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Deutschland / Welt Amazonas-Brände: Brasilien lehnt Soforthilfe der G7 ab - Unverständnis bei Macron
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14:25 27.08.2019
Ein verkohlter Baumstumpf steht in der Nähe der Stadt Porto Velho in Brasilien. Quelle: Eraldo Peres/AP/dpa
São Paulo

Brasilien hat die von den G7-Staaten angebotene Hilfe im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände zurückgewiesen. Das Geld sei für die Aufforstung europäischer Wälder nützlicher, sagte der brasilianische Kabinettschef Onyx Lorenzoni laut der Tageszeitung „Folha de São Paulo“ am Montagabend (Ortszeit). Das Präsidentenbüro habe dies auch der Nachrichtenagentur AFP bestätigt, wie etwa "Zeit Online" berichtet.

Hilfe aus Israel hat Brasilien dagegen akzeptiert. Das Land will ein Löschflugzeug und weitere Geräte zur Brandbekämpfung schicken. Der brasilianische Verteidigungsminister Fernando Azevedo da Silva sagte, Brasilien sei kein Land „außer Kontrolle“. 44.000 Soldaten seien im Einsatz, um die Feuer in der Amazonas-Region zu bekämpfen.

Andere Worte kommen vom Umweltminister des Landes. Demnach will die brasilianische Regierung selbst über die Verwendung der Hilfsgelderentscheiden. "Das brasilianische Volk und die brasilianische Regierung entscheiden, wie die Mittel eingesetzt werden", sagte Umweltminister Ricardo Salles am Montag in São Paulo. Und: "Auf jeden Fall ist Hilfe immer willkommen."

Zuvor hatten die Industriestaaten beim G7-Gipfel in Biarritz eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar (rund 17,9 Millionen Euro) für den Kampf gegen die Feuer im Regenwald zugesagt. Die Mittel sind vor allem für die Bereitstellung von Löschflugzeugen bestimmt. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte die Brände kurzfristig auf die Agenda des Treffens gesetzt.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte sich darüber empört, dass die G7-Staaten sich in die inneren Angelegenheiten Brasiliens einmischten. "Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt und seine Absichten hinter einer "Allianz" der G7-Staaten zur "Rettung" des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären", schrieb der Staatschef am Montag auf Twitter.

Macron bezeichnete das Amazonasgebiet in Biarritz als "Gemeingut" und beschwor die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft für die Region. Weil der Amazonasregenwald große Mengen an CO2 binden kann, ist er für das globale Klima von entscheidender Bedeutung. Zwar liege das Gebiet überwiegend in Brasilien, doch sei es eine Angelegenheit der ganzen Welt, sagte Macron am Montag (Ortszeit) im französischen Fernsehen nach dem G7-Gipfel in Biarritz. Schließlich sei der Amazonas-Regenwald „die Lunge des Planeten“. "Der Respekt vor der Souveränität eines Landes ist das Mindeste, was man in einer zivilisierten Welt erwarten kann", schrieb daraufhin Bolsonaro.

An die Adresse von Bolsonaro sagte Macron: „Wir können Ihnen bei der Aufforstung helfen. Wir können Wege für eure wirtschaftliche Entwicklung finden, die natürliche Balance achtet. Aber wir können nicht zulassen, dass Sie alles zerstören.“

Gleichwohl betonte Macron, dass die Weltgemeinschaft die Souveränität Brasiliens respektiere. „Es ist euer Land“. Zugleich räumte Macron ein, dass Europa durch den Import von Soja aus Brasilien an dem landwirtschaftlichen Druck auf den Regenwald nicht ganz unschuldig sei. „Wir tragen eine Mitschuld“, sagte Macron.

In Brasilien wüten die heftigsten Waldbrände seit Jahren. Diese Bilder zeigen das Ausmaß der Katastrophe.

Macron bedauert Brasiliens Nein zur Nothilfe für den Regenwald

Dass Brasilien internationale Nothilfe nun ablehnt, sorgt bei Frankreichs Präsident Emmanuel Macron indes auch für Unverständnis. Das Geld, das insgesamt neun Ländern im Amazonas-Gebiet helfen soll, sei ein Zeichen der Freundschaft, nicht von „Aggressivität“, sagte Macron am Dienstag. Die Interpretation des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro sei „ein Fehler“. Bolsonaro hatte Frankreich und die anderen reichen Länder der G7 beschuldigt, die Region wie eine „Kolonie“ zu behandeln. „Wir würden internationale Solidarität glücklich annehmen, es ist ein Zeichen der Freundschaft“, sagte Macron.

Den Angaben nach sollen von dem Geld auch andere Länder wie etwa Kolumbien und Bolivien profitieren. Frankreich betrachtet sich wegen seines Überseegebiets Französisch-Guyana ebenfalls als Amazonasland.

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 78 Prozent auf mehr als 80.000 Brände. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Umweltschützer und indigene Gruppen werfen Brasiliens rechtem Präsidenten Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Rodungen ermutigt fühlen. So sollen Medienberichten zufolge Bauern im Bundesstaat Pará sich zu einem "Tag des Feuers" verabredet und große Waldflächen in Brand gesteckt haben.

Im Video: Hunderte Feuer im Amazonas ausgebrochen

Hunderte neue Feuer im Amazonas ausgebrochen

"Es besteht der Verdacht auf eine orchestrierte Aktion. Es gibt den Verdacht, dass das von langer Hand geplant wurde", sagte Generalstaatsanwältin Raquel Dodge. Sie leitete strafrechtliche Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Brandstifter ein.

Der örtliche Bauernverband stritt eine koordinierte Brandrodung in der Region unterdessen ab. "Wenn es so etwas gegeben hat, war es ein Einzelfall. Wir wissen nichts von einer orchestrierten Aktion", sagte der Präsident des Verbands in Novo Progresso, Agamenon da Silva Menezes, der Nachrichtenagentur Agência Brasil. "Niemand will Brände, die außer Kontrolle geraten könnten. Das schadet allen."

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RND/dpa/AP/epd

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