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Panorama Zwei Tote bei Schießerei in Landshut
Nachrichten Panorama Zwei Tote bei Schießerei in Landshut
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18:17 07.04.2009
Die Polizei hat das Gerichtsgebäude in Landshut nach den tödlichen Schüssen abgeriegelt. Quelle: Lennart Preiss/ddp
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Blutiges Ende eines Erbstreits: Ein 60-Jähiger hat am Dienstagvormittag im Landshuter Justizgebäude um sich geschossen, dabei seine 48 Jahre alte Schwägerin getötet und sich anschließend selbst gerichtet. Zwei weitere Menschen erlitten Schussverletzungen. Die Tat ereignete sich in einer Verhandlungspause zu einer Erbauseinandersetzung unter sieben Geschwistern. Der Täter, ein verheirateter, gelernter Koch, war nach Angaben der Ermittler im Besitz einer gültigen Waffenbesitzkarte für Sportschützen.

Der Mann aus dem Raum Dingolfing hatte am Vormittag im Flur vor einem Gerichtssaal unvermittelt einen großkalibrigen Revolver der Marke Smith & Wesson (357 Magnum) gezogen, und dort das Feuer auf Prozessbeteiligte eröffnet. Insgesamt traf er dabei drei Menschen. Anschließend flüchtete er in einen Verhandlungssaal und tötete sich mit einem Kopfschuss selbst.

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Die Polizei wurde unmittelbar nach der Tat über Mobiltelefon aus dem Gerichtsgebäude alarmiert. Die eintreffenden Beamten fanden die Verletzten, einen schwer verletzten Rechtsanwalt und eine weitere, leicht verletzte Frau, in einem Treppenaufgang und einem Gang. Einem Notarzt gelang es zunächst, die schwerst verletzte 48-Jährige wiederzubeleben, sie erlag aber wenig später noch im Gerichtsgebäude ihren schweren Kopfverletzungen.

Landgerichtspräsident Karl Wörle erläuterte, der Täter sei in der Erbauseinandersetzung um ein Haus in Augsburg auf Seite der Beklagten gewesen. Der Streitpunkt sei aber juristisch eigentlich schon erledigt gewesen. „Aus dem Verfahren selbst und aus dem Ablauf lässt sich kein Anlass für die Tat erkennen“, sagte Wörle. Allerdings habe es bereits über viele Jahre zivilrechtliche Auseinandersetzungen innerhalb der Familie gegeben. Zum Streitwert machte er keine Angaben.

Der 60-Jährige hatte nach Angaben der Ermittler seit 1974 eine Waffenbesitzkarte für Sportschützen. Er habe eine Lang- und eine Sportwaffe sowie den Revolver besessen.
Der Mann war offenbar ungehindert mit der Waffe in das Gebäude gelangt. Ein Gerichtssprecher erläuterte auf ddp-Anfrage, es gebe im Landgericht Landshut keine generelle elektronische Eingangskontrolle. Nur bei besonders brisanten Prozessen werde diese angeordnet. Ansonsten befinde sich an der Pforte des Gebäudes lediglich ein Wachtmeister, der „auf Sicht“ kontrolliere. Generalstaatsanwalt Christoph Strötz kündigte als Konsequenz aus der Tat an, den Einsatz von Sicherheitsleuten in Gerichtsgebäuden zu verstärken.

Bereits 1992 war in Landshut in einem Gerichtssaal eine Frau getötet worden. Kurz vor Verhandlungsbeginn in einem Unterhaltsprozess schlug damals der 52-jährige Beklagte die Rechtsanwältin seiner Ex-Frau nieder und stach auf sie ein. Die Anwältin starb noch im Gerichtssaal.

ddp