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Deutschland / Welt Briten ziehen ihre Truppen aus Deutschland ab
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15:52 20.10.2010
Großbritannien zieht seine Truppen aus Deutschland ab.
Die Briten ziehen ihre Truppen aus Deutschland ab. Quelle: dpa
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Die Briten ziehen ihre Truppen schneller aus Deutschland ab - deshalb macht sich in Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen Besorgnis breit. Die Bundesregierung dankte den Briten für ihre jahrelange Präsenz in Deutschland. Sie sieht in dem Abzug keine Konsequenzen für die Bundeswehrreform, bei der die Zahl deutscher Soldaten drastisch sinken soll. Großbritannien will die zwölf Standorte auch aus Sparzwängen früher räumen - bis spätestens 2020 statt bis 2035.

Die Regierung in Berlin wollte die Entscheidung des Abzugs nicht bewerten. „Die Bundesregierung nimmt das zur Kenntnis“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. „Ich kann nahezu ausschließen, dass es Konsequenzen für die Bundeswehrreform hat.“ Über den praktischen Ablauf des Truppenabzugs werde sich die Bundesregierung mit den Briten austauschen. „Die große Leistung, die die britische Armee in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik erbracht hat, die kann man gar nicht hoch genug würdigen.“ Die britische Armee habe den Frieden in Deutschland gesichert.

Die 20.000 Soldaten der britischen Rheinarmee sind derzeit noch auf zwölf Standorte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verteilt. In Niedersachsen sind nach Angaben eines Sprechers der britischen Armee rund 5300 Soldaten stationiert, mit Angehörigen fast 12.000 Briten. In Nordrhein-Westfalen leben nach Angaben der Rheinarmee insgesamt mehr als 30.000 Soldaten und deren Angehörige.

Die niedersächsische Landesregierung rechnet bald mit Klarheit über die Auswirkungen der Pläne. „Zu den einzelnen Standorten können wir noch nichts Konkretes sagen. Aber wir bedauern das selbstverständlich“, sagte Sprecherin Nina Hacker in Hannover. „Wir warten jetzt erstmal ab, was die britische Regierung präsentiert.“

Niedersächsische Gemeinden reagierten besorgt. „Für uns ist der Abzug eine Katastrophe, ein Aderlass, den wir gar nicht ausgleichen können“, sagte der Sprecher der Stadt Hameln, Thomas Wahmes. Der Oberbürgermeister von Celle, Dirk-Ulrich Mende (SPD), sagte, Bund und Länder dürften die Standorte jetzt nicht alleinlassen.

Die Linksfraktion im Bundestag begrüßte die Ankündigung des Truppenabzugs. „US-Präsident (Barack) Obama sollte sich ein Beispiel an seinem konservativen britischen Amtskollegen nehmen und die US- Truppen aus Deutschland zurückziehen“, sagte die Abgeordnete Sevim Dagdelen.

Konkrete Gespräche über Hilfen zwischen Bund und Ländern wegen des Truppenabzugs der Briten gibt es nach Angaben aus Berlin bisher nicht. Es gebe aber immer wieder Gespräche wegen der Befürchtungen in den Ländern um Standorte im Rahmen der Bundeswehrreform, sagte ein Ministeriumssprecher.

In Nordrhein-Westfalen befinden sich britische Kasernen zum Beispiel in Bielefeld, Herford, Münster, Paderborn, Gütersloh und Rheindahlen bei Mönchengladbach. Die Stadt Gütersloh zeigte sich besorgt. „Die Briten sind ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor“, sagte Bürgermeisterin Maria Unger. „Der Abzug bedeutet für die Stadt und den Kreis eine spürbare Veränderung der Bevölkerungsstruktur.“

dpa