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Panorama Verein aus Leer restauriert Dampfer
Nachrichten Panorama Verein aus Leer restauriert Dampfer
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18:59 27.04.2012
Von Heike Manssen
Die „Prinz Heinrich“ soll wieder so aussehen wie zu der Zeit, als sie 1909 auf der Papenburger Meyer-Werft vom Stapel lief.
Die „Prinz Heinrich“ soll wieder so aussehen wie zu der Zeit, als sie 1909 auf der Papenburger Meyer-Werft vom Stapel lief. Quelle: HAZ
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Leer

Im Maschinenraum sprühen die Funken, im Speisesalon riecht es nach Farbe. Ulli Reinecke kniet auf dem Teakholzboden und reicht einem Handwerker Werkzeug an. „Ich bin nur der Assistent“, sagt der Mann mit Bart, hebt kurz den Kopf, dann reicht er weiter. Eigentlich ist Reinecke Kapitän auf großer Fahrt - mittlerweile im Ruhestand. Das sind die meisten, die seit Jahren an und auf der „Prinz Heinrich“ arbeiten.

Schrottreif - so dümpelte der rostige Kahn im Hafen von Rostock an einem trostlosen Kai herum: Der letzte Doppelschrauben Post- und Passagierdampfer Deutschlands mit einer bewegten Vergangenheit und keiner Zukunft. Bis Werner Hofer, ehemaliger Zahnarzt aus Leer, vom Schicksal des Schiffes erfuhr. Er verguckte sich in den Kahn und ließ ihn in den ostfriesischen Hafen schleppen. Das war im Jahr 2002. Seitdem arbeiten er und viele andere daran, die „Prinz Heinrich“ wieder flott und seetauglich zu machen. Ein Abenteuer sei das Projekt, sagt Hofer - zunächst eines mit ungewissem Ausgang. Ein Verein wird gegründet, Sponsoren finanzieren den Kauf des Schiffes. Mittlerweile gibt es 360 Vereinsmitglieder, die sich für die „Zeugin des Dampfzeitalters“ einsetzen. Längst sollte die „Prinz Heinrich“ Richtung Nordsee abdampfen. Aber Geldmangel lässt das Projekt immer wieder stocken. „Anfangs stand ich als Nicht-Ingenieur mit der Idee als Fantast da“, erinnert sich Hofer. Nicht ohne Stolz sieht er jetzt Land in Sicht.

Erst vor ein paar Tagen sind zwei restaurierte Dampfmaschinen aus England ins Schiff eingebaut worden. Die „Prinz Heinrich“ soll wieder so aussehen wie zu der Zeit, als sie 1909 auf der Papenburger Meyer-Werft vom Stapel lief. Ursprünglich ist das Boot als Post- und Passagierdampfer zwischen Emden und der Insel Borkum unterwegs. In den beiden Weltkriegen dient die „Prinz Heinrich“ als Versorger. 1953 in „Hessen“ umbenannt, baut man sie vom Dampfschiff zum Motorschiff um. Als das Schiff dann 1970 außer Dienst gestellt wird, wird es nach Lübeck verkauft und liegt dort 30 Jahre lang vertäut als „M.S. Mississippi“.

Und nun zurück in heimische Gewässer. Dort, in einem kleinen Büro am Hafen in Sichtweite der „Prinz Heinrich“, arbeitet Paul Franke, Ingenieur im Ruhestand. Ruhestand? Mehrmals wöchentlich kommt der 67-Jährige hierher und zeichnet an technischen Plänen. Vor ihm ein altes Zeichenbrett, das der Verein noch auf dem Dachboden der Meyer-Werft in Papenburg gefunden hat. „Mit dem Computer, das will ich nicht mehr“, sagt Franke. Seine Zeichnungen gibt er weiter an die Lehrwerkstatt der Werft, hier werden seine Pläne umgesetzt.

Neben den Schiffsbauern aus Papenburg engagieren sich Dutzende Firmen für die „Prinz Heinrich“: Emder Schüler rekonstruieren im Werkunterricht zwei Rettungsboote, auf einer kleinen Werft in Ditzum werden Masten gefertigt oder eine Werkstatt aus Remels kümmert sich um die historischen Bodenplatten in der Kombüse - es ist eine Region, die ein Schiff baut.

Wie lange das manchmal dauern kann, zeigen die Arbeiten an den beiden Dampfmaschinen. Johann Alberts (69), Hinrich Christians (75), Jürgen Kunadt (64) und Karl Templin (72) haben die 90 Jahre alten Maschinen komplett auseinandergenommen und restauriert. Dreimal in der Woche, jeweils von acht bis 12 Uhr treffen sie sich zum Arbeitseinsatz in Halle 26 der Nordseewerke. 2200 Stunden verbringen sie hier - so ist es akribisch im Arbeitsbuch notiert. Bauzeichnungen der alten 2-fach Expansionsmaschinen gibt es nicht mehr. Nicht einmal das genaue Baujahr ist bekannt. Dafür haben die Männer den Maschinen einen Namen gegeben: „Hinni“ und „Jonny“ heißen die zwei jetzt.

Zum Ende des Jahres soll die „Prinz Heinrich“ endlich unter Dampf stehen. So der Plan. Noch fehlt mal wieder Geld. Diesmal für die aufwändigen Holzarbeiten an Deck und im Inneren des Schiffes. Die Ostfriesen hoffen auf weitere Sponsoren - vielleicht kommt Hilfe aus Hannover. Schließlich ist die „Prinz Heinrich“ vom Landesamt für Denkmalpflege in das Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen worden. „Das Schiff hat für die Region und ganz Niedersachsen eine große kulturelle Bedeutung“, sagt Hofer.

Fährt das Schiff, will keiner einen Gang zurückschalten. „Dann geht es ja erst richtig los“, sagt der 67-jährige Hofer. Wenn die „Prinz Heinrich“ erst als Mittelpunkt und Touristenattraktion im Hafen von Leer liegt, kann sich der Verein so einiges vorstellen: Führungen für Technikinteressierte, Veranstaltungen wie Trauungen oder gemütliche Abende bei Wein und Zigarre im alten Salon. Außerdem soll der Dampfer von Leer aus Traditionsfahrten zur Insel Borkum, dem niederländischen Delfzijl oder Hamburg und Bremen aufnehmen. Den Platz am Steuerrad zu besetzen, ist kein Problem. Im Verein gibt es reichlich Kapitäne - im Ruhestand.

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