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Deutschland / Welt Dänischer Hipster, grüne Jägerin, kein Rechter – so haben Deutschlands Städte und Kreise gewählt
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12:08 17.06.2019
Der parteilose Däne Claus Ruhe Madsen, der von CDU und FDP unterstützt wurde, hat die Oberbürgermeister-Stichwahl in Rostock für sich entscheiden. Madsen ist nach Angaben des Deutschen Städtetages der erste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt mit mehr als 200 000 Einwohnern, der keinen deutschen Pass hat.
Der parteilose Däne Claus Ruhe Madsen, der von CDU und FDP unterstützt wurde, hat die Oberbürgermeister-Stichwahl in Rostock für sich entscheiden. Madsen ist nach Angaben des Deutschen Städtetages der erste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt mit mehr als 200 000 Einwohnern, der keinen deutschen Pass hat. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/
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Osnabrück/Görlitz/Rostock

Am Ende blickte die Republik auf Görlitz. Weil in der sächsischen Stadt nahe der polnischen Grenze ein AfD-Mann drauf und dran war, das Rathaus zu erobern, war der 56.000-Einwohnerort am Sonntagabend sogar beim Koalitionsausschuss im fernen Berlin Thema.

Ergebnis: Die Spitzen von CDU, CSU und SPD freuten sich gemeinsam darüber, dass der Rathaussturm der Rechtspopulisten verhindert werden konnte – auch wenn dafür eine Kraftanstrengung aller anderen Parteien nötig war.

Der spannende Zweikampf zwischen dem Görlitzer AfD-Kandidaten Sebastian Wippel und dem CDU-Mann Octavian Ursu, der die Wahl am Ende gewann, zog so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass fast schon untergegangenen ist, dass am Sonntag auch zahlreiche andere Städte, Gemeinden und Kreise in Deutschland über ihre politischen Spitzenpersonal abgestimmt haben.

Dabei gab es die eine oder ander Überraschung.

Grünen-Frau besiegt CDU-Mann im konservativen Osnabrücker Land

Anna Kebschull jubelt zusammen mit Parteifreunden über ihren Sieg bei der Landratswahl in Osnabrück. Quelle: Michael Gründel/Neue Osnabrücker Zeitung/dpa

Es ist eine kleine Sensation, die sich am Sonntagabend im strukturkonservativen südlichen Niedersachsen ereignet hat. Die Grünen-Politikerin Anna Kebschull ist überraschend zur neuen Osnabrücker Landrätin gewählt worden. Die 46-Jährige setzte sich gegen Amtsinhaber Michael Lübbersmann von der CDU durch. Für Kebschull stimmten 52,2 Prozent der Wähler, Lübbersmann erhielt nach Angaben der Kreisverwaltung 47,8 Prozent der Stimmen. Der Sieg der Grünenfrau ist fast schon historisch, seit Kriegsende kam der Osnabrücker Landrat bisher immer aus Reihen der CDU.

Im ersten Wahlgang vor drei Wochen hatte CDU-Vertreter Lübbersmann mit 43,4 Prozent noch deutlich vor Kebschull gelegen, die sich mit 30,2 Prozent für die Stichwahl qualifiziert hatte. Am Sonntag dann hatte Kebschull, die Nachhilfeschulen betreibt und das Jagen zu ihren Leidenschaften zählt, die Nase vorn.

Frau gewinnt: Juristin löst in Heringsdorf CDU-Amtsinhaber ab

Auch auf der Insel Usedom hat eine Frau einen Mann von der CDU verdrängt. Im größten Ostseebad der Insel, der Gemeinde Heringsdorf, gewann die 31 Jahre alte Laura Isabelle Marisken (parteilos) die Stichwahl gegen Amtsinhaber Lars Petersen (CDU).

Auf die Greifswalder Juristin, die auch schon den ersten Wahlgang vor drei Wochen knapp gewonnen hatte und unter anderem von der SPD unterstützt wurde, entfielen 2301 Stimmen, der 54-jährige Petersen bekam 1832 Stimmen. Marisken soll ihr Amt für die nächsten sieben Jahre am 1. August antreten. Die Wahlbeteiligung lag bei 55 Prozent. Petersen kam von der Bundespolizei und war eine Wahlperiode im Amt.

