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Deutschland / Welt Ex-Finanzminister Varoufakis gründet eigene Partei
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09:49 19.02.2018
Yanis Varoufakis strebt erneut der politischen Bühne entgegen. Quelle: imago/ZUMA Press
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Athen

Er war die wohl kontroverseste Figur der griechischen Schuldenkrise: Finanzminister Yanis Varoufakis. Der Links-Premier Alexis Tsipras holte den umstrittenen Ökonomieprofessor – Spezialgebiet: Spieltheorie - nach seinem Wahlsieg Ende Januar 2015 ins Kabinett. Sein Auftrag: Die Kreditverträge mit den Gläubigern zu „zerreißen“, die verhasste Troika aus Athen zu vertreiben und das Land aus den Fesseln der Spar- und Reformauflagen zu befreien. Nach nur fünf Monaten trat Varoufakis zurück.

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Jetzt ist er wieder da: Der 56-Jährige will eine eigene Partei gründen. Sie soll am 26. März offiziell aus der Taufe gehoben werden. Antreten will Varoufakis sowohl zur Europawahl im Mai nächsten Jahres, wie auch bei den spätestens im September 2019 in Griechenland fälligen Parlamentswahlen. Die Partei soll aus der „Bewegung Demokratie in Europa 2025“ (DiEM25) hervorgehen, die Varoufakis 2016 gründete und in Berlin vorstellte.

Varoufakis sah Krise als „griechischen Frühling“

In Europa breite sich ein „Winter des Nationalismus, des Brexit, der Fremdenangst und der politischen Lähmung“ aus, schreibt Varoufakis im Gründungsaufruf der neuen Partei, aber „der Geist des griechischen Frühlings“ von 2015 sei immer noch lebendig.

So unterschiedlich können die Wahrnehmungen sein: Was Varoufakis in seiner Amtszeit als „griechischen Frühling“ erlebte, ist den meisten Griechen ganz anders in Erinnerung: Geschlossene Banken, lange Schlangen vor den wenigen noch funktionierenden Geldautomaten, Hamsterkäufe, leere Regale in der Supermärkten – nach dem Wahlsieg des radikalen Linksbündnisses Syriza versank Griechenland im Chaos.

Großbritannien vom „Drogendealer aus Manchester“ verschreckt

Und mittendrin: Varoufakis. Im Kreis der Euro-Finanzminister hatte der exzentrische Grieche von Anfang an keinen leichten Stand. Er liebte Provokationen. Anfang Februar 2015 kam Varoufakis zum Antrittsbesuch nach London. Vor der Tür von Downing Street 11 erwartete ihn der britische Schatzkanzler George Osborne im dunkelgrauen Maßanzug. Varoufakis trug Schnürstiefel, ein knallblaues Hemd, das über die Hose hing, und eine knielange Lederjacke. Eine britische Zeitung fühlte sich bei diesem Aufzug an einen „Drogendealer aus Manchester“ erinnert.

Teilnehmer der Eurogruppe beschrieben den Griechen als „Spieler“, „Amateur“ und „Zeitverschwender“. Er habe seine Kollegen mit endlosen, belehrenden Vorträgen genervt, sei „gereizt“ und „streitsüchtig“ aufgetreten, heißt es.

Crowdfunding soll neuer Partei den Weg bereiten

Ende Juni ist das Spiel aus. Griechenland steht am Rand des Staatsbankrotts. Finanzminister Varoufakis muss gehen. Premier Tsipras kapituliert vor den Gläubigern und unterschreibt ein noch härteres Spar- und Reformprogramm, um dringend benötigte Hilfsgelder locker zu machen.

Jetzt sammelt Varoufakis im Internet Spenden für seine neue Partei. Den meisten Griechen dürfte es schwer fallen, für das Crowdfunding in die Tasche zu greifen. Varoufakis ist sie schon teuer genug zu stehen gekommen. Thomas Wieser, in jenen Jahren Chef der Euro-Arbeitsgruppe EWG, die den Finanzministern zuarbeitet, veranschlagt, dass die Ära Varoufakis Griechenland einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 200 Milliarden Euro verursacht hat.

Von RND/Gerd Höhler