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Panorama Wachkoma-Geburt: Baby geht es gut
Nachrichten Panorama Wachkoma-Geburt: Baby geht es gut
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23:09 14.10.2009
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Das im vergangenen Jahr in Erlangen geborene Kind einer Wachkoma-Patientin entwickelt sich gut. Der heute etwa ein Jahr und fünf Monate alte Junge lebe in der Obhut des Jugendamtes, erklärte Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen, am Mittwoch. Die damals 40-jährige Mutter des Jungen hatte in der 13. Schwangerschaftswoche einen Herz-Kreislauf-Stillstand infolge eines Herzinfarktes erlitten und war ins Wachkoma gefallen. Die Ärzte hielten die Schwangerschaft bis in den neunten Monat aufrecht und entbanden im Frühjahr 2008 schließlich ein gesundes Kind.

Weltweit seien seit den 1970er Jahren rund 25 Fälle von Schwangeren mit Hirntod oder Koma veröffentlicht worden, erklärte Beckmann. Die meisten Schwangerschaften endeten allerdings mit Misserfolgen, Frühgeburten oder in manchen Fällen mit ernsten Schädigungen des Kindes. Der Fall in Erlangen sei „im Hinblick auf das Alter der Mutter, die nahezu adäquat lange Schwangerschaftsdauer und den völlig normalen Gesundheitszustand des Kindes in der Wissenschaftswelt außergewöhnlich und sehr erfreulich“, betonte der Mediziner.

Nach Angaben von Beckmann hat die Klinik sämtliche therapeutischen Maßnahmen und auch die Frage der Ernährung mit dem Klinischen Ethikkomitee abgestimmt. Auch wurde die Nahrung, die die Frau über eine Sonde bekam, in Abhängigkeit von regelmäßigen Labortests speziell zusammengestellt, um auch das Kind optimal mit Folsäure und Vitaminen zu versorgen. Auch andere Risikofaktoren wie Nikotinkonsum und eine Diabetes hätten die Behandlung erschwert. Die beiden älteren Kinder der Frau, deren Vormundschaft das Jugendamt übernommen hatte, hatten ihre Mutter den Angaben zufolge regelmäßig in der Klinik besucht.

156 Tage nach dem Herzinfarkt wurde der 2390 Kilogramm schwere Junge per Kaiserschnitt entbunden. Bei den kinderärztlichen Untersuchungen habe das Kind bisher eine normale Entwicklung gezeigt. Der Lebenspartner der Frau könne den Jungen selbst nicht versorgen, da er beruflich viel im Ausland unterwegs ist. Der Zustand der Frau, die in einem Pflegeheim liegt, ist nach Angaben der Ärzte unverändert. Die Mediziner haben wegen der massiven Schädigung von Gehirn und Herz durch den Herzinfarkt nahezu keine Hoffnung mehr auf eine Besserung.

AFP