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Deutschland / Welt Angst vor dem Gemetzel unter Palmen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Angst vor dem Gemetzel unter Palmen
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22:03 23.04.2009
Quelle: AFP
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Daran lassen die Satellitenbilder des US-Außenministeriums kaum noch Zweifel. Die Angst wächst, dass der 54-jährige entschlossen ist, lieber sein Volk auf die Schlachtbank zu führen als zu kapitulieren.

Der UN-Weltsicherheitsrat hat Prabhakaran aufgefordert, sich zu ergeben und die Geiseln freizulassen. Die LTTE reagierte zunächst nicht darauf. Dabei kämpfen die Rebellen längst auf verlorenem Posten. Nur noch zwölf Quadratkilometer groß ist der schmale Küstenstreifen im Nordosten der Insel, auf dem das Militär die LTTE und ihre Geiseln eingekesselt hat. Das Perfide ist, dass nicht einmal sicher ist, ob Prabhakaran noch dort ist – oder ob er aus der Ferne das blutige Drama steuert. Angeblich lässt er auf die eigenen Leute schießen, um sie an der Flucht zu hindern.

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Sri Lankas Regierung sieht sich vor einem tödlichen Dilemma: Schlägt das Militär zu, würden Tausende Unschuldiger sterben. Ein solches Gemetzel unter Palmen könnte einen neuen Aufstand der tamilischen Minderheit entfachen. Wartet das Militär aber ab, droht ein tagelanger Nervenkrieg. Vor den Augen der Welt dürften die völlig entkräfteten Menschen in der brennenden Sonne verdursten und verhungern – als erste die Kinder, die Alten und die Kranken. Die Kämpfer dürften Wasser und Nahrung unter sich aufteilen.

Die UN appellierten an beide Seite, die Kämpfe einzustellen und die Zivilisten aus der Kampfzone zu evakuieren. Unterdessen wächst auch die Angst um die 100 000 Tamilen, die von fliehen konnten, nachdem das Militär ihnen am Montag einen Fluchtweg freigesprengt hatte. Die UN forderten die Regierung in Colombo auch auf, umgehend humanitäre Hilfe zu den Menschen in der Kampfzone zu lassen.

Der Sicherheitsrat äußerte sich in einer Entschließung „tief besorgt“ über die Lage. Nach UN-Schätzungen wurden bei der Offensive der Regierungstruppen in den vergangenen drei Monaten mehr als 4500 Zivilisten getötet. Die Lage der Zivilisten in dem Küstenstreifen sei kritisch. Die Menschen brauchen dringend Wasser, Nahrung und medizinische Hilfe.

Unter ihrem psychopathischen Chef Prabhakaran kämpft die LTTE seit 26 Jahren um einen eigenen Staat für die tamilische Minderheit. Alle Versuche, den Konflikt friedlich zu lösen, scheiterten. Die Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse, einem singhalesichen Nationalisten, begann 2007 einen massiven Feldzug: Im Sommer eroberte sie zunächst den Osten zurück, nun steht die LTTE auch im Norden vor dem Aus. Allerdings spielte auch die Regierung bisher keine rühmliche Rolle. Sie hat Tamilen verfolgt und hat bei den Kämpfen den Tod von Zivilisten in Kauf genommen, wenn nicht gar provoziert.

LTTE-Gründer Prabhakaran gilt als einer der brutalsten Guerilla-Chefs dieser Welt – und als Erfinder der Selbstmordattentate. Mehr als 240 Selbstmordanschläge sollen auf das Konto der LTTE gehen. Unter anderem soll sie den früheren indischen Regierungschef Rajiv Gandhi getötet haben. In den LTTE-Gebieten regierte Prabhakaran als absoluter Herrscher, errichtete einen Personenkult um sich, ließ Gegner ausschalten und Kindersoldaten rekrutieren.

von Christine Möllhoff