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Panorama Zehn Tipps für einen garantiert klimafreundlichen Urlaub
Nachrichten Panorama Zehn Tipps für einen garantiert klimafreundlichen Urlaub
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11:57 06.07.2019
Kondensstreifen Himmel Flugzeug Wolken Quelle: aapsky/Shutterstock
Hannover

Flugnewsletter unterbieten sich in diesen Tagen mit den günstigsten Angeboten: Eine deutsche Billigairline hat mit einem Start­up Studentenrabatte vereinbart. Für einen Urlaubsflug können Nutzer damit bis zu 60 Prozent sparen.

Eine Flugallianz bietet ab Wien besonders günstige Nonstop-Flüge nach New York und Los Angeles an – schon ab 300 Euro geht es über den Atlantik. Und wer wollte nicht schon immer mal nach Australien?

Billigairlines ermöglichen inzwischen auch diese halbe Weltreise zu immer günstigeren Preisen. Wer ein bisschen flexibel ist, kann das Hin-und-zurück-Ticket mitunter schon ab knapp über 600 Euro bekommen. Wer will da noch zu Hause bleiben?

Sicher, viele haben längst von der vernichtenden Klimabilanz des Fliegens gehört. Aber kann man das nicht irgendwie ausgleichen? Weniger Fleisch essen? Mit dem Rad zur Arbeit? Und so oft fliegt man ja auch gar nicht. Stimmt vielleicht – aber reicht nicht aus.

Flugzeug im Landeanflug über dem Maho Beach auf der Karibikinsel St. Martin - der Tourismus mit seinen Flugreisen trägt selbst zum Klimawandel bei. Quelle: Philipp Laage/dpa

Der Flugverkehr leidet am eigenen Erfolg. Zu viele Menschen wollen mit zu wenigen Flugzeugen reisen, und dafür kaum etwas bezahlen. Auch wenn die Maschinen immer effizienter werden, jede einzelne immer weniger klimaschädliches CO2 ausstößt, so ist der Gesamtausstoß des Luftverkehrs in Deutschland zwischen 2000 und 2016 lediglich um rund 14 Prozent auf rund 2350 Kilotonnen zurückgegangen, wie aus Daten des Umweltbundesamts hervorgeht.

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Die EU hat bereits vor Jahren deutlich ehrgeizigere Ziele formuliert: Bis 2050 sollen die CO2-Emissionen gegenüber dem Jahr 2000 um 75 Prozent reduziert werden. Der Fluglärm soll im selben Zeitraum um 65 Prozent zurückgehen. In Summe aber sind es trotz der individuellen Einsparung einfach zu viele Maschinen, die die deutschen Rollfelder verlassen.

Treibstoff ist der Klimakiller Nummer eins. Könnten elektrische Flugzeuge eine Antwort auf diese Probleme und Herausforderungen sein? Im Süden Deutschlands arbeitet unter anderem Siemens an einer Antwort auf diese Frage.

„Vor fünf, sechs Jahren sind wir noch als Spinner bezeichnet worden“

Videospielfans würden sich in der E-Aircraft-Abteilung des Unternehmens wohlfühlen: Große Monitore stehen in dem Raum, davor sitzt ein Mitarbeiter auf einem Pilotensitz und navigiert mit dem Steuerknüppel einen Frachtcontainer.

Vier elektrische Propellermotoren halten das Gewicht in der Luft und lassen sich präzise ansteuern. Siemens will mit dem Projekt in ein neues Flugzeitalter starten – neue Hybrid-Elektro-Antriebe sollen das Fliegen klimafreundlicher machen.

„Vor fünf, sechs Jahren sind wir noch als Spinner bezeichnet worden“, sagt Frank Anton, Leiter der E-Flugzeug-Abteilung beim Münchner Technologiekonzern. Er sei froh, dass inzwischen auch zahlreiche andere Unternehmen eingestiegen seien und das Thema vorantrieben.

Fliegen wird leiser, sauberer, emissionsfrei: Der Elektrojet Alice. Quelle: Eviation Aircraft Ltd.

Ein Konsortium um den israelischen Hersteller Eviation Aircraft ist in deutlich kleinerem Rahmen schon etwas weiter. Auf der Luftfahrtmesse in Paris stellte sie gerade mit Alice ihr erstes, komplett elektrisches Passagierflugzeug vor.

