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Panorama Verschwundene „Maddie“ könnte noch leben
Nachrichten Panorama Verschwundene „Maddie“ könnte noch leben
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17:33 25.04.2012
Das Alterungsbild zeigt, wie die verschwundene Madeleine McCann im Alter von Neun Jahren aussehen könnte.
Das Alterungsbild zeigt, wie die verschwundene Madeleine McCann im Alter von Neun Jahren aussehen könnte.  Quelle: Metropolitan Police/Teri Blythe
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London

Die blonden Haare fallen bis zu den Schultern, die grau-grünen Augen mit dem markanten Fleck sind so durchdringend wie eh und je: Seit fast genau fünf Jahren ist das britische Mädchen „Maddie“ spurlos verschwunden. Doch mit Hilfe der Eltern Gerry und Kate McCann hat die britische Polizei nun ein neues Bild herausgebracht, wie Madeleine heute, im Alter von neun Jahren, aussehen könnte. Verbunden hat sie das mit einem Appell an die portugiesische Polizei, den Fall neu aufzurollen. Es gebe Ermittlungslücken und es könne deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass „Maddie“ noch lebt. Ein Hoffnungsfunke, der sich am Mittwoch wie ein Feuer ausbreitete.

Welche neuen Anhaltspunkte die Briten haben, sagen sie nicht im Detail. Es gebe Lücken im bisher festgestellten zeitlichen Verlauf, erklärte Andy Redwood von Scotland Yard. „Wir glauben, dass es sich hier um eine Straftat handelt, und dass sie von einem Fremden entführt wurde.“ Die Entscheidung, ob die Akte neu aufgeschlagen werde, liege bei Portugal. Dort verschwand „Maddie“ einst und dort waren die Ermittlungen 2008 mit der Begründung eingestellt worden, es gebe keine Hinweise auf ein Verbrechen. In Großbritannien löste das einen Sturm der Entrüstung aus - mit dem Finger wird seit Jahren auf Ermittlungspannen der portugiesischen Behörden gezeigt.

Vor gut einem Jahr hatten die Briten begonnen, zu überprüfen, ob es wirklich keine Hinweise auf ein Verbrechen gebe. London habe bisher fast 200 neue Ermittlungsstränge ausgearbeitet, die man verfolgen könne, erklärte Scotland Yard. Das Material - zum ersten Mal eine Zusammenstellung aus Unterlagen der portugiesischen und britischen Polizei sowie der von Madeleines Eltern beauftragten Privatdetektive - werde man an Portugal weitergeben. Die portugiesische Polizei, die zusammen mit der Justiz über eine Wiederaufnahme entscheiden müsste, wollte zunächst nichts sagen.

„Maddie“ hat die Menschen auch in Deutschland derart bewegt, dass jede noch so kleine neue Nachricht bis heute gleich Aufruhr und weltweit Schlagzeilen auslöst. Die Eltern haben daran einen großen Anteil: Seit Madeleine am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwand, suchten die McCanns äußerst öffentlichkeitswirksam nach ihr. Dabei gab es auch viel Kritik an den beiden Briten, die zeitweise sogar selber ins Visier der Ermittler gerieten.

Warum die britische Polizei gerade jetzt wieder auf Portugal zugeht, darüber kann nur gerätselt werden. Demnächst jährt sich das Verschwinden des Mädchens zum fünften Mal. Scotland Yard steht genauso wie die britische Regierung unter Druck. Die wegen mehrerer anderer Affären ins Zwielicht geratene Londoner Polizei muss zusehen, dass sie in dieser Sache nicht auch noch in die Kritik gerät.

Premierminister David Cameron hatte über seine ebenfalls politisch angeschlagene Innenministerin Theresa May persönlich die Untersuchungen in Auftrag gegeben. Zwei Millionen Pfund (2,4 Millionen Euro) kosteten sie bisher. Vor allem Familien, die ein ähnliches Schicksal wie die McCanns erlitten haben, fragen nun öffentlich: Ist das Geld gerecht verteilt? Ergebnislose Untersuchungen wären politisch kaum zu verkaufen.

Zu diesem Thema wolle er nichts sagen, erklärte Redwood. „Wir wollen den Fall zum Abschluss bringen.“ Das sei das letztendliche Ziel.
Eine Sorge der Beteiligten dürfte auch die Stimmung der Bevölkerung in Portugal sein - dort gelten die McCanns in weiten Teilen als Schuldige - Vorwürfe, dass die Eltern selbst hinter „Maddies“ Verschwinden stecken, gibt es schon seit Beginn des Falles. Der frühere britische Innenminister Alan Johnson bat nun in einer Sendung der BBC erneut Cameron um Hilfe. Der solle mit einer „Charmeoffensive“ die portugiesische Regierung dazu bringen, der Sache auf den Grund zu gehen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.