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Panorama Taucher erneut ins Wrack der „Costa Concordia“ gestiegen
Nachrichten Panorama Taucher erneut ins Wrack der „Costa Concordia“ gestiegen
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15:55 21.01.2012
Foto: Seit Sonnabend suchen Taucher in der „Costa Concordia“ wieder nach Vermissten.
Seit Sonnabend suchen Taucher in der „Costa Concordia“ wieder nach Vermissten. Quelle: dpa
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Giglio

Nach einem Tag Zwangspause sind am Sonnabend wieder Taucher ins Wrack der „Costa Concordia“ gestiegen. Die Spezialkräfte der italienischen Marine wollten sich am Sonnabend vor allem auf Deck fünf des havarierten Kreuzfahrtschiffes konzentrieren, in dem noch Vermisste vermutet werden. Der deutsche Botschafter in Italien, Michael H. Gerdts, hofft auch acht Tage nach dem Schiffsunglück von Giglio noch auf deutsche Überlebende. „Die Hoffnung ist absolut da“, sagte Gerdts bei einem Besuch der Mittelmeerinsel am Sonnabend.

Insgesamt werden noch mehr als 20 Menschen vermisst. Unter ihnen sind nach jüngsten Angaben 12 Deutsche. Die Vermissten sind nach Ansicht des neuen Krisenstab-Chefs Franco Gabrielli „wahrscheinlich“ noch an Bord. Daher werde die Suche fortgesetzt, teilte Gabrielli am Sonnabend bei einer Pressekonferenz auf der Insel mit.

Gezielte Sprengungen sollten den Tauchern neue Zugänge zu dem Deck schaffen. Mindestens zwei Explosionen waren am Morgen im Hafen von Giglio zu hören, an dessen Küste das gekenterte Schiff seit mehr als einer Woche auf felsigem Grund liegt.

Zugleich rückt die drohende Umweltkatastrophe in den Fokus der Entscheidungen. Bis Sonntagabend soll nach Darstellung Gabriellis entschieden werden, wie die mehr als zwei Millionen Liter Treibstoff - vor allem Schweröl - abgepumpt werden können. Bis dahin dürfe die niederländische Spezialfirma Smit mit diesen Arbeiten nicht beginnen, sagte Gabrielli. Er wolle „den größtmöglichen Einsatz“ bringen, um den Inselbewohnern eine Umwelt-Tragödie zu ersparen.

Die italienische Regierung hatte am Freitagabend für die Gegend um den Unglücksort den Notstand beschlossen. Damit sollen schnelle Hilfe und zusätzliches Geld zur Bewältigung der Krise ermöglicht werden.

Botschafter Gerdts übermittelte dem Krisenstab den „Dank der Bundesregierung“. Widersprüchliche Angaben zur Zahl der Vermissten erklärte der Diplomat mit unterschiedlichen Quellen, etwa Angaben von Verwandten oder Passagierlisten. „Eine Liste von Vermissten zu erstellen, ist schwieriger als man denkt“, sagte Gerdts.

Große Anerkennung sprach er den Inselbewohnern aus, die in der Unglücksnacht „spontan menschliche Hilfe“ angeboten hätten. Gerdts unterstrich außerdem die gute Zusammenarbeit der lokalen Behörden mit den Mitarbeitern des Bundeskriminalamts, die bei der Identifizierung der Opfer vor Ort hülfen. Die Angehörigen der Verschollenen würden von Psychologen des Auswärtigen Amtes betreut.

Spezialkräfte der Feuerwehr durchsuchten in der Nacht zum Sonnabend den Teil der 290 Meter langen „Concordia“, der über Wasser liegt. Der Luxusliner habe sich dabei „Gott sei Dank“ nicht bewegt, bestätigte ein Sprecher der Rettungsmannschaften, Luca Cari. Die Befürchtung des Krisenstabs, ein Sturm könnte die Lage des Schiffes und die Rettungsmaßnahmen gefährden, bewahrheitete sich bis Sonnabendnachmittag nicht. Hoher Seegang könnte das havarierte Kreuzfahrtschiff destabilisieren und weiter sinken lassen.

Unterdessen sind Aussagen des unter Hausarrest stehenden Kapitäns Francesco Schettino bekannt geworden, die ihn teilweise entlasten könnten. Nach Medienberichten vom Sonnabend sagte Schettino bei einer Anhörung vor Gericht, er habe unmittelbar nach der Kollision mit einem Felsen beim Kreuzfahrt-Unternehmen angerufen und sowohl ein Schlepperboot als auch Hubschrauber zur Rettung gefordert.

„Mir ist ein Malheur passiert“, soll Schettino in dem Telefonat gesagt haben. Die Reederei wies die Darstellung zurück. „Er hat uns belogen und auch die Besatzung des Schiffes“, betonte der Chef von Reederei „Costa Crociere“, Pierluigi Foschi.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will angesichts des Unglücks neue Regeln für die Sicherheit großer Kreuzfahrtschiffe durchsetzen. Deutschland wolle die Evakuierungsrichtlinie der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) an die Größenentwicklung der Schiffe anpassen, teilte Ramsauers Ministerium der Nachrichtenagentur dpa mit. Beim Weltverkehrsforum Anfang Mai in Leipzig werde Ramsauer dafür erneut werben.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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