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Deutschland / Welt Castor erreicht Deutschland - Massenproteste im Wendland
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Castor erreicht Deutschland - Massenproteste im Wendland
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16:40 09.11.2010
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Begleitet von Massenprotesten hat der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll Deutschland erreicht. Der Zug mit den elf Spezialbehältern passierte am Samstag um 13.54 Uhr im baden-württembergischen Kehl die Grenze. Massive Polizeikräfte bewachen den Transport, weil Atomkraftgegner die Gleise besetzen wollen.

In der Nähe von Gorleben begann zeitgleich die wohl größte Anti-Atom-Demonstration in der Geschichte des Wendlandes. Die Polizei zählte zunächst mehr als 10.000 Teilnehmer, die Organisatoren rechnen im Laufe des Tages aber mit insgesamt 40.000 Menschen aus der ganzen Bundesrepublik.

Der Castor-Transport und die ungelöste Frage der Atomendlagerung löste einen heftigen Streit zwischen Regierung und Opposition aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte Auswüchse bei den Atomprotesten. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte die Kanzlerin auf, nach Gorleben zu kommen und sich den Demonstranten zu stellen.

An der Haupt-Kundgebung im Wendland in Dannenberg nahmen die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir teil. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi fuhr selber mit dem Trecker vor. Ein riesiges Polizeiaufgebot sicherte die Demonstration, mehr als 16.000 Polizisten sind während des Castor-Transports insgesamt im Einsatz.

Bundeskanzlerin Merkel kritisierte die Aktion der Gruppe „Castor Schottern“. Die Demonstranten hatten angekündigt, massenhaft Steine aus dem Gleisbett zu entfernen, um den Castor-Zug aufzuhalten. „Was so harmlos daherkommt, Entschottern, das ist keine friedliche Demonstration, sondern ein Straftatbestand“, sagte die CDU-Vorsitzende am Samstag in Bonn bei bei einem Parteitag der nordrhein-westfälischen CDU. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen des Aufrufs zu Straftaten.

Union und FDP kritisierten vor allem auch die Proteste der Grünen. Die früheren Regierungsparteien hätten jahrelang nicht an der Erkundung eines Endlagers für Abfälle aus Kernkraftwerken gearbeitet, sagte Merkel.

FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, die Grünen dürften eigentlich nicht mitdemonstrieren. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin habe in seiner Zeit als Bundesumweltminister immer wieder betont, dass die Castor-Transporte wegen rechtlicher Verpflichtungen nicht zu vermeiden seien. An dieser Situation habe sich nichts geändert.

Die Opposition dringt auf eine deutschlandweite Suche nach einem Atomendlager und fordert einen Stopp der verlängerten Atomlaufzeiten. Die Grünen-Führung machte zudem die Bundesregierung für eine mögliche gewalttätige Eskalation bei den Protesten verantwortlich. „Die Regierung redet nicht mit der Bevölkerung, sondern will Konflikte mit Wasserwerfern lösen“, sagte Parteichef Özdemir der „Bild am Sonntag“.

Der Castor-Zug mit elf Atommüll-Behältern war am Freitagnachmittag im nordfranzösischen Valognes losgefahren. Atomkraftgegner hielten den Zug für einige Stunden auf, weil sie sich an die Gleise gekettet hatten. An der offiziell geheim gehaltenen Transportroute gab es immer wieder Protestaktionen, es blieb aber weitgehend friedlich. Die Castor-Behälter könnte am Sonntag in Dannenberg eintreffen. Dort werden sie für die letzte, 20 Kilometer lange Etappe bis ins Zwischenlager Gorleben vorbereitet.

dpa

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