In diesem Jahr beginnt in den USA die Serienfertigung. Zusammen mit anderen kommerziellen Fluggesellschaften und der US-Luftfahrtbehörde FAA sollen die ersten zugelassenen Flotten 2022 auf den Markt kommen, kündigte Eviation Aircraft an.

Der neue Ökojet bietet jedoch eher begrenzte Möglichkeiten: Alice sei auf neun Passagiere ausgelegt und für Entfernungen bis zu 1000 Kilometer geeignet, sagt Omer Bar-Yohay, CEO von Eviation.

„Mit Betriebskosten, die nur einen Bruchteil der konventionellen Jets ausmachen, wird Alice den regionalen Flugverkehr komplett neu definieren und ein neues Zeitalter von Flugreisen einläuten“, kündigte er an. Fliegen soll damit leiser, sauberer, emissionsfrei und günstiger werden.

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Aber bedeuten Alice und andere Projekte das Ende des Kerosins? Siemens dämpft zumindest derzeit noch die Erwartungen: Auf absehbare Zeit werde es keine vollelektrischen Antriebe für größere Passagierflugzeuge geben, ist sich Experte Anton sicher.

Zu schwer seien die dafür notwendigen Batterien. Siemens, Airbus aber auch Boeing und der Triebwerkhersteller Rolls-Royce arbeiten mit Blick auf Passagierflugzeuge deshalb an Hybridmotoren, bei denen unterschiedliche Antriebstechniken miteinander kombiniert werden.

Hybrid als Kompromiss

Bei Rolls-Royce sieht das so aus, dass eine Gasturbine über einen Generator Strom produziert, der für elektrische Motoren und die Bordfunktionen benutzt wird. Ziel sei es, durch ein verändertes Flugzeugdesign mit zahlreichen kleinen, elek­trisch angetriebenen Propellern bis zu 35 Prozent der Emissionen eines Flugzeugs auf diese Weise einzusparen, sagt Ulrich Wenger, Technologiechef beim Triebwerkhersteller.

Auch Siemens entwickelt solche Antriebe – und zielt damit vor allem auf kurze und mittellange Strecken. „42 Prozent aller Emissionen werden durch Flüge von unter 1000 Meilen erzeugt“, verdeutlicht Anton. Doch ob mit der Hybridtechnik drastisch Emissionen eingespart werden können, ist in der Branche durchaus umstritten.

Vergleich der Emissionen im Personenverkehr Quelle: RND

„Alle Studien, die wir zu Hybridkonzepten bei Großflugzeugen durchgeführt haben, zeigen: Wenn ich nur das Antriebssystem austausche, gibt es keine Verbesserung, weder beim CO2-Ausstoß noch beim Kraftstoffverbrauch“, gibt Mirko Hornung zu bedenken, Wissenschaftsvorstand bei der gemeinnützigen Forschungseinrichtung Bauhaus Luftfahrt.

Dafür müssten noch weitere Faktoren geändert werden – etwa die Aerodynamik oder das Gewicht des Flugzeugs. Hornung ist überzeugt: Nur vollelektrische Antriebe hätten einen so großen Wirkungsgrad, dass sie auch zu niedrigeren Emissionen führten.

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Die großen Hersteller experimentieren deshalb zunächst weiter mit Hybrid. In zwei Jahren wollen Siemens und Rolls-Royce ein erstes Passagierflugzeug abheben lassen, bei dem eines von vier Triebwerken mit einem Hybridmotor ausgestattet ist. Ein ähnliches Projekt mit einem kleineren Flugzeug, einer Dornier DO 228, verfolgen die Münchner zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Flächendeckender Einsatz wird noch Jahrzehnte dauern

Doch die Experten weisen noch auf einen anderen Umstand hin: Die neuen Antriebe lassen sich nicht einfach in die bestehenden Flotten verbauen. „Das würde nicht als Umbaumaßnahme funktionieren“, betont Hornung. „Wir reden von einer ganz neuen Klasse Flugzeug.“

Bis solche neuen Systeme flächendeckend zum Einsatz kommen, dürfte es daher noch Jahrzehnte dauern. „Die klassischen Flugzeuge, die heute ausgeliefert werden, werden noch 25 bis 30 Jahre fliegen“, glaubt auch Volker Thum, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. „Was in den nächsten 30 bis 40 Jahren in der Masse fliegt, ist bereits jetzt definiert.“

Mehrere Airlines arbeiten als Übergangslösung an Tests, mit denen zumindest die bestehende Flotte weniger Emmissionen ausstoßen soll. Neue Triebwerke und Flugzeuge haben den CO2-Ausstoß und Treibstoffverbrauch in den vergangenen Jahren reduziert.

