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Deutschland / Welt Länder fordern neuen Freiwilligendienst
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21:13 11.04.2014
Von Gabi Stief
Auch Ältere engagieren sich als Bufdi.
Auch Ältere engagieren sich als Bufdi. Quelle: Marijan Murat
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Berlin

Wer meint, soziales Engagement sei unbeliebt, irrt gewaltig. Der Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) ist drei Jahre nach seiner Gründung ein Renner und ständig ausgebucht. Umso unverständlicher ist es, dass die Bundesregierung über Einsparungen im nächsten Jahr nachdenkt. Die Folgen wären verheerend, kritisierte jetzt DRK-Vorsitzender Rudolf Seiters. Auch die Länder halten nichts von Kürzungen bei den stark nachgefragten 45 000 Helferjobs in Vereinen und sozialen Einrichtungen. Am Freitag forderte der Bundesrat die Bundesregierung auf, eine zweite, preiswertere Bufdi-Variante neben dem bestehenden Dienst anzubieten, die dem Wunsch vieler Älterer nach einem stundenweisen Engagement entgegenkommt.

Der neue Dienst, den die Länder auf Initiative von Hessen und Rheinland-Pfalz vorschlagen, ist eigentlich ein altes Modell. Der „Freiwilligendienst aller Generationen“ (FdaG) wurde mehrere Jahre vom Bundesfamilienministerium erprobt und finanziert, bevor er Mitte 2011 durch den Bundesfreiwilligendienst - im Zuge der Abschaffung des Zivildiensts - abgelöst wurde. Das Besondere des alten Programms: Die auf sechs bis 24 Monate befristeten Stellen sind nicht sozialversicherungspflichtig; ein Taschengeld, das die Beschäftigungsträger den Bufdis zahlen müssen, entfällt. Die Wochenarbeitszeit beträgt mindestens acht Stunden, während der normale Bufdi in der Regel Vollzeit arbeitet.

Das Profil des FdaG sei vor allem für ältere bürgerschaftlich Engagierte attraktiv, heißt es in der Begründung der Gesetzesinitiative, die die Länderkammer bereits zum zweiten Mal startet. 2012 wurde ein gleichlautender Gesetzentwurf der Bundesregierung und dem Bundestag zugestellt, der allerdings nicht mehr vor der Wahl im September zur Abstimmung kam.

Das Interesse Älterer am freiwilligen Engagement ist offensichtlich; zumindest in Ostdeutschland, wo junge Bewerber mittlerweile immer häufiger das Nachsehen haben. Von insgesamt 5781 Bufdis war beispielsweise in Sachsen im vergangenen Monat fast jeder zweite (2664) älter als 50 Jahre und gerade einmal 930 jünger als 27 Jahre. In Niedersachsen waren dagegen von 3734 Plätzen 3091 mit jungen Leuten besetzt und nur 304 mit der Generation 50 plus.

Um Jugendlichen nach dem Schulabschluss Mitte des Jahres überhaupt noch Stellen anbieten zu können, sind die zuständigen Behörden teilweise dazu übergegangen, das Geld für „lebensjüngere Freiwillige“ zurückzuhalten. Weit mehr als die Hälfte der möglichen Vereinbarungen für 2014 sind ohnehin bereits abgeschlossen. Eine Lösung des Problems wäre die Aufstockung der Mittel, was die Wohlfahrtsverbände seit Langem fordern. Bislang vergeblich.

167 Millionen Euro sind im Bundeshaushalt, der gerade im Parlament beraten wird, für dieses Jahr für den Bundesfreiwilligendienst reserviert. Zumindest an einem Punkt musste das Ministerium jetzt nachbessern: Da Kontingente für die einzelnen Träger falsch berechnet wurden, sollen nun zusätzlich 20 Millionen Euro lockergemacht werden, damit die Verträge eingehalten werden können.

Klaus von der Brelie 11.04.2014
11.04.2014