Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Suche nach drei Vermissten in Nachterstedt eingestellt
Nachrichten Panorama Suche nach drei Vermissten in Nachterstedt eingestellt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 20.07.2009
Die Suche in Nachterstedt nach den vermissten Personen wurde abgebrochen.
Die Suche in Nachterstedt nach den vermissten Personen wurde abgebrochen. Quelle: Ronny Hartmann/ddp
Anzeige

Das Land sicherte den betroffenen Familien eine unbürokratische Hilfe bei der Durchsetzung der Schadensansprüche zu.

Die Bundeswehr habe nach eingehender Prüfung keine Möglichkeit gesehen, mit schwerem Gerät bei der Ortung und Bergung der Vermissten zu helfen, sagte der Kommandeur des Landeskommandos Sachsen-Anhalt, Friedemann Wolf. Zuvor hatte ein Erkundungskommando eines Panzerpionierbataillons per Schlauchboot vom gefluteten See aus den Einsatz schweren Geräts geprüft. Wegen der Schlamm- und Geröllmassen sei ein Herankommen an den Unglücksort aber nicht möglich, sagte Wolf. Auch Taucher könnten wegen der geringen Sicht und der Geröllbewegungen im Wasser nicht eingesetzt werden.

Gerstner sagte, das Hauptaugenmerk liege nun auf der Hilfe für die Evakuierten. Bei dem Erdrutsch am Rande der ehemaligen Braunkohlegrube waren am Samstag ein komplettes Doppelhaus sowie die Hälfte eines weiteren Hauses in die Tiefe gerissen worden. Eine 48-jährige Frau sowie zwei 50 und 51 Jahre alte Männer wurden dabei unter Schlamm und Trümmern begraben. Rund 40 weitere Menschen hatten ihre Häuser nach dem Unglück verlassen müssen, in die sie wegen weiterer drohender Erdrutsche vorerst auch nicht zurückkönnen.

Sachsen-Anhalt sagte den Betroffenen unkomplizierte Hilfe zu. Das Land werde die Schadensregulierung juristisch begleiten und die Ansprüche von Anwohnern gebündelt und damit möglichst schnell gegenüber der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwertungsgesellschaft (LMBW) geltend machen, sagte Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) nach einer Sitzung des Katastrophenstabes. Laut Haseloff will die LMBV alle finanziellen Hilfen „unbürokratisch“ anbieten. Die LMBV ist im Auftrag des Bundes für die Sanierung der ehemaligen Braunkohletagebaue in Ostdeutschland zuständig.

Derweil ist die Unglücksursache weiter unklar. Nach Angaben der Fachleute gebe es bisher „keine plausible“ Erklärung, sagte Haseloff. Es müsse nun schnell ein Gutachten geben. Erst dann könnten die Sanierungsarbeiten in Nachterstedt fortgesetzt werden.

An der Unglücksstelle droht weiterer Boden wegzubrechen. Nach Angaben von LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber gibt es neue Risse in der Erde, die sich von der Böschung bis zu den nächsten Häusern ziehen. Nach seiner Einschätzung hat möglicherweise ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu dem Unglück am Samstag geführt. Im MDR sagte er, es könne an der Böschung selbst oder am Altbergbau mit seinen zahlreichen Hohlräumen gelegen haben.

Dass es an anderen ostdeutschen Tagebauen zu ähnlichen Erdrutschen kommen könnte, schloss Steinhuber aus. „So ein Zusammenspiel von geologischen Voraussetzungen und einer Wohnbebauung, die sich so dicht an einem Bergbaufolgesee befindet, haben wir an keiner anderen Stelle“, sagte er. Laut „Freier Presse“ sollen die gefluteten Gruben rund um Leipzig überprüft werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Nordrhein-Westfalen warnte vor ähnlichen Risiken durch die Braunkohlentagebaue im Rheinland. Nach dem Ende der drei Großtagebaue Garzweiler, Hambach und Inden entstünden gigantische Restlöcher mit noch unabsehbarem Schadenspotenzial. „Wegen der enormen Dimensionen der rheinischen Braunkohlentagebaue ist die Gefahr von Erdrutschen hier sogar wesentlich größer als in Ostdeutschland“, erklärte BUND-Braunkohlenexperte Dirk Jansen.

afp

Mehr zum Thema

Nach dem Erdrutsch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt will die Bundeswehr bei der Suche nach den seit Samstag vermissten drei Bewohnern helfen. Derweil sind weitere Risse im Bereich der Unglücksstelle aufgetreten.

20.07.2009

Das Unglück überraschte die Menschen im Schlaf. Am frühen Sonnabendmorgen war ein dumpfes Grollen in der Gemeinde Nachterstedt im Salzlandkreis zu hören. In Sekundenschnelle stürzte in dem kleinen Ort im sachsen-anhaltinischen Harzvorland ein Hunderte Meter breiter Hang am Rande eines einstigen Braunkohletagebaus ein.

18.07.2009

In der Gemeinde Nachterstedt im Harzvorland sind am Sonnabendmorgen bei einem Erdrutsch zwei Häuser in einen See gerissen worden. Nach Angaben einer Sprecherin des Salzlandkreises werden drei Menschen vermisst.

18.07.2009