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Deutschland / Welt Der gefallene Hoffnungsträger
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16:18 23.11.2017
Martin Schulz ist als Chef der SPD zurückgetreten. Quelle: dpa
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Berlin

Nur Monate ist es her, da Schulz als Hoffnungsträger in der SPD galt. Als Gabriel Anfang des Jahres nach monatelangem Hin und Her auf die Kanzlerkandidatur verzichtet und die Partei überrumpelt, übernimmt der Europapolitiker. Die Partei reagiert begeistert. Der gelernte Buchhändler und frühere Bürgermeister von Würselen geht offen damit um, dass er kein Abitur hat und in seiner Jugend Alkoholiker war. Die Umfragen sehen die SPD erstmals seit langer Zeit wieder fast auf Augenhöhe mit der Union.

Der glühende Europäer gegen die pragmatische „Madame No“ Angela Merkel. Über 20.000 Bürger, viele Jüngere, rennen der SPD die Bude ein, holen sich ein Parteibuch, wollen mit Schulz für ein sozial gerechteres Land, für ein geeintes Europa streiten. Beim Parteitag im März bekommt er 100 Prozent. Historisch. Besser als Kurt Schumacher. Mehr als Brandt.

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Doch der Schulz-Effekt ist verflogen – nicht erst jetzt. Schon im Frühjahr beginnt der viel beschworene „Schulzzug“ an Geschwindigkeit zu verlieren. Die Partei verliert alle drei Landtagswahlen und muss in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein die Macht abgeben, verliert im Saarland Wähler während die CDU massiv hinzugewinnt. Die Umfragen – auch im Bund – gehen in den Sinkflug. Bei der Bundestagswahl muss der einstige Hoffnungsträger schließlich eine bittere Niederlage mit seiner Partei einstecken – eine Große Koalition schließt der Parteichef fast reflexartig aus.

Der Wahlsieg in Niedersachsen durch SPD-Ministerpräsident Stephan Weil verschaffte Schulz nur eine kurze Atempause. Der erneute Ausschluss einer Koalition mit der CDU nach dem Ende der Jamaika Sondierungen hat Schulz in eine Zwickmühle gebracht. Erneut spricht sich Schulz fast postwendend gegen eine Große Koalition aus. Doch was am Wahlabend als der einzig richtige Weg zur Erneuerung der Partei erscheint, wird dem SPD-Chef zum Verhängnis.

Von RND/dpa