Reisen auf Kosten des Klimas Quelle: RND

Die britische Virgin Atlantic kooperiert seit 2011 mit dem Unternehmen LanzaTech, um kohlenstoffreiche Industrieabgase aus Stahlwerken auffangen und in Ethanol umwandeln zu können.

„Gase, die andernfalls durch den Schornstein in die Atmosphäre befördert werden würden“, heißt es bei Virgin Atlantic. Das Ethanol kann wiederum für eine Vielzahl von kohlenstoffarmen Produkten verwendet werden, auch Düsentreibstoff.

Im vergangenen Oktober flog auf diese Weise erstmals eine Boeing 747 von Orlando nach London-Gatwick. Der neue Treibstoff hat nach Angaben der Airline ein „fantastisches Nachhaltigkeitsprofil“. Er habe das Potenzial, im Vergleich zu regulärem Kerosin mehr als 70 Prozent weniger Kohlenstoff zu emittieren.

Umweltschützer sind verhalten euphorisch, was neue Treibstoffe angeht: Synthetisches Kerosin etwa würde nur rund ein Drittel der Belastungen reduzieren, heißt es bei Greenpeace. Denn auch dadurch würden etwa Kondensstreifen entstehen – und auch die heizen die Erderwärmung weiter an.

Zehn Tipps für einen klimafreundlicheren Urlaub

Passagiere beim Einstieg in eine Boeing 737-800 der Billigfluglinie Ryanair auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn, Rheinland-Pfalz. ) Quelle: epd

Nur fliegen, wenn es wirklich notwendig ist

Das Umweltbundesamt lässt beim Flugzeug keine Fragen offen: „Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen“, teilt die Behörde auf ihrer Website mit. Ein Flug von Deutschland auf die Malediven und zurück verursache pro Person eine Klimawirkung von mehr als fünf Tonnen CO2. Zum Vergleich: Mit einem Mittelklassewagen kann man dafür mehr als 25 000 Kilometer fahren.

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace verurteilen unisono das Fliegen: „Mit Blick auf den Klimaschutz kann man einen Urlaub etwa in Sydney heute eigentlich nicht mehr rechtfertigen“, sagt Benjamin Stephan von Greenpeace. „Man kann sich zu Hause wie ein Klimaengel benehmen, doch mit einem einzigen Langstreckenflug ist die persönliche Klimabilanz ruiniert.“

Nach Stephans Ansicht sollten etwa innerdeutsche Flüge verboten werden. In Schweden ist eine regelrechte Bewegung entstanden, die das Fliegen verurteilt: Flygskam, Flugscham nennt sich der Trend dort, Urlaub am Boden zu machen.

Flugreisen wirken sich nicht nur durch den Ausstoß von CO2 aufs Klima aus – auch andere bei der Verbrennung von Kerosin entstehende Substanzen wie Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf tragen zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei. Erschwerend kommt hinzu: Klimagasemissionen von Flugzeugen wirken nach Aussagen des Umweltbundesamtes in der Flughöhe mindestens zweimal stärker als am Boden.

Slow Travel: Langsamer reisen

Slow Travel ist regelrecht zu einer Bewegung geworden – langsam reisen, ein Urlaubsziel bewusster erleben. Und auch dies schont im Idealfall das Klima. Denn je mehr Zeit sich jemand für eine Destination nimmt, desto weniger Transportmittel nutzt er in der Regel und desto weniger Aktivitäten unternimmt er. Der persönliche CO2-Fußabdruck fällt dadurch geringer aus.

Das hat noch einen anderen angenehmen Effekt: Wer zwei Wochen an einem Ort bleibt statt zwei Tage, der sieht mehr, lernt mehr von den Menschen vor Ort und macht sich selbst weniger Stress.

