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Panorama Zahl der Todesopfer bei Beben in Italien auf 179 gestiegen
Nachrichten Panorama Zahl der Todesopfer bei Beben in Italien auf 179 gestiegen
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08:57 07.04.2009
Bis zu 70.000 Menschen könnten nach dem Erdbeben Obdachlos werden. Quelle: Vincenzo Pinto/afp
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In der Ortschaft Onna in der Nähe von L’Aquila wurden am frühen Morgen zwei weitere Leichen geborgen. Damit wurden in dem 250-Einwohner-Dorf bislang 39 Todesopfer gezählt. Die Einsatzkräfte bargen bislang etwa 100 Menschen lebend. Die größte Opferzahl war in L’Aquila 90 Kilometer nordöstlich von Rom zu beklagen. Bei dem Beben der Stärke 6,2 wurden nach Angaben von Regierungschef Silvio Berlusconi mindestens 1500 Menschen verletzt, mehr als 50.000 wurden obdachlos. Die Zahl könne noch auf bis auf 70.000 steigen.

Bundespräsident Horst Köhler sprach Italiens Staatschef sein Beileid aus. „Ich möchte Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen“, hieß es in einem am Montag an Präsident Giorgio Napolitano gesandtes Beileidstelegramm. Seine Gedanken seien besonders bei den Hinterbliebenen. Er hoffe sehr, dass viele bislang Vermisste lebend geborgen werden könnten.

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Das Erdbeben ereignete sich gegen 03.30 Uhr und dauerte etwa 30 Sekunden. Das Epizentrum lag unter der Regionalhauptstadt L’Aquila in fünf Kilometern Tiefe. Dächer brachen über den Schlafenden zusammen, zahlreiche Menschen wurden unter Trümmern verschüttet. Die Rettungskräfte suchten mit Spürhunden in den Schuttmassen nach Überlebenden. Sie rechneten mit einem Steigen der Opferzahl.

Berlusconi erklärte den nationalen Notstand. Am Abend sollte die italienische Regierung zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Bis zum Abend werde ein Zeltlager für bis zu 20.000 Betroffene aufgebaut, kündigte der Regierungschef vor Journalisten in L’Aquila an. Niemand werde seinem Schicksal überlassen. Nach Angaben von Innenminister Roberto Maroni wurden rund 1500 Feuerwehrleute und 200 Polizisten zur Verstärkung ins Erdbebengebiet geschickt.

Vor dem Krankenhaus von L’Aquila mussten Verletzte unter freiem Himmel behandelt werden, die Notaufnahme war überfüllt. Nur ein einziger Operationssaal stand dort zur Verfügung. Die Universitätsklinik der Stadt musste wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Ein Feldlazarett war laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur ANSA auf dem Weg nach L’Aquila. Die am schwersten Verletzten wurden per Hubschrauber in benachbarte Krankenhäuser transportiert.

Das Erdbeben sei wie „die Apokalypse“ gewesen, berichtete die Überlebende Maria Francesco aus L’Aquila. Ihr Haus sei vollständig eingestürzt, nichts sei mehr übrig. Schon seit drei Monaten habe es immer wieder Erdstöße in der Region gegeben, dennoch hätten die Behörden nichts unternommen. Besonders betroffen war das historische Stadtzentrum von L’Aquila mit seinen engen Gassen und Renaissance-Gebäuden. Der Dom einer jahrhundertealten Kirche stürzte ein, auch die Kathedrale von L’Aquila wurde beschädigt.

Tausende Bewohner der 60.000-Einwohner-Stadt flüchteten aus Angst vor Nachbeben auf die Straßen. Zahlreiche Bewohner verließen L’Aquila mit Koffern in der Hand zu Fuß. Das Beben war in ganz Mittelitalien zu spüren, von der Adriaküste bis zum Thyrrenischen Meer. In Rom wurden zahlreiche Bewohner durch die Erschütterungen geweckt, das Beben beschädigte nach Angaben der römischen Archäologie-Behörde auch die Überreste der antiken Caracalla-Thermen im Zentrum der Hauptstadt.

In Italien besteht hohe Erdbebengefahr, da das Land am Zusammenstoß zweier tektonischer Platten liegt. Im Oktober 2002 kamen bei einem Erdbeben in dem mittelalterlichen Dorf San Giuliano di Puglia 30 Menschen durch ein Erdbeben ums Leben, darunter 27 Schüler und ihren Lehrer, die unter den Trümmern ihrer Schule begraben wurden. Am 23. November 1980 ereignete sich in der Nähe von Neapel ein verheerendes Erdbeben, bei dem 2570 Menschen ums Leben kamen, 8850 verletzt und 30.000 obdachlos wurden.

In den Abruzzen ist noch die Erinnerung an ein Erdbeben vom 13. Januar 1915 wach, bei dem schätzungsweise 30.000 Menschen ums Leben kamen. Noch schlimmer war das Erdbeben vom 28. Dezember 1908, bei dem an der Straße von Messina rund 95.000 Menschen ums Leben kamen.

afp