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Deutschland / Welt Schüler sollen Bürger werden – nicht Denunzianten
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19:00 19.11.2018
Worüber dürfen Lehrer mit ihren Schülern sprechen? Und: Wie? Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Berlin

Man könnte es sich auch sehr schön als Magazin-Titelseite vorstellen: Die Bilder von Dutzenden Lehrern, die bekennen: „Ich habe im Unterricht kritisch über die AfD gesprochen.

Der Widerstand gegen die Lehrer-Meldeportale der AfD wächst – ein überfälliger Schritt. Lehrer der Charlotte-Salomon-Grundschule in Berlin-Kreuzberg haben sich in einem Offenen Brief an die Berliner AfD-Fraktion selbst angezeigt. In dem Schreiben, das auf der Facebook-Seite der Bildungsgewerkschaft GEW Berlin Friedrichshain-Kreuzberg zu finden ist, erklären die Pädagogen, sie würden auch in Zukunft Sorge dafür tragen, dass Schüler befähigt würden, „sich über den Charakter Ihrer Partei ein Bild zu machen“. Sie fügen unmissverständlich hinzu: „Dies werden wir selbstverständlich auch im Unterricht tun.“

Die Lehrer der Charlotte-Salomon-Grundschule sind nicht die ersten, die so reagieren – und sie werden hoffentlich auch nicht die letzten sein. Auf ihrer Internet-Seite ruft die Berliner AfD-Fraktion unter der Überschrift „Neutrale Schule“ dazu auf, mittels Kontaktformular Verstöße gegen die Neutralität an Schulen zu melden. Ähnliche Meldeportale der AfD gibt es auch in anderen Bundesländern.

AfD will Unfrieden stiften

Der Widerstand der Lehrer ist berechtigt. Erstens sind die Meldeportale darauf angelegt, Unfrieden an den Schulen zu stiften. Wenn es Schwierigkeiten zwischen Schülern und Lehrern gibt, sollten diese das miteinander besprechen – wo erforderlich unter Hinzuziehung eines Vertrauenslehrers, der Eltern oder auch der Schulleitung. Den eigenen Lehrer unter Zusicherung der Vertraulichkeit auf einem Portal zu melden ist keine Form der Konfliktlösung, die Schüler für das Leben lernen sollten. Junge Menschen sollen an Schulen zu Bürgern werden, nicht zu Denunzianten.

Zweitens – und noch wichtiger – gehört es tatsächlich zur Aufgabe von Lehrern, Schüler dazu zu befähigen sich, sich auch kritisch mit politischen Angeboten auseinander zu setzen. Und ihnen für eine solche Betrachtungsweise die entsprechenden Werkzeuge an die Hand zu geben.

So sieht es auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Populismus funktioniere so, dass nur ein Teil der Wahrheit betrachtet werde, sagte sie kürzlich im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Ich finde es richtig, wenn ein Lehrer im Politik-Unterricht erklärt: Hier greift sich jemand beim Thema Migration nur einen ganz bestimmten Aspekt heraus, blendet aber andere Sachverhalte absichtlich aus“, fügt sie hinzu. Damit hat die Ministerin Recht. Und eines ist auch klar: Es wäre vollkommen unrealistisch – und pädagogisch auch nicht sinnvoll – von Lehrern zu erwarten, über solche Fragen nur jenseits aktuell relevanter Beispiele zu sprechen.

Keine Neutralität in Sachen „Vogelschiss“

Oder sollte ein Lehrer sich etwa neutral verhalten zu der Aussage von AfD-Fraktionschef Alexander Gauland, Hitler und die Nazis seien „nur ein Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte? Nein, auf gar keinen Fall.

Ein Lehrer soll Schüler zum eigenen Denken anregen – er muss aber auch das, was außerhalb des Konsenses der Demokraten liegt, als solches benennen können. Wo, wenn nicht in der Schule, sollen Mädchen und Jungen sich mit solchen Fragen auseinandersetzen?

Deshalb gilt: Dazu, den eigenen Job zu machen, darf, kann und soll sich ein Lehrer ruhig bekennen. „Wir möchten nicht, dass sich andere die Mühe machen müssen, uns bei Ihnen anzuzeigen – wir melden uns freiwillig“, schreiben die Lehrer von der Charlotte-Salomon-Grundschule.

Gut gemacht!

Von Tobias Peter/RND

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