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Deutschland / Welt Anspannung nach der Terrorwarnung in Deutschland
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Anspannung nach der Terrorwarnung in Deutschland
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23:53 18.11.2010
Auch der Reichstag in Berlin wird schwerer bewacht als sonst üblich.
Auch der Reichstag in Berlin wird schwerer bewacht als sonst üblich. Quelle: afp
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In ganz Deutschland stehen Flughäfen, Bahnhöfe sowie unzählige weitere sicherheitsrelevante Einrichtungen unter extremer Bewachung. In Berlin wurde in der Nacht zum Freitag den Journalisten während einer Besprechung der Spitzen der Koalition der sonst übliche Zugang zur Wache des Bundeskanzleramts verweigert, auch durften in der Nähe der Regierungszentrale keine privaten Fahrzeuge geparkt werden. Neben staatlichen Einrichtungen wurde auch der Eingangsbereich großer Hotels kontrolliert.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der am Vortag vor einem Terroranschlag noch in diesem Monat gewarnt hatte, beriet am Donnerstag mit seinen 16 Amtskollegen bei einer Innenministerkonferenz in Hamburg über die Lage. In Hamburg waren Panzerfahrzeuge am Flughafen zu sehen, nahe dem Konferenzort an der Alster wurden mehrere Straßenzüge gesperrt.

In einem ungewöhnlichen gemeinsamen Appell wandten sich die Innenminister an die Bevölkerung. „Die Innenminister der Länder und des Bundes bitten alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, ihr Leben unverändert und ohne Angst weiterzuführen“, heißt es in der Erklärung. „Der internationale Terrorismus möchte in unserem Land Angst und Schrecken verbreiten - das lassen wir nicht zu.“

De Maizière warnte davor, die Terrorgefahr für politische Zwecke zu instrumentalisieren: „Das ist jetzt nicht die Stunde, rechtspolitische Auseinandersetzungen zu verschärfen oder abzumildern.“

Verwirrung stifteten am Nachmittag Nachrichten aus Windhuk in Namibia. Danach wurde kurz vor einem Air-Berlin-Flug nach München im Gepäck ein verdächtiger Koffer entdeckt: Beim Durchleuchten wurden Batterien sichtbar, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden gewesen sein sollen. Die 296 Passagiere des Airbus kamen viele Stunden verspätet wohlbehalten in Deutschland an. Das Bundeskriminalamt übernahm die Untersuchung des Falls, Details wurden bis Donnerstagabend nicht bekannt.

De Maizière verwahrte sich in der ZDF-Sendung „Was nun?“ gegen den Vorwurf, nur seine Linie geändert zu haben: „Die Linie hat sich nicht geändert, die Lage hat sich geändert.“

Im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum aller Sicherheitsbehörden in Berlin lief unterdessen die Fahndung nach den potenziellen Attentätern auf Hochtouren. Zu Details und besonders bedrohten Regionen geben die staatlichen Stellen keine Auskunft.

Der rheinland-pfälzische Innenministers Karl Peter Bruch (SPD) sagte lediglich, es gebe „konkrete Hinweise“ auf Berlin, München und Hamburg. Aber auch der Großraum des Ruhrgebiets sei mögliches Anschlagsziel. Experten fürchten zudem, dass Weihnachtsmärkte Ziel eines Anschlags sein könnten.

Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) rief zu Wachsamkeit auf und empfahl den Berlinern, verdächtige Vorgänge in der Nachbarschaft den Behörden zu melden, etwa wenn „seltsam aussehende Menschen“ eingezogen seien, die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen.

In Berliner Sicherheitskreisen wurde am Donnerstag intern über organisatorische Mängel diskutiert. So sind die Behörden nach vertraulichen Einschätzungen etwa des Technischen Hilfswerks THW trotz mancher Nachrüstungen nach wie vor ungenügend auf einen Großschadensfall mit 1000 oder mehr Toten oder Verletzten eingerichtet. Schon Zahl und Zustand der einsetzbaren Fahrzeuge reichten nicht aus, hieß es.

Stefan Koch

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