Rundum-Bespaßung – und Klimabelastung: Kreuzfahrten gehören zu den umweltschädlichsten Urlaubsoptionen. Quelle: Pixabay

Auf Kreuzfahrten möglichst verzichten

Kreuzfahrten boomen – im vergangenen Jahr reisten insgesamt 2,26 Millionen deutsche Passagiere auf Hochseeschiffen, mehr als je zuvor. Dabei gilt diese Art des Urlaubs als eine der klimaschädlichsten: Sie werden in der Regel mit Schweröl betrieben und belasten anders als andere Verkehrsmittel, die man nur zur An- und Abreise nutzt, 24 Stunden am Tag das Klima.

Denn Passagiere bewegen sich mit einem Kreuzfahrtschiff nicht nur fort, sie essen und übernachten dort und selbst während ihrer Landausflüge laufen die Maschinen mitunter weiter. Bei einer 14-tägigen Kreuzfahrt fallen je nach Schiffsgröße, Berechnungsgrundlage und Technikstand etwa ein bis drei Tonnen CO2 an. Hinzu kommt noch die Belastung eines eventuellen Hin- und Rückfluges zum Hafen.

Die in der internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO zusammengeschlossenen Staaten beschlossen 2018, dass die Emissionen auf den Weltmeeren bis 2050 um die Hälfte sinken sollen. Schon jetzt arbeiten einzelne Häfen daran, den Klimaschutz bei Kreuzfahrtschiffen voranzutreiben. Im norwegischen Bergen etwa haben an den eng begrenzten Anlegern nun jene Kreuzfahrtschiffe Vorrang, die sich vor Ort mit Landstrom versorgen.

Die Reedereien reagieren. Unternehmen wie Tui und Aida arbeiten daran, dass Fahrten sauberer werden. Aida etwa hat gemeinsam mit der Meyer-Werft mit der „Aida Nova“ ein Kreuzfahrtschiff gebaut, das zu 100 Prozent mit flüssigem Erdgas betrieben werden kann. Auch Tui Cruises setzt bei seinen Neubauten auf diese Technologie.

Klimafreundlicher reisen mit der Bahn

Die Bahn zählt traditionell zu den klimafreundlichsten Verkehrsmitteln – seit dem vergangenen Jahr fährt die Deutsche Bahn im Personenfernverkehr sogar mit 100 Prozent Ökostrom und damit schadstoffärmer als je zuvor. Nach eigenen Angaben verursachen ihre Fernverkehrszüge nun weniger als ein Gramm CO2 pro Personenkilometer – bislang waren es 36 Gramm. Bis 2038 will die Bahn in allen Sparten komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren.

Bei Fahrten ins Ausland relativieren sich diese Klimaeffekte jedoch: Kaum ein Land ist bislang dem Beispiel der Deutschland gefolgt. Wer etwa in Großbritannien unterwegs ist, wird vielerorts noch auf nicht elektrifizierte Strecken stoßen – und dort mit der Diesellok unterwegs sein.

Immer mehr Hotels achten auf ihre Klimabilanz – doch umweltverträglicher als auf dem Campingplatz lässt es sich kaum Urlaub machen. Quelle: stock.adobe.com

Auf klimafreundliche Hotels achten

Selbst wenn Hotels im Vergleich zu den Verkehrsmitteln in der Regel nur einen geringen Effekt auf das Klima haben – auch hier kann jeder seine persönliche Klima- und Umweltbilanz verbessern. Das geht schon mit simplen Maßnahmen:

Fenster öffnen statt Klimaanlage einschalten, nicht gleichzeitig lüften und heizen, Bettwäsche und Handtücher nicht täglich wechseln lassen, auf Portionspackungen von Shampoo im Bad verzichten, bei einem längeren Aufenthalt im Idealfall auch nicht jeden Tag das Zimmer reinigen lassen. Beheizte Schwimmbäder verbrauchen viel Energie – bei warmen Temperaturen tut es auch ein nicht beheizter Außenpool; oder noch besser: das Meer.

Der Branchenverband Dehoga hat bereits vor Jahren gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium Energiespartipps für Hotels entwickelt. Dabei geht es unter anderem um Sonnenschutzsysteme, Dämmung, Licht und ein Umrüsten auf moderne Waschmaschinen, Herde und Wasserkocher.

