Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Skandal um Billigsilikon versetzt Frauen in Krebsangst
Nachrichten Panorama Skandal um Billigsilikon versetzt Frauen in Krebsangst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 21.12.2011
Gefährliche Implantate: Das französische Unternehmen PIP soll wegen rückläufiger Umsätze mehr als sechs Jahre ein minderwertiges Silikon verwendet haben.
Gefährliche Implantate: Das französische Unternehmen PIP soll wegen rückläufiger Umsätze mehr als sechs Jahre ein minderwertiges Silikon verwendet haben. Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Paris/Berlin

In dieser Woche nun soll laut der Tageszeitung "Libération" von den französischen Behörden der Ratschlag erteilt werden, die Silikoneinlagen des französischen Herstellers Poly Implant Prothèses (PIP) wieder operativ zu entfernen. Sie stehen im Verdacht, schneller als andere Implantate zu platzen und möglicherweise Krebs auszulösen. Mindestens acht Frauen mit solch fehlerhaften Implantaten sind inzwischen an Krebs erkrankt, zwei weitere sollen bereits daran gestorben sein. Inwieweit die PIP-Prothesen dafür verantwortlich sind, ist noch unklar.

Sicher ist aber, dass viele Trägerinnen die Silikoneinlagen so schnell wie möglich entfernen lassen möchten. Die Folge: Eine Operationswelle, wie sie das Nachbarland und auch Europa noch nicht gesehen hat. Frauen in Deutschland sollen nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kaum betroffen sein.

Bislang rät die französische staatliche Aufsichtsbehörde für Arzneimittel, Afssaps, den Frauen dazu, mit ihrem Chirurgen eine eventuelle Entfernung des Implantats zu besprechen. Führende Krebsforscher und Ärzte gehen aber weiter: Die Präsidentin des nationalen Krebsinstitutes (INCA), Agnès Buzyn, sagte der "Libération", alle Frauen mit einem PIP-Implantat sollten es sich entfernen lassen.

Nach einer Arbeitssitzung am 23. Dezember soll diese offizielle Empfehlung noch vor Weihnachten publik gemacht werden. "Wir befinden uns in einer beispiellosen gesundheitlichen Krise", sagte Laurent Lantieri, einer der bekanntesten Chirurgen Frankreichs und Mitglied des Kontrollgremiums. "Wir haben keine Wahl mehr: Die Prothesen sollten entfernt werden."

Angesichts der Diskussion in Frankreich warnt die zuständige Bundesbehörde vor Panik. In Deutschland seien 19 Fälle von Rissen in solchen Brustimplantaten bekanntgeworden, „aber diese Fälle stehen in keinerlei Zusammenhang mit einer Krebserkrankung“, sagte der Sprecher des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Maik Pommer, am Mittwoch mit Verweis auf eine frühere Erhebung. Wie viele Frauen in Deutschland die PIP-Implantate  erhalten haben, sei dem Bonner Institut nicht bekannt.

In der Regel bekomme eine Frau nach einem solchen Eingriff einen Implantat-Pass mit Angaben zum Hersteller. „Verunsicherte Frauen sollten auf jeden Fall nochmal ihren implantierenden Arzt ansprechen“, riet Pommer. Derzeit werde in Frankreich geprüft, ob es einen konkreten Zusammenhang beispielsweise zwischen gerissenen Implantaten und einer Krebserkrankung gebe. „In Deutschland sind uns jedoch keine Verdachtsfälle von Krebserkrankungen im Zusammenhang mit diesen Implantaten gemeldet worden.“

Auch die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen glaubt nicht, dass die PIP-Implantate für Deutschland sehr bedeutend sind. „Wir haben im April 2010 die Warnung an unsere Mitglieder weitergeleitet. Darauf haben sich zwei Chirurgen bei uns gemeldet, die mit PIP gearbeitet haben“, sagte Chirurgen-Sprecherin Kerstin van Ark Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Mittwoch).

Das bereits im März 2010 aufgelöste französische Unternehmen PIP soll wegen rückläufiger Umsätze mehr als sechs Jahre ein minderwertiges Silikon verwendet haben, wodurch etwa eine Million Euro pro Jahr eingespart worden sein sollen.

dpa/dapd