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Deutschland / Welt „Sie kuscheln mit den Nazis, Herr Gauland“
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09:08 16.11.2018
Katrin Göring-Eckardt wirft Alexander Gauland vor, er kuschele mit den Nazis. (Archivbild) Quelle: picture alliance
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Berlin

Parteien im Umbruch: Während AfD und Grüne aktuell massiv an Zuspruch gewinnen, verlieren die einst großen Volksparteien SPD und CDU immer weiter Stimmen. Vor gut zwei Wochen zog Bundeskanzlerin Angela Merkel die Konsequenzen und gab bekannt, nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen und so den erhofften Neustart für die CDU möglich zu machen.

Die Themen: Am Donnerstagabend diskutierte Maybrit Illner mit ihren Gästen, wie dieser Neustart gelingen kann, woran der Höhenflug der Grünen liegt und wie man denn die AfD stoppen kann.

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Die Gäste: Los ging es mit einem Sechsaugengespräch zwischen der Moderatorin, dem Kommunikationsberater Dirk Metz und Politikberater Frank Stauss – eingeleitet mit einem Einspieler, der die aktuelle Situation als Kernschmelze der Volksparteien illustriert. Metz stellt zurzeit ein Aufatmen in den vermeintlich großen Parteien fest.

Die neuen Kandidaten brächten Rückenwind. Er bemängelt, es hätten keine strittigen Diskussionen mehr stattgefunden. Auch Stauss findet Anlass zur Kritik. Bei Diskussionen um Seehofer, Maaßen und den Diesel hätten die Parteien nicht gemerkt, dass sie sich nur noch um sich selbst drehen. „Diese symbolhaften Themen hauen voll ins Kontor und alle die nicht daran beteiligt sind, sind letztendlich die lachenden Dritten“, ergänzte Metz.

CDU: Was haben wir falsch gemacht?

Damit meint er wohl AfD und Grüne. Wären heute Bundestagswahlen, lägen die Grünen bei 22 Prozent, die AfD zögen mit der SPD gleich. Paul Ziemiak, Bundesvorsitzender der Jungen Union, erklärte, wie die CDU aus diesem Tief herauskommen kann. „Wir sollten auch nicht diejenigen, die die AfD wählen, beschimpfen, sondern uns überlegen, was haben wir falsch gemacht.“

Die Leute scheinen seiner Meinung nach so verzweifelt, dass sie sogar die wählen müssen, um der CDU zu zeigen, dass sie damit gerade nicht einverstanden sind. „Wir brauchen eine klare Sprache.“

Die Höhepunkte: Mit einer nächsten Frage von Maybrit Illner an Alexander Gauland, Partei- und Fraktionsvorsitzender der AfD, wird die Diskussion dann langsam in Richtung eines ersten Highlights gelenkt. „Wenn die Konservativen eine Heimat in der Union finden, was ist dann noch Ihr Alleinstellungsmerkmal?“, fragte Illner. Bevor Gauland aber ausführlich antworten kann, greift Ziemiak ein: „Die AfD ist keine konservative Partei, sondern ein Sammelbecken von Rechtsradikalen und Protestwählern.“ Konservativ sei ein Kompliment, das der Mann von der Jungen Union der AfD nie machen würde.

Den Höhepunkt erreicht diese Diskussion dann in einem Schlagabtausch zwischen Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzenden der Grünen, und Alexander Gauland. Beide Parteien befinden sich aktuell in einem absoluten Höhenrausch – und das mit jeweils einem beispielhaftem Kontrastprogramm.

Zunächst geht es zwischen den beiden um den Klimawandel. Göring-Eckardt wirft Gauland vor, er würde diesen leugnen. „Das ist Quatsch. Wir sind nur sehr skeptisch, dass die Menschen einen entscheidenden Einfluss darauf haben“, sagt Gauland darauf und findet, es sei eine Klimahysterie ausgebrochen. Göring-Eckardt wirft ihm im weiteren Verlauf vor, Fake-News „durch die Gegend zu blasen“. „Sie tun nämlich gar nichts für die Leute, von denen Sie da reden, Sie kuscheln mit den Nazis.“

Der Gewinner: Paul Ziemiak sieht sich indes als heimlichen Gewinner dieser Talkrunde. „Mir persönlich tut es gut, AfD- und Grüne-Positionen zu hören, weil das gibt mir auch das Gefühl, warum es so notwendig ist, dass wir Volksparteien haben in Deutschland.“ Die Grünen verbreiteten Panik und die AfD leugne alles. „Ich plädiere für eine sachliche Debatte.“

Die anderen: Auch Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin von der SPD, war Teil der Gesprächsrunde. Doch aufgrund der Dominanz der anderen kam sie weniger häufig zu Wort beziehungsweise hatte weniger klare Aussagen. Georg Mascolo, Journalist und Matthias Jung, Wahlforscher, waren als Experten dabei.

Von RND/Dana Frohbös