenheit kaum noch punkten.

„Amerika hat ja gerade erst gewählt“

Als Gouverneur des 19-Millionen-Einwohner-Bundesstaates wurde Bush oft genug mit den Herausforderungen einer modernen Zuwanderergesellschaft konfrontiert. Zudem engagierte er sich für die öffentliche Bildung und für den Umweltschutz in den ökologisch wertvollen Everglades. Doch bevor er sich als Vertreter des liberal-gemäßigten Lagers diesen Aufgaben auf Bundesebene annehmen könnte, hat er zunächst einmal die stramm-konservative Basis für sich zu gewinnen. Und im Mittleren Westen und im Süden, wo die GOP weiterhin ihre Hochburgen besitzt, ticken die Uhren anders.

Gleichwohl: Offiziell wirft der frühere Gouverneur seinen Hut noch nicht in den Ring. "Amerika hat ja gerade erst gewählt. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, werde ich mich zu dem Thema äußern", sagt Bush. Fest steht, dass er von nun an auf der Liste der potenziellen Kandidaten einen vorderen Platz einnimmt.

dpa