Biohotels ist ein Zusammenschluss von derzeit rund 100 Hotels in sechs europäischen Ländern, die nach einem festen Katalog von Umweltkriterien betrieben werden. Speisen und Getränke stammen darin aus Biolandwirtschaft, es werden ausschließlich Naturkosmetika angeboten, außerdem gibt es nur Recyclingpapier und in der Regel keine Klimaanlage. Es gibt vergleichbare Anbieter in vielen anderen Ländern.

Mehrere große Hotelketten haben sich in den vergangenen Jahren zu mehr Klimaschutz verpflichtet. Bei der Intercontinental Hotel Group (IHG) etwa bieten einzelne Häuser den Mitgliedern des hoteleigenen Bonusprogramms für jene Tage Sonderpunkte, an denen sie auf eine Zimmerreinigung verzichten.

Die französischen Kette Accor will Essensabfälle um 30 Prozent reduzieren und neue klimafreundliche Gebäude bauen. Tui zeichnet bereits seit 1996 jedes Jahr die nachhaltigsten Hotels mit dem Tui Umwelt Champion aus.

Wer noch umweltfreundlicher übernachten will: Zelten gehört zu den klimafreundlichsten Arten des Urlaubs überhaupt. Durch Minimalismus und Verzicht schrumpft der CO2-Fußabdruck fast wie von selbst.

Müll vermeiden, auf Plastik verzichten

Zu Hause kommen nur Leitungswasser oder Pfandglasflaschen auf den Tisch – aber im Urlaub hat niemand etwas von Pfandsystemen gehört? Und das Leitungswasser ist auch nicht trinkbar? Schnell greift man deswegen zur Einwegplastikflasche aus dem Supermarkt.

Aber wohin mit der leeren Flasche? Selbst Recycling ist in vielen Gegenden der Welt noch ein Fremdwort. Oft gilt schon als Vorbild, wer seinen Abfall in einen Mülleimer wirft. Dass er nicht in die freie Natur gehört, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Einweggetränkeflaschen können helfen. An vielen Flughäfen stehen inzwischen Wasserspender bereit, mit denen sie kostenlos mit Trinkwasser aufgefüllt werden können. Auch immer mehr Hotels bieten diesen Service an. Beim Campen können Outdoorfilter helfen, die Wasser mithilfe von UV-Strahlen reinigen.

Im Flugzeug lässt sich zumindest auf kürzeren Strecken leicht auf Essen und Getränke aus Kunststoffverpackungen verzichten. Vor Ort kann man statt des Coffee-to-go einfach mal in einem Café eine Pause einlegen und so auf Einweggeschirr verzichten. Und wer sein Sandwich oder Salat nicht im Supermarkt kauft, sondern frisch zubereitet in einem Geschäft, isst häufig noch deutlich besser – und schont die Umwelt.

Alles andere als angenehm: Wenn zwischen Heimat- und Urlaubsort eine Fahrt voller langer Staus liegt. Warum dann nicht einfach vom Auto auf Bus oder Bahn umsteigen? Quelle: Andrea Warnecke/dpa

Autofahren nur, wenn es nicht anders geht

Es ist so bequem: Zu Hause wird der Kofferraum vollgepackt, am Urlaubsort wieder ausgeladen. Dazwischen liegen ein paar hundert Kilometer Fahrt bei Radio oder einer guten Unterhaltung. Allein: Das Auto schneidet in der Klimabilanz schlechter ab als jedes öffentliche Verkehrsmittel und wird in der Anreise nur noch übertroffen vom Flugzeug.

Wer dennoch mit Auto in den Urlaub fahren muss, sollte zumindest versuchen, es vor Ort so oft wie möglich stehen zu lassen. Je mehr Personen im Auto mitreisen, desto besser wird die individuelle Klimabilanz. Im Zweifelsfall kann man freie Plätze über eine Mitfahrzentrale vergeben.

Aktivitäten im Urlaub sinnvoll wählen

Muss es im Urlaub wirklich ein Helikopterflug sein? Mehrere nationale Flüge, um noch mehr vom Urlaubsziel zu sehen? Das Klima lässt sich auch bei der Zusammenstellung der Aktivitäten auf einer Reise schützen.

Radtouren sind eine Möglichkeit, das Auto auch mal stehen zu lassen und ein Reiseziel auf andere Weise, mitunter viel intensiver zu erleben. Eine Wanderung ist eine der klimafreundlichsten Aktivitäten. Ein Ruhetag verursacht in der persönlichen Bilanz in der Regel deutlich weniger CO2 als ein Tag voller Aktivitäten.

