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Deutschland / Welt Drei deutsche Soldaten bei
 Gefecht in Kundus getötet
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 Gefecht in Kundus getötet
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23:09 02.04.2010
Von Klaus von der Brelie
Deutsche Soldaten in Afghanistan.
Deutsche Soldaten in Afghanistan. Quelle: dpa (Archiv)
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Der tödliche Angriff in der Nähe des deutschen Feldlagers bei Kundus ging von mehr als 100 Taliban-Kämpfern aus. Der überraschende Überfall in der Region Char Darah, sechs Kilometer westlich von Kundus, war so massiv, dass die Bundeswehr von dem schwersten Gefecht spricht, in das sie bisher in Afghanistan verwickelt wurde. Bei den Kämpfen wurden wahrscheinlich auch mehrere Taliban-Kämpfer getötet.

Die Fallschirmjäger aus Oldenburg und Seedorf (Kreis Rotenburg/Wümme) waren zum Bombenräumen eingesetzt und mit afghanischen Sicherheitskräften auf einer Patrouille. Als sie aus dem Fahrzeug gestiegen waren, eröffneten die Taliban aus Häusern das Feuer und töteten drei Soldaten. Ein deutsches Fahrzeug fuhr auf eine Sprengfalle, als die Besatzung dem Gefecht ausweichen wollte. Dadurch wurden weitere Soldaten verletzt. Die Bundeswehr setzte sofort Verstärkungskräfte ein. Die Schutztruppe Isaf überflog mit Jagdbombern den Distrikt. Bei der Bergung der Verwundeten halfen US-Rettungshubschrauber, die in Kundus stationiert sind. Die Kämpfe waren gegen 11.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit ausgebrochen und dauerten am Abend noch an. Durch die Ereignisse stieg die Zahl der in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten auf 39. Vier schwer verletzte Soldaten sollen am heutigen Sonnabend nach Deutschland zurückgeflogen werden.

Kanzlerin Angela Merkel reagierte bestürzt auf das Gefecht. Es handele sich um einen „verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriff“, erklärte sie in Berlin. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sprach von „großer Betroffenheit“ und erklärte: „Angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes wird deutlich, wie gefährlich der gleichwohl notwendige Einsatz in Afghanistan ist.“

Guttenberg unterbrach seinen Osterurlaub in Südafrika. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) erfuhr vom Tod der deutschen Soldaten während eines Besuchs in Nordafghanistan.

Massive Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr äußerte unterdessen der amtierende Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider. „Der Konflikt in Afghanistan ist aus dem Ruder gelaufen“, sagte er: „Was in Afghanistan passiert, ist Krieg.“

Der ISAF-Kommandeur für Nordafghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger, sieht keinen Anlass für einen Strategiewechsel. „Die Lage ist unverändert“, sagte er. Die Bundeswehr werde ihren Auftrag, die Bevölkerung vor den Taliban zu schützen, weiter durchführen.

(mit: dpa)