Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Deutschland / Welt Schröder-Köpf: Wir müssen mehr Flüchtlinge aufnehmen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Schröder-Köpf: Wir müssen mehr Flüchtlinge aufnehmen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 21.08.2015
Von Michael B. Berger
Schröder-Köpf warnt angesichts der Flüchtlingszahlen vor einem „Rückfall in alte Reflexe“.
Schröder-Köpf warnt angesichts der Flüchtlingszahlen vor einem „Rückfall in alte Reflexe“. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

„Wir bekommen es mit einer gewaltigen Herausforderung zu tun, die der deutsche Staat aber auch packen kann.“ Nötig sei allerdings eine Entbürokratisierung beim Bau und der Errichtung von Erstaufnahmeeinrichtungen, meinte Pistorius, der am Dienstag eine entsprechende Bundesratsinitiative vorstellte.

Die Migrationsbeauftragte des Landes Niedersachsen, Doris Schröder-Köpf (SPD), warnt angesichts des Jahrhundertproblems der Flüchtlingsbewegungen vor einem „Rückfall in alte Reflexe“. In der aktuellen Situation zeige sich doch, dass die Flüchtlingspolitik der 90er-Jahre, die vor allem auf Abschottung zielte, überhaupt nicht mehr funktioniere. „Die Menschen machen sich auf den Weg, wenn die Bedingungen in ihren Ländern zu schlimm sind. Da helfen dann keine noch höheren Zäune und Mauern mehr, die Menschen kommen doch“, sagte Schröder-Köpf der HAZ.

„Für die Syrienflüchtlinge brauchen wir ganz einfach größere Kontingente, die wir jenseits der Asylverfahren aufnehmen, dann graben wir damit auch den Schleuser-Organisationen, die mit den Hilfesuchenden Millionen verdienen, das Wasser ab.“ Allerdings sei die Forderung nach höheren Kontingenten stets am Bund gescheitert, sagte die Landesbeauftragte. Es sei auch wahnsinnig enttäuschend, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in Europa als mächtigste Frau gelte, so wenig Positives in der Flüchtlingspolitik bewirke.

Schröder-Köpf warnte zugleich davor, „wieder in das alte Spiel zu verfallen und die Welt in gute Flüchtlinge und schlechte Flüchtlinge zu unterteilen“, wie es derzeit etwa mit den Migranten vom Balkan geschehe. Sie widersprach auch Forderungen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Menschen aus diesen Regionen abzuschieben. „Sinnvoller, wäre es, eine konzertierte Aktion Balkan zu gründen, an der sich Wirtschaft und Politik beteiligen.“ Denn wenn Europa nicht darangehe, die Perspektivlosigkeit in den Ländern des Balkans zu bekämpfen, werde es den Flüchtlingsdruck nicht nehmen. „Länder zu sicheren Herkunftsländern zu erklären, hat doch nur einen Placebo-Effekt.“

So sehen es auch die Grünen. Sie lehnten es am Dienstag ab, künftig auch den Kosovo, Albanien und Mazedonien zu sicheren Herkunftsländern zu erklären, wie es etwa mit Serbien geschah. In einer Erklärung haben die Grünen, die in neun der 16 Bundesländer mitregieren, ihre Position abgesteckt.

Die neue Prognose zu den Flüchtlingszahlen will Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am heutigen Mittwoch vorstellen. Vor allem aus Syrien flüchten derzeit viele Menschen über das Mittelmeer in Richtung Europa. Über die Türkei kommen sie nach Griechenland, wo sie auf kleinen Ägäis-Inseln stranden. Die griechische Küstenwache griff am Dienstag wieder Hunderte Menschen auf. Um die Lage auf den Inseln Kos und Leros zu entspannen, soll eine Fähre nun Hunderte Flüchtlinge aufs griechische Festland bringen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erklärte am Dienstag in Genf, seit Jahresbeginn seien rund 160.000 Migranten nach Griechenland gekommen – bei einer Gesamteinwohnerzahl von etwa 11 Millionen Menschen.

Deutschland / Welt Zuwendungen für Asylsuchende - Der ewige Streit ums Taschengeld
Dirk Schmaler 18.08.2015