Mehrere Regionen wie die Eifel (www.klimatour-eifel.de) geben inzwischen auf eigenen Internetseiten Auskunft über klimaverträgliche Aktivitäten vor Ort. Darin werden oft auch solche Anbieter berücksichtigt, die bewusst auf Ökostrom und klimaneutrale Verpackungen setzen.

Auch bewusst essen kann helfen: Weniger Fleisch, mehr Gemüse hilft, das Klima zu schonen – Massentierhaltung sorgt für das Roden von Urwäldern, Rinder etwa geben vor allem Methan und Lachgas ab. Zudem hilft es, lokale Produkte zu essen – lange Transportwege entfallen dadurch.

Straßenbahn, Bus oder Fahrrad statt Taxi

Eigentlich logisch, für viele dennoch mitunter überraschend: Fast jede Taxifahrt lässt sich im Urlaub vermeiden, indem man öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Die Kunst besteht darin, der Verlockung der Bequemlichkeit zu widerstehen.

Öffentliche Verkehrsmittel werden in der Klimabilanz im positiven Sinne nur noch von Fahrrad und Fußgängern übertroffen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bringt es auf den Punkt: „Wer mit Bus oder Bahn fährt, verursacht zwei Drittel weniger CO2 als mit dem eigenen Pkw“, erläutert der Verein. „Wenn nur ein Prozent der Autofahrer ihren Wagen stehen ließe und stattdessen die Nahverkehrsangebote nutzte, würden in Deutschland pro Jahr eine Million Tonnen Kohlendioxid weniger in die Luft gepustet.“

Bikesharing ist eine weitere Möglichkeit, eine Stadt klimafreundlicher zu erleben. Neben lokalen Radverleihen gibt es mit Anbietern wie Wind oder Mobike zum Teil internationale Bikesharing-Unternehmen. Per App können dabei Räder freigeschaltet werden, die nach der Fahrt einfach am Fußweg geparkt werden. Die App zeigt, wo die Räder stehen, errechnet die Fahrtgebühr und zieht sie von einem vorab erworbenen Guthaben ab.

Mit einer Spenden CO2 an anderer Stelle einsparen

Was tun, wenn man allen guten Vorsätzen zum Trotz doch geflogen ist? Oder doch eine Kreuzfahrt unternommen hat? Eine Reihe von Internetportalen hat sich auf das Kompensieren von Reisen spezialisiert. Bei Anbietern wie Atmosfair oder Myclimate kann man online anhand von Flugdaten oder Schiffskategorien die CO2-Emissionen seiner Reise berechnen – und spenden.

Seriöse Anbieter finanzieren aus diesen Beträgen in der Regel Klimaschutzprojekte in der Dritten Welt. Atmosfair etwa verkauft in Ländern wie Ruanda und Nepal moderne Öfen, die den Holzverbrauch und damit den Schadstoffausstoß um 80 Prozent reduzieren sollen. „Wir verkaufen sie subventioniert, weil wir festgestellt haben, dass die Öfen dadurch eher genutzt werden“, sagt Atmosfair-Sprecherin Julia Zhu.

Im vergangenen Jahr seien durch ihr Unternehmen insgesamt eine halbe Million Flugreisen kompensiert worden. Klingt viel, ist aber bestenfalls ein Anfang: „Nur rund ein Prozent aller Flugreisen werden bislang kompensiert“, sagt Zhu.

Doch kann jeder bedenkenlos fliegen, der seinen Flug ausgleicht? „Grundsätzlich gilt die Regel: Emissionen vermeiden wo möglich, bestehende Emissionen reduzieren so weit möglich und nicht vermeidbare, verbleibende Emissionen kompensieren“, sagt Kai Landwehr, Sprecher von Myclimate. Er sieht jedoch keinen Grund dafür, dass die Menschen künftig etwa zugunsten des Klimas zu Hause bleiben sollten. „Reisen ist ein hohes, wertvolles Gut“, betont er.

Auch viele Airlines bieten inzwischen eigene Klimaschutzprojekte an. Während der Buchung können Passagiere zusammen mit dem Flugpreis einen Beitrag für Klimaschutzprojekte spenden.

Von Michael Pohl und Matthias Arnold/RND

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