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Deutschland / Welt Entdeckten Muslime Amerika schon 1178?
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21:32 16.11.2014
Erdogan ist überzeugt: Muslime haben Amerika schon 1178 entdeckt. Hier ist er mit dem US-Präsident Barack Obama (l.) zu sehen.
Erdogan ist überzeugt: Muslime haben Amerika schon 1178 entdeckt. Hier ist er mit dem US-Präsident Barack Obama (l.) zu sehen. Quelle: dpa
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Istanbul

So steht es in den Geschichtsbüchern, und so haben es Generationen von Schülern gelernt: Im Jahr 1492 entdeckte der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus Amerika. Eher durch Zufall, denn er war ja eigentlich auf der Suche nach einem neuen Seeweg nach Indien. Aber jetzt muss die Geschichte umgeschrieben werden – sagt zumindest der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Denn: Kolumbus kam 314 Jahre zu spät. „Muslimische Seefahrer hatten bereits 1178 die Küste Amerikas erreicht“, teile Erdogan am Wochenende in Istanbul den Teilnehmern eines Treffens muslimischer Würdenträger aus Lateinamerika mit.

Erdogan, selbst ein frommer Muslim, behauptete in seiner vom Fernsehen übertragenen Rede zum Abschluss der Konferenz, der Islam sei in Amerika „schon weit verbreitet“ gewesen, als die ersten Europäer dort 1492 eintrafen. Als Zeugen für seine These rief Erdogan ausgerechnet Kolumbus auf: Der italienische Seefahrer habe in seinem Tagebuch notiert, er habe eine „Moschee“ auf einem Berggipfel an der Küste Kubas gesehen.

Die Theorie, Muslime hätten Amerika entdeckt, stammt allerdings nicht von Erdogan. Der umstrittene muslimische Gelehrte Youssef Mroueh erwähnte die angebliche Moschee auf Kuba bereits 1996 in einer Veröffentlichung. Muslime aus Westafrika hätten Amerika schon fünf Jahrhunderte vor Kolumbus entdeckt, so Mroueh. Nicht muslimische Historiker interpretieren den Tagebucheintrag Kolumbus’ allerdings anders: Der Seefahrer habe damit in einem bildhaften Vergleich eine Bergformation beschreiben wollen, die ihn an die Kuppel einer Moschee erinnerte.

Tatsächlich hat man in Amerika und der Karibik trotz der laut Erdogan „weiten Verbreitung“ des Islam seit dem 12. Jahrhundert keine Reste islamischer Gotteshäuser aus jener Zeit gefunden. Erdogan irritiert das nicht. Er möchte den vermeintlichen muslimischen Entdeckern Amerikas jetzt ein Denkmal setzen: Er plant den Bau einer Moschee in Kuba, auf dem von Kolumbus erwähnten Berg. Die Türkei werde das Vorhaben finanzieren, man warte nur noch auf die Genehmigung der kubanischen Regierung.

Von Gerd Höhler

16.11.2014
Stefan Koch 18.11.2014