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Deutschland / Welt Betancourt erinnert ein Jahr nach Befreiung an vergessene Geiseln
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Betancourt erinnert ein Jahr nach Befreiung an vergessene Geiseln
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12:12 02.07.2009
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Ingrid Betancourt wurde mehr als sechs Jahre als Geisel gefangengehalten. Quelle: afp
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In einer am Donnerstag in Paris eingegangenen Botschaft forderte sie, größtmögliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Freilassung von 22 mit ihr festgehaltenen Geiseln zu erreichen, die von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) als politische Gefangene angesehen werden.

Mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung könne „der Berg der Gleichgültigkeit und des Vergessens versetzt“ werden, schrieb Betancourt, die mehr als sechs Jahre lang im kolumbianischen Dschungel gefangen gehalten und am 2. Juli 2008 von der Armee befreit wurde. Betancourt verwies besonders auf Pablo Emilio Moncayo, der als Soldat im Alter von 19 Jahren verschleppt wurde und sich seit fast elf Jahren in der Gewalt der FARC-Guerilla befindet.

Diese wirft dem kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe vor, Moncayos Freilassung zu hintertreiben, indem er Vermittler abwies, die bereits früher in ähnlichen Fällen tätig waren. Die Guerilla fordert von der Regierung in Bogotá die Freilassung von 500 ihrer Kämpfer im Austausch gegen die 22 Geiseln.

Die tief gläubige Katholikin Betancourt dankte zugleich Gott für ihre Befreiung und lobte die daran beteiligten Soldaten, „die eigentlichen Helden dieses Tages“. Außerdem dankte sie den „höchsten Stellen des kolumbianischen und des französischen Staates, ohne die nichts möglich gewesen wäre“.

Laut einem vor einiger Zeit veröffentlichten amtlichen Bericht gibt es noch 125 Geiseln in der Hand der FARC-Guerilla und etwa 1500 „Verschwundene“ in Kolumbien. Menschenrechtsorganisationen protestieren heftig gegen diese Zahlen. Eines der früheren Unterstützungskomitees der kolumbianisch-französischen Politikerin Betancourt erklärte in Paris, dass sich „tausende Menschen“ in der Gewalt „krimineller Gruppen, Paramilitärs und Guerilleros“ befänden.

Die Internationale Vereinigung der Freiheits-Komitees (FICIB) prangerte zugleich die sich verschlimmernde Menschenrechtslage in Kolumbien an. So gebe es außergerichtliche Hinrichtungen durch die Armee. Diese erschieße „Zivilisten, häufig Jugendliche, geistig Behinderte oder Bewohner von Elendsvierteln“ und präsentiere später die Leichen, denen Guerilla-Uniformen angezogen würden, als „Kriegstrophäen“.

afp