Däne Madsen neuer Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock

Der parteilose Däne Claus Ruhe Madsen, der von CDU und FDP unterstützt wurde, ist erster Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt ohne deutschen Pass. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/

In Rostock hat es ein Seiteneinsteiger geschafft. Der parteilose Däne Claus Ruhe Madsen wird die Hansestadt in den kommenden sieben Jahren als Oberbürgermeister führen. Zum ersten Mal steht damit ein Ausländer an der Spitze einer deutschen Großstadt.

Der 46-Jährige Mann mit dem Hipster-Bart setzte sich laut vorläufigem Endergebnis mit 57,1 Prozent der Stimmen gegen Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) durch. Er konnte seinen Vorsprung aus dem ersten Wahlgang vor drei Wochen halten. Der von CDU und FDP unterstützte Madsen hatte damals gegen acht Mitbewerber einen Stimmenanteil von 34,6 Prozent erreicht, Bockhahn kam auf 18,9 Prozent.

In einer ersten Reaktion sagte Madsen, dass es nun gelte, die Rostocker miteinander zu vereinen. „Wir müssen Rostock gemeinsam bewegen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Madsen führte sechs Jahre lang als Präsident die Industrie- und Handelskammer zu Rostock und war bislang Chef einer regionalen Möbelhauskette mit fünf Standorten und rund 100 Mitarbeitern.

Er tritt die Nachfolge von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) an. Dieser führte 14 Jahre lang die Hansestadt mit rund 210 000 Einwohnern und konnte aus Altersgründen nicht wieder antreten.

SPD-Kandidat wird Wiesbadener Oberbürgermeister

Oberbürgermeister-Kandidat Gert-Uwe Mende (links) und Dennis Volk-Borowski, SPD-Parteivorsitzender in Wiesbaden, freuen sich über den Wahlsieg in der hessischen Landeshauptstadt. Quelle: Andreas Arnold/dpa

In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden hat die SPD das Rathaus verteidigt. Sozialdemokrat Gert-Uwe Mende (SPD) hat mit 61,8 Prozent der Stimmen die Oberbürgermeisterwahl gewonnen. Sein Konkurrent Eberhard Seidensticker (CDU) erreichte nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 38,2 Prozent.

Mende hatte beim ersten Wahlgang am 26. Mai mit 27,1 Prozent zwar das beste Ergebnis geholt, verfehlte aber deutlich die erforderliche absolute Mehrheit. Seidensticker kam damals auf 24,5 Prozent der Stimmen. In Wiesbaden sind rund 200.000 Männer und Frauen wahlberechtigt, der Oberbürgermeister wird für sechs Jahre gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Sven Gerich (SPD) war nicht mehr angetreten. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vorteilsnahme.

Keine besonders gute Ausgangslage für die SPD und Mende, umso mehr freute der sich über den Wahlsieg. „Es ist ein wunderbares Wahlergebnis“, sagte Mende am Wahlabend vor seinen Anhängern. Das Ergebnis sei ein Vertrauensvorschuss. Die Arbeit fange jetzt erst an.

Mende ist ein Politikprofi, seit 2006 ist er Geschäftsführer der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Sozialer Wohnungsbau, Klimaschutz und Mobilität sind für ihn wichtige Themen.

Der Chef der hessischen SPD und kommissarische Bundesvorsitzende seiner Partei, Thorsten Schäfer-Gümbel, begrüßte die Wahl Mendes zum Oberbürgermeister. „Wiesbaden hat gezeigt, dass die SPD die Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen kann, wenn Kandidat, Programm und Kampagne zusammenpassen“, teilte Schäfer-Gümbel mit. Mende werde ein kluger, zuverlässiger, den Menschen zugewandter Oberbürgermeister sein, der seiner Stadt viele neue Impulse geben werde. Auch aus Berlin wurde gratuliert: „Ein großer Glückwunsch nach Wiesbaden!“, twitterte der SPD-Generalsekretär im Bund, Lars Klingbeil.

Von RND/ani/dpa